Die Fantastischen Vier in der Barclay-Card-Arena Hamburg – Klaus Scharff mischt mit der Avid VENUE | S6L

Von in Live Sound

aufgezeichnet von Marc Ziebarth

In die Hamburger Halle im Volkspark, die schon mehrerer Unternehmen Namen trug, passen knapp 16.000 Zuschauer. Im Laufe der Jahre sind hier mehr oder weniger alle Weltstars aufgetreten, die sich in der Musikszene der letzten Jahrzehnte einen Namen gemacht haben. Im nationalen Umfeld gibt es nicht viele, die so eine große Location mit Leichtigkeit füllen. Zu dieser erlesenen Gruppe gehören neben Grönemeyer, Lindenberg und Westernhagen auch die Fantastischen Vier – die Veteranen des „deutschen Sprechgesangs“ wie sie ihre Kunst selbst gerne bezeichnen.

Am 26. Januar 2017 stoppten die Fantas mal wieder in Hamburg, um ihren vorletzten Gig der aktuellen Tournee zu spielen.

Wir durften dabei Klaus Scharff über die Schulter schauen, der seit 1993 als FOH-Engineer für die Fanta 4 arbeitet.

Das „Büro“ von Klaus Scharff

Klaus, wieviele Inputs kommen von der Bühne?

Insgesamt kommen im Pult 62 Eingangskanäle an. 10 Kanäle davon belegt allein das DJ-Setup am Anfang des Konzerts. Da sind die vier Fantas und der DJ allein an der vorderen Zunge der Bühne. Für das klassische Band-Setup auf der Bühne bleiben dann die übrigen Kanäle. Die Jungs treten mit einer Five-Piece-Band (Drums, Percussion, Bass, Keys, Gitarre) plus DJ auf. Insgesamt sind also zehn Personen auf der Bühne.

Die Hamburger Halle ist nicht gerade das, was man einen ideale akustische Umgebung nennt. Mein PA-Tech Stefan Holtz kennt die Halle gut, hatte aber trotzdem eine Menge zu tun, um einen ordentlichen Saal-Sound zu gewährleisten, auf dem ich meinen Mix aufbauen konnte.

Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit verschiedenen VENUE-Konsolen und bei den Fanta 4 mit einer VENUE | S6L mit 32 Fadern und einer 144er Engine. So habe ich die wichtigsten Kanäle im ersten Layer auf der Oberfläche liegen und kann sofort eingreifen, wenn der Mix verändert werden muss. Für die meisten Kanäle arbeite ich mit den internen Mic-Pres und Kompressoren des S6L mit zwei Ausnahmen: Kick und Snare werden immer noch mit den Midas Mic-Preamps XL42 verstärkt und für die Mikrofone der Fantas benutze ich analoge Kompressoren des Typs Aphex Tube 661, die damals als die schnellsten Kompressoren der Welt angepriesen wurden. Die haben sich bewährt und machen den Sound schön cremig und gleichen auch große Dynamikunterschiede nahezu unhörbar an.

Alle anderen EQs, Dynamics und Effekte kommen direkt aus dem Pult und den hervorragenden Plug-Ins. Eine Besonderheit in meinem Setup ist noch das Pro Tools HD, das ich zusätzlich zum Pult benutze. Es fungiert wie ein Submischer, hier laufen vier Stems (zu einer Gruppe zusammengefasste Kanäle) rein, werden mit Plug-Ins bearbeitet und dann wieder zurück ins Pult geschickt. Wesentlicher Grund für diese Besonderheit ist, dass ich in Pro Tools mehrere Plug-In-Fenster gleichzeitig offen haben kann, während ich auf dem Bildschirm des S6L immer nur eines zur Zeit sehen kann.

Ich muss immer alle wichtigen Elemente im unmittelbaren Zugriff haben, deshalb ist dieses Setup für mich so optimal.

Klaus verwendet zusätzlich zum Pult ein Pro Tools HD System als Submischer um komfortablen Überblick über mehrere Plug-Ins haben zu können.

Der Fanta-Live-Drumsound klingt sehr gut. Werden da Samples getriggert?

