Auf der Suche nach der Gänsehaut

Von in Blogs DE, Pro Mixing

Arrangeur, Komponist und Musikproduzent Mathias Grosch über seine Arbeit mit Pro Tools für „Sing meinen Song“

„Sing meinen Song“ ist aktuell in der zweiten Staffel gelaufen, und wie auch schon in der ersten Staffel spielte Mathias Grosch als musikalischer Leiter für das Format und Gründer der dazugehörigen Band „Grosch’s Eleven“, eine maßgebliche Rolle beim musikalischen Arrangement – und damit dem Erfolg der Staffel sowie dem des erneut auf Nr. 1 der deutschen und österreichischen Charts platzierten Albums zur Show. Bei unserem Interview wirft er mit uns einen Blick hinter die Kulissen und erzählt, wie die Produktion abläuft und warum sie nur mit Pro Tools funktioniert.

Wie bist du zu dem Job bei „Sing meinen Song gekommen? Das ist ja doch eine Art Ritterschlag, bei so einer populären Show die musikalischen Fäden in der Hand zu halten.

Ich habe 1998 in Mannheim angefangen, Jazzklavier zu studieren. Nach dem Ende des Studiums 2002 bin ich über Kosho, den Gitarrist der Söhne Mannheims, in die Studioarbeit bei der Naidoo-Herberger reingerutscht. So bin ich dann auch recht schnell an eigene Produktionen gekommen bei denen ich die Gesamtleitung hatte, und schon 2004 bin ich hier im Haus dann in ein größeres Studio umgezogen. Inzwischen habe ich viele Standbeine: Ich komponiere, ich arrangiere, ich spiele, produziere, ich bin Toningenieur, das hat sich alles irgendwann ganz natürlich ergeben. Ich habe dann auch das letzte Album von Xavier Naidoo gemischt, das eine Goldene Schallplatte bekommen hat. Und daraus ergab sich am Ende die Zusammenarbeit zu „Sing meinen Song“.

Wie seid ihr das Ganze angegangen?

Wir sind vor rund zweieinhalb Jahren in die konkrete Planung eingestiegen und haben unsere Ideen zusammengeworfen. Es ging uns vor allem darum, dass die Lieder in der Sendung nicht einfach gecovert werden, sondern dass ein „musikalischer Maßanzug“ entsteht. Auch wenn das ganze Format sehr spontan und improvisiert wirkt: Es steckt eine Menge Arbeit und Vorbereitung dahinter.

Und was heißt das konkret? Wie sieht die Vorbereitung für die Shows aus, die ja in Südafrika aufgezeichnet werden?

Konkret sieht es so aus, dass ich mich im Vorfeld der Show mit den Künstlern treffen und die Lieder durchsprechen. Wir überlegen gemeinsam, wie wir einen Song am besten für einen bestimmten Künstler adaptieren und umarrangieren können. Im Anschluss daran mache ich dann in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern die Arrangements. Zwei Monate vor der Aufzeichnung sind wir dann mehrere Wochen im Studio, um die Songs mit der Band und den Künstlern zu proben. Wichtig ist, dass keiner weiß, was die jeweils anderen singen werden, das alles bleibt ein Geheimnis bis zur Aufzeichnung. An der Aufzeichnung selber ist dann das Ungewöhnliche, dass sie nicht gescriptet ist – nichts ist festgelegt, die Interaktionen sind tatsächlich authentisch und spontan. Die Kamera läuft einfach durch, geschnitten wird nur, um hinterher im Zeitrahmen zu bleiben.

Klappt das denn alles immer auf Anhieb?

Es macht immer wieder total Spaß, zusammen mit den Künstlern und der Band die neuen Arrangements zu erarbeiten. Manchmal werden die Vorschläge, die ich mache, auch mal komplett über den Haufen geworfen. Kann passieren, aber die Band ist dann so spontan und wir finden schnell einen anderen Ansatz der dann funktioniert. Das Gute ist, dass wir uns in- und auswendig kennen und die Band im Studio die gleiche ist wie die bei der Aufzeichnung. Dadurch gibt es keine Brüche, und die Atmosphäre ist total entspannt.

“Die Band legt los, und der Sound klingt immer genau so, wie wir ihn uns erdacht haben. Das hat mit keiner anderen Lösung funktioniert!”

