Fury in the Slaughterhouse in der TUI Arena Hannover – 3 Tage komplett ausverkauft

Von in Live Sound, Topics DE

Martin Kühlechner mischt die „Furys“ während ihrer Geburtstagsshows zum 30-jährigen Bandbestehen mit einer Avid VENUE | S6L. Übrigens genau das Pult, das auch Klaus Scharff für die Fantastischen 4 mit auf Tour hatte.

Martin kennt die Band schon ziemlich lange. Bei den Furys ist alles etwas familiärer als üblich. So wundert es auch nicht, dass die Familien der Musiker und Techniker vor dem Soundcheck durch die Halle spazieren und ausgiebig Skateboard gefahren wird.

Ein erstaunliches Bild in solch einer großen Halle. Aber ohne störende Multicores ist die Fläche natürlich „barrierefrei“.

Entspannte Atmosphäre vor dem Soundcheck zum 3. Konzerttag in der TUI Arena Hannover

30 Jahre Fury in the Slaughterhouse – Now vs. Then

Martin, wie ist die gesamte Produktion aufgestellt? Die Band ist ja schon 30 Jahre unterwegs. Welche Wünsche und Konzepte kommen da zur Umsetzung?

Gute Frage und in der Tat haben wir es hier mit einen ganz speziellen Mix der Gegensätze zu tun. In Sachen Licht treffen „alte“ PAR Kannen auf hochmoderne Videowalls und riesige Gunshots. Nach draußen geht ein L-Acoustics K2-System in die Halle und wird von der Avid S6L Konsole gefüttert, während oben auf der Bühne eine große Menge klassischer Wedges dafür sorgen, dass sich die Band selbst gut hört und natürlich auch wohlfühlt. Es geht dabei um Gewohnheiten, aber auch um Dinge, die sich einfach bewährt haben und gleichzeitig gehen wir auch neue Wege. So mache ich es auch im Mix. Ich habe mit dem System-Tech und auch der Band lange darüber gesprochen, wie wir das ganze Soundmäßig inszenieren wollen. Die Frage war, ob wir versuchen alles in ein neues, modernes Gewand zu pressen, basierend auf den Hörgewohnheiten der letzten 10 Jahre, oder ob man es bei der 90er Jahre Klangästhetik belässt. Schließlich sind wir auch da bei einer schönen Mixtur gelandet.

Ich fahre zum Beispiel das Schlagzeug mit Parallelkompression über mein UAD Apollo System mit API Plug-ins, also schon sehr modern und produziert. Die Gitarren hingegen fliegen wie in den 90ern aus schönen, alten Amps und wenn sie mal sägen, dann sollen sie auch sägen. Das gehört auch zu den Furys, das sind so die Ecken und Kanten, die die Band ausmachen.

Auf diese Art haben wir einen guten Weg gefunden Neues und Altes zu vereinigen, so dass während des Sets die Songs aus den verschiedenen Epochen ihren bekannten Charakter behalten, in der Gesamtheit aber auch nicht inhomogen herüberkommen. Also nicht teilweise überproduziert klingen, sondern trotzdem noch den Geschmack der 90er treffen.

Auch auf der Bühne kommen nicht nur Wedges zum Einsatz, sondern natürlich auch In-Ears. Es sind insgesamt geflogene Vocal-Fills, Side-Fills und insgesamt 24 Wedges auf der Bühne.

Die Backline besteht aus alten Matchless, Fender, gepaart mit Vox, die sich alle herrlich ergänzen. Seit diesem Jahr ist als Gastmusiker Martin Huch dabei, ein sensationeller Steel-, Slide- und Pedal-Spieler, der auch mal mit einer Bouzuki oder 12-Saiter daherkommt. Dann gibt es noch Kontrabass, Bass-Ukulele, Akkordeon – lauter Kleinigkeiten die den üblichen Rock-Mix erweitern. Alle Instrumente haben ihre klare Position um das Klangspektrum zu erweitern und ggfs. Lücken in Arrangements und im Mix zu füllen. Und das macht Spaß

Eigentlich wäre das ganze Setup eine klassische Band mit 48 Kanälen, hier sind wir aber mittlerweile mit sportlichen 64 Inputs unterwegs.

