Avid Pro Tools | S6 Controller punktet durch EUCON-Protokoll beim NDR Hörfunk in Hannover in Kombination mit Sequoia

Von in Broadcasting, Pro Mixing

Die Avid Pro Tools | S6 Konsole unterstützt intuitiven und vollständigen Mixing Workflow. Weltweit schätzen moderne Mixing Engineers die Ergonomie und Unmittelbarkeit der S6 besonders beim Mischen von komplexen Projekten.

Und dabei ist die S6 die weltweit einzige Konsole, die dem Anwender die Wahl lässt, welche Recording und Mixing DAW diejenige der persönlichen Wahl ist. Mit dem EUCON-Protokoll steht die S6 im perfekten Dialog mit allen professionellen Applikationen von Pro Tools über Cubase zu Logic und einigen anderen mehr.

Der NDR suchte für das Landesfunkhaus in Hannover nach einer Konsole für die Radio Feature Produktion. Nun ist der Rundfunkstandard der ARD die DAW Sequoia. Ein Fall für EUCON und die S6. Wir trafen den Teamleiter Musikproduktion, Ingo Schwarze, im Landesfunkhaus Niedersachsen in Hannover und erfuhren von ihm alles über die Installation und den Workflow der S6 mit Sequoia.

Teamleiter Musikproduktion, Ingo Schwarze am neuen S6-Platz

Was passiert in diesem Studio und an diesem Arbeitsplatz genau?

Wir befinden uns hier in der Regie 3 im Landesfunkhaus Niedersachsen, einem von vier Standorten des Norddeutschen Rundfunks – hier im Bereich der Welle NDR Kultur. Dieses Studio ist hauptsächlich damit beschäftigt, Feature-Produktionen, kleine Hörspiele, Lesungen und Hörbücher zu produzieren, also alles sehr wortorientiert. Das heißt, dass wir eine überschaubare Aufnahmephase mit einem oder mehreren Schauspielern und dann viel Post-Produktion haben. Für die Post-Pro haben wir auch schon im Vorgängerstudio eine controllerbasierte Arbeit zu schätzen gelernt: schneller, effektiver, nach längerer Zeit wieder aufrufbar. Seinerzeit haben wir das mit einem Mischpult per Mackie-HUI-Protokoll gemacht.

Vor zwei, drei Jahren, als eine Erneuerung anstand, sind wir auf die Suche gegangen und haben uns umgeschaut, was die anderen machen. Da gibt es im Prinzip zwei Fraktionen: die einen nehmen ein großes Produktionsmischpult und verbinden es per Audio und Timecode mit der DAW. Das fanden wir immer ein bisschen schwergängig. Die anderen mischen mehr oder weniger in the box.

Gerade bei Hörspielen kommt eine Menge an Atmo und Geräuschen, die der Regisseur vielleicht sogar erst zur Produktion mitbringt. Dann ist es hier ganz einfach, noch einen Sack Spuren aufzumachen und die Audios da hineinfallen zu lassen. Ich habe sofort am Controller diese Spur als Mixkanal zur Verfügung und muss nicht erst ein großes Routing am Audiomischpult machen. Das sind schon wirklich tolle Vorteile.

Sequoia, die S6 – Platz für Erweiterungen

Ein Hörspiel ist ja eine große Produktion, vergleichbar mit einem Film …

Man denkt ja szenisch. Im Skript des Regisseurs ist es ähnlich wie in einem Filmdrehbuch. Es werden bestimmte Räumlichkeiten beschrieben, die man hörbar machen muss: vom Schlafzimmer in die Küche, dann nach draußen und in die große Halle rein. All das muss man ohne Bild herstellen können, dazu wird ganz viel mit Geräuschen, mit Räumen und mit Richtungen gearbeitet. 

Die DAW eurer Wahl ist Sequoia. Warum und seit wann?