Mathias Grosch über Pro Tools

Wie könnt ihr so einen engen Produktionrahmen denn technisch möglich machen?

Wir arbeiten bei Proben und Produktion komplett mit Pro Tools und bei der Arrangementarbeit in der Vorbereitungsphase mit Sibelius. Auf der Tonebene hat sich gezeigt, dass Pro Tools schlicht und einfach die einzige Lösung ist, die für unser Set-up funktioniert – von den Proben im Studio über die Live-Aufnahmen bis zur Arbeit am Album. Da zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung weniger als 8 Wochen liegen und bis dahin die CD Produktion mit den Live-Aufnahmen am Start sein muss, arbeiten wir praktisch parallel an Live-Aufnahmen und Album.

Konkret muss man sich das so vorstellen:  schon beim Einspielen der Songs im Studio greifen wir klanglich stark ein, d.h. wir benutzen Pro Tools ganz klassisch wie ein Mischpult mit einem Bus-System. Die einzelnen Instrumente werden direkt in Pro Tools aufgenommen und hierbei schon während der Aufnahme auf ein Bus-System geroutet und nach unserer klanglichen Vorstellung geformt. So bekommt man schon zu diesem Zeitpunkt alle Signale, insbesondere der Drums, schon im Studio entsprechend fett. Wir haben da super Erfahrung mit den Waves -Plugins gemacht, und ich bin ein großer Fan des SSL Compressors oder der Waves 1176er Simulation. Genauso kümmern wir uns während dieses Prozesses um eine zum jeweiligen Song passende Raumästhetik. Vieles passiert natürlich am Instrument, gerade bei den Gitarren und den Keyboards, aber bei den Drums haben wir alle Freiheiten aufgrund der trockenen Akustik im Studio, welche den Außenbedingungen in Südafrika ähnelt. Ein Riesen-Vorteil von Pro Tools ist dann natürlich folgender: In der Live-Situation müssen wir nichts mehr neu einstellen. Auch von der Rechenleistung her bewältigt kein anderes Tool diese Aufgabe. Den Monitormix machen wir dann im Studio, genauso wie live auch über Pro Tools. Die dort eingespeisten Signale gehen direkt nach klanglicher Bearbeitung wieder an die einzelnen Musiker zurück, die sich dann mithilfe eines kleinen Mischers den Monitor-Mix selber machen können. Ach ja, fast vergessen: Die fertigen Submixe werden übrigens per MADI auch zum FoH geschickt und er muss sich dann nur noch um die Stimmen der Künstler kümmern. Mit anderen Worten: Die Band legt los, und der Sound klingt immer genau so, wie wir ihn uns erdacht haben. Das hat mit keiner anderen Lösung funktioniert! Als Controller sind wir mittlerweile bei 4 gestackten Avid Artist Mix gelandet.

So gut wie alle beteiligten Musiker arbeiten mit Sibelius. Damit ist es uns möglich, mal eben während den Proben Tonarten oder Abläufe zu ändern oder in einer Aufnahmepause eine Partitur zu ändern.

Wie geht es nach der Aufzeichnung weiter?

Nach der Aufzeichnung haben wir vier Wochen für die finalen Mixe. Wir arbeiten zu dritt daran, das heißt wir säubern den Mix oder korrigieren die wenigen Fehler die passiert sind. Dies läuft für die Ausstrahlung und das Album fast parallel. Da wir auf identischen Systemen arbeiten können wir die Sessions problemlos untereinander tauschen. Da fängt einer mit dem säubern der Spuren an während sich der andere schon um die Compression bei den Vocals kümmert usw.

Die zweite Staffel ist durch, und auch das zweite Album ist erschienen. Woran arbeitet ihr im Moment?

Zurzeit laufen die Proben für die Weihnachtsshow, die dieses Jahr in einer alten Hütte in Ellmau aufgezeichnet wird. Das ist von der Akustik her wieder ganz anders als in Südafrika, aber genauso großartig. Und auch hier geht es eigentlich nur um eins: die Suche nach der Gänsehaut.

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As Marketing Manager Audio one of my most exciting responsibilities is to work with customers and artists from music production and live sound up to big film mixing studios.