Bilderbuch – Live im Docks Hamburg – Andi Zwirchmair mischt FOH mit der Avid VENUE | S6L

Von in Live Sound

aufgezeichnet von Mark Ziebarth

Das Docks in Hamburg ist eine Institution in Sankt Pauli und in den letzten vierzig Jahren von vielen bekannten Bands besucht worden. 1.500 Gäste passen rein und die österreichischen Pop-/Indie-Rocker Bilderbuch bespielten diese Location zwei Abende nacheinander vor ausverkauftem Haus.

Am zweiten Abend, dem 04. April 2017 fand gleichzeitig der Tourabschluss statt. Wir durften Andi Zwirchmair dabei zusehen, wie er für die jungen Wilden den FOH-Sound mischte.

Andi Zwirchmair mischte die gesamte Bilderbuch Tour mit Avid VENUE | S6L

Andi, wie viele Inputs bekommst Du von der Bühne?

Insgesamt kommen im Pult 48 Eingangskanäle an. 39 davon kommen direkt von der Band, also den Drums, der Elektronik-Sektion, den beiden Gitarren, Bass und Keyboard sowie den Gesangsmikrofonen, der Rest sind Kommunikationskanäle, Zuspieler, Atmo-Mikros etc.

Das Docks ist im Unterschied zu vielen anderen Hallen dieser Tour akustisch ganz brauchbar, so dass die Arbeit mit meinem PA-Tech vor Ort vergleichsweise unproblematisch ist.

Ich arbeite schon seit einigen Jahren mit verschiedenen VENUE-Konsolen und hier bei Bilderbuch mit einer VENUE | S6L mit 24 Fadern und einer 144er Engine. Ich arbeite ausschließlich mit den internen Mic-Pres des S6L und überwiegend auch mit den internen Dynamics, mit zwei Ausnahmen: In meiner Vocal-Gruppe ist ein Avalon VT 737 SP insertiert, der vor allen Dingen dazu dient, die Stimmen nach vorne zu holen. Ein Tegeler Audio VTC Kompressor sitzt in der Gruppe „Band“, durch die alles außer die Vocals geschickt wird. Der sorgt für den richtigen „Glue“, damit der Band-Sound wie aus einem Guss klingt. Die meisten anderen EQs, Dynamics und Effekte sind Plug-Ins, die auf den DSPs der S6-Konsole laufen.

 

Was ist das Geheimnis hinter dem abwechslungsreichen Bilderbuch-Drumsound? Das sind doch nicht nur Natur-Drums, oder?

Nein. Das Drum-Setup von Pille (der Drummer) ist komplex. Dominiert wird es von seinem Natur-Drumset von Tama mit zwei Snare-Drums, das klassisch mikrofoniert ist. Darüberhinaus bedient er aber auch noch zwei SPD-SX Sampling-Pads von Roland, mit denen zum Beispiel elektronische Drumsounds erzeugt werden, aber auch Zuspielungen und Clicks. Wie in jeder klassischen Rockband gibt er den Beat vor und die anderen setzen sich drauf. Pille ist ein sehr tighter und zuverlässiger Drummer, der beim Steuern seines akustisch/elektronischen Setups keine Fehler macht. Das akustische Drumset liefert das Fundament des Bilderbuch-Sounds und bleibt im Laufe des Konzerts konstant. Die elektronischen Sounds und Zuspielungen ergänzen diesen Sound mit unterschiedlichen Klängen von Song zu Song.

 

Welche Signale kommen von den anderen Instrumentalisten?

Mike (der Gitarrist) hat ein umfangreiches Gitarrenboard mit sehr ausgesuchten Komponenten. Seine Amps sind eigentlich günstigere Modelle, die aber für seine Bedürfnisse modifiziert sind. Mit einem Guitar-to-MIDI-System kann er außerdem ungewöhnliche Klangfarben zum Bilderbuch-Sound beisteuern. An einer Stelle im Set spielt er zum Beispiel einen Klaviersound auf der Gitarre, in einem Song auch Flöte.

Peter (Bass und Synthesizer) nutzt für seine Sounds ausschließlich Softwaresynthesizer. Giovanni, unser Monitor-Mann, unterstützt ihn bei der Verwaltung der Sounds am Computer, der ins Monitor Setup miteingebaut ist.

Andi arbeitet ausschließlich mit den internen Mic-Pres der S6L und den internen Dynamics. Lediglich in der Vocal-Gruppe ist ein Avalon VT 737 SP insertiert. Ein Tegeler Audio VTC Kompressor sitzt in der Gruppe „Band“, damit der Band-Sound wie aus einem Guss klingt.

Was sind die größten Herausforderungen beim Mischen eines Bilderbuch-Konzerts?

Grundsätzlich ist es immer wieder schwer, die richtige Balance zwischen der Band und den Vocals zu finden. Das muss ich jeden Abend neu bewerten und entscheiden. Ähnlich verhält es sich mit dem Bassanteil. Wie viel tieffrequenter Anteil ist noch gut und wann wird es zu viel? Diese Frage stelle ich mir ständig und nehme von Song zu Song kleine Korrekturen vor. Wie Du gesehen hast, bin ich ein großer Freund von Tempo-Delays, die ich zuerst ins Pult eintappe und dann dynamisch den Vocals hinzufüge, um schöne kleine Echowolken in die Gesangspausen zu legen. Das passiert „on-the-fly“ und ist nicht vorprogrammiert, damit ich direkt auf Maurice’ (der Lead-Sänger) Performance reagieren kann.

 

Welche Plug-Ins benutzt Du?

Alle (lacht). Neben den sehr guten Standard-Werkzeugen, die direkt im Pult stecken, nutze ich zum Beispiel den Elysia Mpressor sehr gerne, um alle elektronischen Sounds zu verbinden. Für meine Echo-Wolken benutze ich das Mod Delay von Avid, das mir in der neuen Version III sehr gut gefällt. Den Pultec EQP-1A aus dem Werks-Bundle und die Avid Pro Multiband Dynamics benutze ich, um spitz klingendes Material zu bändigen oder etwas Glanz auf etwas zu matt klingende Sounds zu bringen.

“Ich benutze VENUE schon seit einigen Jahren und es ist mein  Lieblings-System für FOH. Die S6-Konsole ist im Handling nochmal deutlich benutzerfreundlicher als die älteren Modelle. Die Klangqualität hat sich durch die 96 Kilohertz auch noch mal deutlich verbessert. Der VENUE-Workflow ist mir in den letzten Jahren so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich alles sehr intuitiv bedienen kann, auch mit der neuen Oberfläche.”

—Andi Zwirchmair

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Thomas Wendt ist Kommunikationsexperte mit einer Geschichte als Gitarrist, Produzent und Toningenieur. Seit 1998 hilft seine Agentur Integrative Concepts Unternehmen aus der Tech, MI und Pro Audio Branche ihre Services und Produkte bekannt zu machen.