Unsere Erfahrungen mit Sequoia reichen bis ins Jahr 2002 zurück. Damals wurde dieser Bereich im NDR digitalisiert. Wir hatten schon seit Ende der 90ziger Jahre ein großes Content-Management-System, das dira-System von scisys mit einem eigenen Editor, der für solche Produktionen aber nicht geeignet ist.

Nachdem das Aufnahme- und Schnittmedium für so etwas früher Zweispur-Analogband war, mussten wir uns für eine neue Richtung entscheiden und haben uns alle interessanten Workstations angeschaut: unter anderem auch Pro Tools und Cubase. Letztendlich konnte seinerzeit Sequoia in der Version 3 in diesem Bereich schon so viel mehr als alle anderen Workstations: Als Beispiel sei der Crossfade-Editor genannt, der ganz lange die Domäne einer einzigen Firma namens Sonic Solutions war. Dazu kam die Tatsache, dass wir schon immer mit der Entwicklungsabteilung von Magix gut kooperiert haben, die sich sehr offen für unsere Wünsche gezeigt haben.

Dieses Produkt hat sich, soweit ich das überschauen kann, über die Jahre im gesamten ARD-Hörfunkbereich als Mehrspursystem durchgesetzt. Dabei gab es immer eine Zweisamkeit von Pro Tools und Sequoia, wobei Pro Tools ganz oft im Bereich Akustikdesign – also Jingleproduktion und ähnliches – und Sequoia eher als Schnittsystem für Musik und für Wort zum Einsatz kommt. Daher war dieses Produkt eigentlich gesetzt.

Für die Erneuerung der Regiekomplexes haben wir geschaut, was wir als Hardware neben Sequoia stellen können. Das überlappte sich zeitlich mit der ersten Vorstellung der S6. 2014 war ich dann auf der Musikmesse und Eric hat mir eine kurze Vorführung gegeben. Da hab ich eigentlich schon gedacht, dass die S6 genau das ist, was wir suchen. Was damals im Raum stand, dass man über die Schnittstelle nicht nur Pro Tools, sondern auch andere DAWs betreiben kann, das war sehr, sehr interessant.

Hier wird noch, bzw. wieder, richtig live produziert: unterschiedliche Schrittböden

Was habt ihr genau gesucht?

Wir haben etwas gesucht, dass uns vollständiger und umfangreicher ermöglicht in the box zu mixen. Das haben wir vorher auch schon gemacht, wollten es aber jetzt physisch greifbar machen. Das heißt: Bedienelemente für alles, was wir sonst im Softwaremixer mit der Maus angefasst haben. Ein tolles Feedback von einer Hardware, sprich Benamung, Anzeige von Parameterwerten, sehr gut auflösend – eine bessere Auflösung als die von MIDI – und all das versprach ja das Produkt.

Und man kann mehrere Parameter gleichzeitig steuern …

Genau! Bei Hörspielproduktionen ist das Mixen sehr dynamisch. Man hat eigentlich immer ganz viele Parameter, die sich auf einmal verändern. Zum Beispiel, wenn jemand durch den Raum geht, muss man die Lautstärke verändern, das Panorama verändern, den Hallanteil verändern. Das kriegt man mit der Maus in mehreren Gängen hin, aber das hat man ganz einfach und viel besser in der Hand, wenn die Finger auf Fadern liegen und an Drehreglern schrauben und ich quasi mit der Hand mitfahren kann.

Fast wie bei einem Live-Mix …

Ja, und man hat nuancierte Lautstärkeveränderungen besser im Finger als in der Maus.

Fast wie Live Mixing – Radio Feature Produktion

Wie war der weitere Prozess und wann ist die Entscheidung für eine S6 gefallen?