Nein. Das Drum-Setup haben Florian (der Drummer) und ich uns sorgfältig über die Jahre erarbeitet. Er spielt ein komplett akustisches Drumkit und hat nur E-Drums für Spezialeffekte wie eine lange Boooom-Kick oder so. Von der Bühne kommen aber auch immer vier Stems, die ich in meinem Pult als „Sampler“ bezeichne. In Wahrheit kommen diese Signale von einem Pro Tools, das And.Ypsilon auf der Bühne bedient. Von dort stammen auch die Clicks: ein durchgehender für den Drummer und ein weiterer für alle anderen, der nur einzählt oder in Pausen für ein konstantes Tempo sorgt. Es ist aber immer so, dass der Drummer vorne ist und ich die rhythmischen „Sampler“-Elemente im Zweifel etwas verzögere, damit es ein live gespieltes Timing gibt. Das hat sich über die Jahre bewährt.

Was sind die größten Herausforderungen beim Mischen eines Fanta-4-Konzerts?

Am heikelsten sind immer die Momente, wenn die Fantas vor die PA-Lautsprecher treten und die lange Zunge der Bühne ins Publikum beschreiten. Da kommt von hinten ein Schalldruck von 100 dB aus den Lautsprechern auf die Gesangsmikrofone, das ist erheblich. In diesen Situationen Feedbacks zu antizipieren und zu vermeiden, ist immer wieder eine Herausforderung.

Daneben muss ich mit meinem Mix auch auf das Publikum eingehen. Wenn die Leute mitklatschen, muss ich das Element im Mix hervorheben, das sie zum Mitklatschen animiert. Das können auch schon mal drastischere Eingriffe sein. Im übrigen geht es in schwierigen akustischen Umgebungen auch häufig darum, den Bass so zu dosieren, dass er nicht im Raum verrückt spielt.

Klaus legt Wert darauf, dynamisch auf das Publikum eingehen zu können.

Welche Plug-Ins benutzt Du?

Ich bin ein großer Fan der McDSP Plug-Ins von Colin McDowell. Der entwickelt schon unglaublich lange hervorragende EQ- und Dynamic-Plug-Ins und überrascht immer wieder mit neuen sehr guten Werkzeugen. Aber auch die Sachen von Brainworks sind toll und nicht zu vergessen die hauseigenen Sachen von Avid wie ReVibe 2 oder die Pro Dynamics PlugIns. Ich benutze aber auch Waves und Sonnox. Es ist schon toll, dass ich die Plug-Ins sowohl im Studio als auch am FOH-Platz nutzen kann.

Wie ist Dein Eindruck von der S6L?

Ich bin ja schon ein langjähriger VENUE-Nutzer. Die S6-Konsole ist im Handling nochmal deutlich benutzerfreundlicher als die älteren Modelle. Und der Umstieg war mehr als einfach. Ich konnte einfach meine alten Settings in die neue Konsole übertragen und von da aus weiterarbeiten. Das ist wirklich sehr gut gelungen. Die Klangqualität hat sich durch die 96 Kilohertz auch noch mal deutlich verbessert. An den VENUE-Workflow mit den umfangreichen Speichermöglichkeiten und den Plug-Ins bin ich mittlerweile so gewöhnt, dass ich es nicht missen möchte. Einen Wunsch an die Avid-Software-Entwickler habe ich aber: Ich würde gerne mehr als ein Plug-In-Fenster auf dem S6-Bildschirm gleichzeitig offen haben können, um einerseits die Pegel bestimmter Summen immer im Blick zu haben und andererseits schnell reagieren zu können, wenn etwas geändert werden muss.

Zufriedene Fans, zufriedene Band, zufriedener FOH Mischer Klaus Scharff

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Thomas Wendt ist Kommunikationsexperte mit einer Geschichte als Gitarrist, Produzent und Toningenieur. Seit 1998 hilft seine Agentur Integrative Concepts Unternehmen aus der Tech, MI und Pro Audio Branche ihre Services und Produkte bekannt zu machen.