UAD Apollo System als Parallelprozessor für die Drums.

In so einer großen Halle ist das mit Sicherheit eine Herausforderung alles soundtechnisch in den Griff zu kriegen. Wie nimmst Du die akustischen Instrumente ab?

Also die Slide-Guitar kommt über ein sehr ausgefuchstes „Stressbrett“ und läuft über einen Vintage-Amp auf der Bühne. Der wird dann ganz normal mikrofoniert. Die Bouzuki und die 12-Saiter haben ihre eigenen Preamps und kommen als Line-Signale bei mir an, schon mit EQ vorgefiltert, wohl abgeschmeckt bei mir an. Beim Kontrabass hat man natürlich die alte Problematik: Großer Korpus auf großer, lauter Bühne in großer Halle. Da haben wir lange gebraucht um den richtig druckvoll zu bekommen und trotzdem nicht ständig Feedbacks zu produzieren. Deshalb fahren wir unter anderem auch am Pult Szenen. Wenn der Kontrabass auf die Bühne kommt ist auf genau dieser Seite der Bühne Monitor-mäßig Stille J. Auch bezüglich der Hauptbackline haben wir viel in der Probenzeit optimiert, Akustik-Gitarren verglichen, Amp-Verhalten optimiert. Bekanntlich beginnt ja alles an der Quelle.

Zum Mix, wie organisierst Du all diese doch auch sehr unterschiedlichen Signale?

Ich versuche den Mix recht simpel zu halten und nutze nicht übermäßig spezielles Processing. Das meiste läuft über Gruppen, wie schon erwähnt läuft das Schlagzeug parallel komprimiert über die UAD, im Master dann habe ich einen Chandler Limiter der das Gesamte ein wenig im Griff behält. In den Gruppen arbeite ich viel mit Multiband-Kompressoren und allgemeiner Klangfärbung der Instrumente.

Analog habe ich für den Bass ein paar nette Sachen und für die Main-Vocals einen Empirical Labs dabei, den Mike-E, der richtig Spaß macht. Außerdem macht SPL sehr viel aus bei uns, weil wir seit Jahren mit SPL und Sennheiser zusammenarbeiten. Um die Overheads etwas weicher zu kriegen arbeite ich gerne mit dem Twin-Tube, Saturation finde ich schöner als da mit dem EQ ranzugehen, auch um Akustikgitarren zu formen. Schließlich kommen noch SPL Transient-Designer Plug-Ins zum Einsatz und zusätzlich habe ich noch Channel Ones als Outboard zur Verfügung.

Ein wenig Outboard für zusätzliche „Farben“.

3 Tage hintereinander im selben Venue, wird der Job am 2. und 3. Tag einfacher?

Das wird schon einfacher. Am ersten Showabend während der ersten 2 Songs hatten wir den Effekt „Ach so verändert sich die Halle, wenn 12.000 Leute drin sind“. Mit solchen Phänomenen haben wir gerechnet, aber nicht so drastisch. Das war aber schnell behoben. Das ist dann am 2. Abend mit derselben „Füllung“ sehr schön, wenn gleich ab dem ersten Song alles passt. Beim 3. Abend ist es dann eher wichtig, konzentriert bei der Show zu bleiben und sie so zu fahren und genauso zu bewerten wie am Ersten. Jede Show zählt – sonst besteht die Gefahr, dass ein Schlendrian hereinkommt.

Intensives Proben
Ganz besonders komfortabel ist es natürlich dann mit virtual Soundcheck zu arbeiten. In derselben Halle mit derselben Show. Aber auch schon in der Vorbereitungszeit war das extrem wichtig für uns. Wir haben mit dem Pult 1,5 Wochen in der SwissLife Halle hier in Hannover geprobt, an den Probentagen dann abends zusammengesessen und die Mixe durchgehört, haben die Mixe angepasst und außerdem dadurch musikalisch noch sehr viel erfahren. Es galt hier und da Lücken zu füllen und an anderer Stelle lieber etwas weg zulassen, wenn musikalisch zu viel los war. Der virtual Soundcheck wurde für uns somit auch zu einem hoch musikalischen Tool.