Mit Sequoia arbeiten wir schon sehr lange zufrieden und erfolgreich. Und schließlich wollten wir einen Controllerbasierten Workflow mit unseren Systemen integrieren. Dazu gab es zunächst ein zweijähriges Kennenlernen der Firma Avid und ein Zusammenbringen der Firmen Avid und Magix. Wir haben uns einmal bei Magix in Berlin getroffen. Dort haben wir zum ersten Mal die Konsole mit einer rudimentären Integration von Sequoia sehen können, ein Feedback und unsere Wünsche an beide Firmen gegeben. Dann gingen immer so drei, vier Monate ins Land und dann hat man sich unter anderen Umständen wiedergetroffen. Es gab auch eine Vorführung hier im Haus mit einer weiteren Fortentwicklung, sowohl bei der Software in der S6 als auch der einer Betaversion von Sequoia. Es war ein stetiges Anwachsen der Funktionalitäten sichtbar. Schlussendlich waren wir letztes Jahr im Sommer in der Ausschreibungsphase, in der es konkret um das neue Studio geht. Da mussten wir uns entscheiden, ob wir so mutig sind, diesen Weg zu gehen. Dann hatten wir noch mal ein Treffen in Berlin und das Gesamtkonzept der S6, plus Audiohardware eines weiteren Herstellers, plus Sequoia machte auf uns den Eindruck, dass wir sicher in eine Realisierungsphase gehen können, in der wir wissen, dass wir etwas anschaffen, das dann auch in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahre hier seinen Dienst tun wird. Das gute Gefühl, dass wir ein System bekommen, was augenscheinlich stabil ist und gut funktioniert – das hat den Ausschlag gegeben.

Wir haben das Studio im März nach einer langen Phase von Schulungen in Betrieb genommen, auch durch Eric Horstmann, der hier die Bediener und den Service eingewiesen hat. Das war eine Phase, in der sich die Kollegen ohne Produktionsdruck an die Umgebung hier gewöhnen konnten. Seit Ende April sind wir im Produktivbetrieb und haben jetzt schon mehrere Produktionen gemacht. Natürlich gibt es immer noch ein paar Dinge, die schöner sein könnten – das ist work in progress – aber man hat eigentlich sofort bei der ersten Produktion genau die Vorteile, die wir uns erwünscht haben, wahrgenommen und umgesetzt. Unsere Vision ist also genau aufgegangen.

Wird das kreative Element mit der Konsole besser unterstützt?

Man kann viel schneller Wünsche seitens der Regie realisieren und ein Ergebnis präsentieren. Das macht den ganzen Produktionsprozess sehr lebendig. Es hat sich in der ersten Produktion schon gezeigt, dass man auf alle Parameter ohne Maus tiefgreifend einwirken kann, die man sonst in Menüs suchen würde und dann vielleicht doch weglässt. Alles, was ein bisschen komplex in der Software ist, setzt man viel natürlicher ein, weil es nach vorne geholt und in eine Hardware gepackt wird. Das funktioniert sehr gut.

Inwieweit sind schon Softkeys eingerichtet?

Das haben wir mittlerweile gemacht, aber wir haben schnell gemerkt, dass wir gar nicht viele brauchen. Wir haben nicht wochenlang Menüpunkte rausgesucht, die wir gerne auf einer Hardwaretaste hätten. Neben der reinen Transportfeldbedienung sind das ein paar Marker und Spezialfunktionen, die man sehr schön ohne Maus am Pult bedienen kann.

Um es noch besser zu machen, fehlt momentan noch eine Mappingfähigkeit von Plugin-Parametern, zu Beispiel in optischer Anlehnung an das Plugin. Zum jetzigen Zeitpunkt werden die Parameter  wild verteilt und das kann man sich nicht gut merken. Zum Beispiel ist mein Outputdrehgeber bei dem einen Plugin an der einen Stelle, bei dem anderen da und man muss ständig gucken, wo man denn eigentlich drehen muss. Da muss ich dann doch zur Maus greifen, aber es ist ja zumindest in Aussicht gestellt, dass mit einem der nächsten Updates für die S6 dieses Mapping kommen wird. Das wird uns noch mal sehr helfen und deutlich nach vorne bringen.

Die Zusammenstellung erfolgte nach Ihren Spezifikationen?

Wir haben uns vorher viele Gedanken gemacht und mit den modularen Fähigkeiten gespielt, dabei große Papierbögen auf den Tisch gelegt. Während der ganzen Planungsphase haben wir uns die Freiheit gelassen, nichts in Stein zu meißeln. Wir haben nur einen Rahmen vorgeben, um nach einem halben Jahr immer noch entscheiden zu können, ob die Zusammenstellung der Module in der Praxis ideal ist. Das ist ein ganz großer Vorteil von dieser Konsole.

Bei so einer Arbeit gibt es immer zwei Ansätze: Zum einen das Mischpult in der Mitte und die DAW außen oder die DAW in der Mitte und das Pult geteilt und außen. Beides halten wir uns offen. Man kann das jetzt noch angedeutet sehen: Wir haben neben den eigentlichen Modulen des Pults Leerblenden und könnten so mit dem Pult noch zwei Ebenen nach außen gehen und in der Mitte Platz schaffen, sollte es sich erweisen, das dieser Workflow besser ist als das Zentrale Sitzen vor dem Mischpult. Da sind wir gerade in der Findungsphase.

Wir haben uns ganz genau die Ergonomie angeguckt: Wie kann ich das Mischpult am effektivsten bedienen? Das hat etwas mit Armlängen und Erreichbarkeit von Bedienelementen zu tun. Was es so nicht von der Stange gibt, ist diese Erhöhung der hinteren Module. Da haben wir vor einer planen Fläche gesessen und uns die Module angeguckt: In welchem Winkel kann ich denn eigentlich die Parameter in den OLED-Displays ablesen, ohne dass mir der Drehgeber davor die Sicht versperrt? Oder wie lang ist mein Arm? Wo komme ich noch ran?

Ungewöhnlich in der Zusammenstellung ist zum Beispiel das Touch-Modul. Das würde üblicherweise weiter hinten sitzen. Da komme ich mit dem ausgestreckten Arm nur ganz schwer hin, muss aber oft ran. Wir haben alles so zusammengestellt, dass wir maximal ergonomisch arbeiten können.

Eine Kleinigkeit haben wir uns noch bauen lassen, das ist der Trackball, der jetzt vor dem Touchscreen sitzt. Den gibt es so noch nicht von Avid. Vielleicht eine Idee? Der sollte natürlich in der Optik dazu passen. Das bewährt sich gut, dass wenn ich die Maus benutzen müsste, ich nicht aus dem Griffbereich des Mischpults rausrutschen muss. Ich nehme dann den zentralen Trackball und kann die Dinge erledigen, die ich eigentlich mit einer Maus machen müsste.

Trackpad integriert in den Konsolen-Arbeitstisch

24 Fader und das Encoder-Modul für Plugins: Habt ihr euch die Möglichkeit offen gehalten mit mehr Fadern zu arbeiten oder kann man so gerade gut navigieren?

Die Möglichkeit haben wir dadurch, dass wir einen Maximalausbau vorbereitet haben. Unter den Platten sind die Anschlüsse für mehr Module schon gelegt. 48 Fader wäre das Maximum. Aber wie weit kann ich meine Arme strecken, um sinnvoll arbeiten zu können? Alles andere ermöglicht mir ja das Mischpult selber, indem ich Kanäle banken kann, ich also an derselben Arbeitsfläche bleibe und mir andere Kanäle auf die Fläche hochhole. Das ist ja über die Layouts, über Zones oder das Weiterbanken von den DAW-Kanälen sehr gut gemacht.

Ich denke, das ist eigentlich eine gute Ausbaustufe, bei der wir selten Fader vermissen. Hat man hingegen ein Projekt, bei dem man mit mehreren Personen am Mischpult sitzt, dann wäre es wieder eine andere Geschichte. Da benötigt jeder einen Bereich zum Arbeiten. Das sehe ich für uns aber momentan nicht. In einer wirklich großen Surround-Filmmischung da sieht man ja ganz oft mehrere Arbeitsplätze an einem Mischpult, das ist hier aber nicht der Fall.

Kann man die ersten beiden Produktionen nennen?