Hier im Venue kann ich dann mit der Bassdrum vom Vorabend schon hören, wo die Halle und das System klanglich so hingehen, ob alles passt. Bevor noch überhaupt jemand auf der Bühne ist. Die Pro Tools Integration ist geradezu perfekt, da alle Snapshots durch beidseitig sprechende Marker mitspringen. Ich kann mich da blind drauf verlassen.

Und wie waren schließlich die Konzerte?

Extrem gut. Ich hatte ständig die Kontrolle, das Publikum war an allen drei Abenden restlos begeistert. Ich konnte mich auf meine Snapshots verlassen, ich konnte mich auf die Band verlassen. Wir waren restlos und dauernd in dem Bewusstsein, dass alles richtig ist. Dabei fuhren wir die Show noch nicht mal richtig laut und hatten dennoch ein fettes Klangbild.

Ausserdem, zum Wohlfühl-Thema, wann immer ich das Gefühl habe ich weiß mal nicht wo eine Funktion am Pult zu finden ist, oder ich habe das Gefühl, dass etwas nicht richtig läuft: Der Vertrieb ist super, der Support ist super. Die S.E.A. und auch Ansgar von Avid machen da einen fantastischen Job. Das hat sehr dazu beigetragen, dass wir dieses Wochenende hier mit einem guten Gefühl angehen konnten. Ich konnte mich voll auf mein „Büro“ hier konzentrieren ohne auch noch über Bits und Bytes nachdenken zu müssen.

Für die Band und für das Publikum. Martin Kuehlechner hat immer beides im Fokus.

Ein Fazit und vielleicht noch Wünsche?

Ich bin happy darüber, dass die MADI-Karte jetzt da ist. Ich muss auch sagen, dass ich Waves gar nicht so vermisse. Das war eine gute Gelegenheit, für sich auch mal Dinge zu hinterfragen und neue Plug Ins zu suchen. Mit vier Plug-Ins aus der UAD Apollo, den Pult Prozessoren, den SPL-Geschichten, bin ich einfach komplett.

Was jetzt wohl in der neuen Softwareversion kommt klingt auch vielversprechend: Neue Features für Event Workflows. Ich hätte z.B. gerne einen Fußschalter mit dem ich den EQ der Leadvocals ein- und ausschalten kann. Wenn der Sänger mal spontan auf den Audience-Steg vor die PA läuft, kann ich so schnell auf einen anderen Modus umschalten.

Ansonsten, die Layouts sind ein Segen. Es gibt einen umfangreichen Unplugged Part in der Show, da kann es auch schon mal haarig werden und da ist es gut, wenn man sich die Kanäle/Signale dafür schön zusammenrücken kann.

In diesem Zusammenhang ist aber auch wichtig zu verstehen, dass die Snapshots für mich als jeweilige Basis dienen auf der ich immer dynamisch mische, viele Signale fahre und immer auf die Band und besonders das Publikum achte und darauf eingehe. Wenn das Publikum tierisch auf ein Gitarrensolo abfährt, dann schiebe ich da noch ein bisschen nach. Sollte die Band den Mix zu dicht machen, dann nehme ich auch Signale zurück, wenn der Fokus gerade auf dem Sänger liegt. Es ist also eine sehr lebendige Geschichte und echtes „Spaß haben“. Wir hier im „Office“ schauen uns häufiger um zum Publikum, damit wir wissen wie die Show ankommt und auf welche Aspekte das Publikum reagiert. Denn für das Publikum sind wir hier und die S6L hilft mir massivst dabei.

Martin Kühlechner in seinem „Office“ in der TUI Arena Hannover.

“Ich muss sagen, dass ich Waves gar nicht so vermisse. Das war eine gute Gelegenheit um auch mal Dinge zu hinterfragen und neue Plug Ins zu suchen.”

—Martin Kuehlechner

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Thomas Wendt ist Kommunikationsexperte mit einer Geschichte als Gitarrist, Produzent und Toningenieur. Seit 1998 hilft seine Agentur Integrative Concepts Unternehmen aus der Tech, MI und Pro Audio Branche ihre Services und Produkte bekannt zu machen.