Eine Produktion habe ich jetzt am Wochenende gemacht, für einen bundesweiten Wettbewerb. Da stellt der NDR die Technik zur Verfügung, damit ausgewählte Schulklassen, die ein Hörspiel eingereicht haben, dieses verwirklichen können. Gestern und vorgestern waren jeweils 15 Schüler mit Lehrkräften, einer Regisseurin und Regieassistenz hier und wir haben an einem Tag je ein kleines Hörspiel aufgenommen und dann fertig produziert. Die andere Produktion war ein Feature für NDR Info.

Einen Featurewunsch haben wir ja schon besprochen, der andere war die Wellenformdarstellung, oder?

Genau, an der Wellenformdarstellung arbeitet Magix ja gerade, das gibt es als Feature für uns Kunden noch nicht. Wäre auf jeden Fall noch mal ein Schritt nach vorne, gerade bei der Post-Produktion und bei kleinteiligen Dingen mit kurzen Geräuschen, die einmalig in einer Spur auftauchen. Das sollte man auch visualisiert am Mischpult erkennen können: Neben dem Metering läuft dann die Wellenform und ich erkenne sofort: Da kommt gleich das Geräusch auf der Spur! Ich muss gar nicht mehr auf die DAW gucken, um mich zu orientieren, sondern ich kann mich fokussieren, an der Position, an der ich am besten höre und ich sehe trotzdem, was auf mich zukommt. Und es gibt natürlich noch viele kleine Details, die man nicht alle aufzählen kann.

Welche Plugins setzt du ein?

In dem Bereich „Feature / Hörspiel“, in dem es sehr viel um die Virtualisierung von Räumen geht, gibt es schon ein paar markante Plugins, zum Beispiel Speaker Phone von Audioease Die Aufgabe lautet etwa: Der Schauspieler spricht am Telefon oder er steht auf dem Bahnsteig und im Hintergrund kommt eine Ansage. Das erleichtert den Arbeitsablauf enorm. Man muss nur aufpassen, daß man nicht nur die Presets abfeuert, weil das Produkt sonst im jedem Hörspiel wiedererkennbar auftaucht. Aber alles lässt sich gut anpassen, sodass man summa summarum eine tolle Welt der Klänge zur Verfügung hat.

Zweites Beispiel: Altiverb für die Generierung von Räumen, auch Räume, die man im musikalischen Bereich vielleicht nicht haben will: einen Wald, ein Schlafzimmer, eine Küche. Im Hörspiel und sicher auch in der Film-Post-Pro greift man gerne auf Altiverb zurück, weil viele Parameter schon da sind, die man sich sonst umständlich per Hand stricken müsste. Das macht den Workflow deutlich schneller.

Womit wir lange gerungen haben, war die Frage, ob wir ein Projekt ohne die gewohnte Audioanbindung machen können. Das ist üblicherweise ein Broadcast-Audiomischpult, das uns neben viel Audio auch Interkom, Quellen-Abhören und Steuerung abgenommen hat, was wir aus anderen Projekten gewohnt waren. 

Das gehört im Prinzip mit zu diesem Projekt: Entscheidungsfindung auch mit dem Produkt AX32 und den Überlegungen, was für uns an Audiotechnik elementar wichtig und was verzichtbar ist. Man kann die Dinge manchmal auch verkomplizieren, ob der Möglichkeiten. 

Wir haben lange überlegt, wie wir mit Kommando umgehen sollen. Müssen wir wirklich alle Räume einzeln ansprechen können? Ist es nicht genauso effektiv, ein generelles Kommando zu haben, was in alle Wege geht und von den Plätzen besprochen werden kann. Wir haben die Möglichkeiten des AX32 angekuckt, schließlich auch voll ausgeschöpft und vermissen momentan erstmal keine Funktion.

Ergonomisch individuell angepasst für bequemen und ermüdungsfreien Workflow.

Welche Audiohardware kommt zum Einsatz?

Audioseitig basiert das Ganze auf zwei DAD AX32, die uns die ganze Audio- und Steuerungsstruktur hier in dem Raum bieten. Wir haben 24 analoge Mikrofonanschlüsse auf zwei Räume verteilt, die MADI-Anbindung an zwei Sequoia-Systeme und Routing einzelner Signale aus den AX32 in das Dante-Netzwerk, auch für Kopfhörer. Das ist übrigens auch das erste Mal, dass wir hier im Haus Dante produktiv einsetzen. Wir haben die beiden AX32 auch noch mal über Kreuz mit MADI verbunden, weil wir Signale sowohl des einen als auch des anderen wieder in andere Geräte führen müssen. Nicht zuletzt steckt auch ein Redundanzgedanke hinter den zwei AX32-Systemen, die wir so bestückt haben, dass wir auch den Ausfall von einem System durch das Umstecken von Karten innerhalb des AX32 kompensieren können. Das gilt auch für die beiden Sequoia-Maschinen. Wir lassen bei Aufnahmen immer beide Systeme laufen, damit wir auch die Aufnahmen auf zwei getrennten Festplattensystemen zur Verfügung haben. Nichts ist schlimmer, wenn der Schauspieler aus dem Haus ist und das Audio ist weg! Und wir haben einen Ersatzteilpool für alle zentralen Elemente der S6, die wir hier im Haus schon einmal als Spare vorhalten.

Verwendet ihr hin und wieder mehrere DAWs gleichzeitig? Das kann die S6 ja …

Wir arbeiten im Prinzip schon in einer Art Mischbetrieb bei der Aufnahme, indem wir die Hardware-Bedienelemente des AX32 auf die Oberfläche holen und parallel dazu über ein Layout die entsprechenden Aufnahmekanäle vom Sequoia daneben legen. Das ist ein großer Vorteil für uns an dieser Stelle. Beide Sequoia-Systeme sind an die S6 angebunden, ich kann also zwischen beiden Systemen während der Arbeit wählen. Wir haben drei Bildschirme und müssen an der Tastatur einmal umschalten, damit die DAWs sichtbar werden und an der S6, damit wir die Bedienelemente von der anderen Maschine holen.

Ihr habt mit dieser Installation einige Aufmerksamkeit in der ARD erregt …

Soweit ich weiß, sind wir die ersten, die dieses Konzept umgesetzt haben. In den letzten zwei Monaten haben wir von vielen ARD-Anstalten eine positive Resonanz bekommen und einige wollen die Reise nach Hannover antreten, um sich das System anzuschauen und dann zu überlegen, ob es zu ihren Bedürfnissen passt. Das zu adaptieren wird nicht überall gehen, aber für unsere Bedürfnisse funktioniert das Setup hier sehr gut. Jeder, der sich in der ARD momentan mit so einem Thema befasst, schaut mit Spannung hierher und für alle ist das eine der Optionen, die man derzeit erwägen kann.

Die technische und mechanische Umsetzung unserer Planungen hat die Firma Qvest Media hervorragend gemacht. Da sind wir sehr glücklich mit den handelnden Personen gewesen. Man hat gleich gemerkt, dass sie unsere Sprache verstehen und selbst viel Erfahrung mit in so ein Projekt einbringen. Und besonders im Möbelbau haben wir mit den entsprechenden Firmen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Es war sehr erfreulich, von beiden Firmen, Magix und Avid, über Monate hinweg den Willen zu spüren, dass sie das hinkriegen wollen, sich die Bälle zuspielen und auf einer sehr guten Arbeitsebene zusammenarbeiten. Das war super! Das kann mit verschiedenen Gewerken auch so laufen, dass sich immer der schwarze Peter zugeschoben wird. Das war hier gar nicht so. Auch Probleme, die es zwischendurch gab, sind offen angesprochen und gelöst worden!

Thomas Wendt ist Kommunikationsexperte mit einer Geschichte als Gitarrist, Produzent und Toningenieur. Seit 1998 hilft seine Agentur Integrative Concepts Unternehmen aus der Tech, MI und Pro Audio Branche ihre Services und Produkte bekannt zu machen.