Peter Maffay zieht den Stecker für MTV – Unplugged Show gemischt von Ronald Prent mit Avid S6L

Von in Live Sound, Musik, Pro Mixing

Das Interview führte Alex Schmidt

Natürlich auch ohne Strom wieder die Nummer eins: Longplay-Rekordhalter Peter Maffay erobert nach der ersten Verkaufswoche seines „MTV Unplugged“-Mitschnitts sogleich die Tabellenführung in den Top 100 Longplay der Offiziellen Deutschen Charts – und verbessert damit seinen Rekord als erfolgreichster Act überhaupt auf nunmehr 18 Nummer eins-Alben.

Anfang August 2017 sorgte Peter Maffay gleich drei Mal für ein restlos ausverkauftes Haus im Steintor-Varieté in Halle. Der Deutschrocker lud zunächst zu einer öffentlichen Generalprobe und spielte dann zwei Konzerte für die berühmte MTV-Unplugged-Reihe. Nun gibt es seit drittem November 2017 einen Mitschnitt dieser Performances für zu Hause – und zwar in Bild und Ton.

Zahlreiche prominente Gäste unterstützten Peter Maffay auf der Bühne dabei, seinen Hits und einigen raren Songs aus mehr als vierzig Jahren ein paar noch nie da gewesene akustische Interpretationen zu verpassen. Mit dabei waren unter anderem die Singer-Songwriter Johannes Oerding und Phillip Poisel, die britische Popikone Katie Melua, der britische Percussionist Ray Cooper, US-Rocker Tony Carey sowie die niederländische Popsängerin und Common-Linnets-Frontfrau Ilse DeLange.

Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits im September mit dem Song „Leuchtturm“, ein Duett mit Jennifer-Rostock-Sängerin Jennifer Weist. Außerdem sind auf „Peter Maffay: MTV Unplugged“ neue Versionen von „Du“, „Und es war Sommer“, „Über sieben Brücken musst du gehen“, „Halleluja“ und viele weitere Songs zu hören.

Mixing Engineer Ronald Prent (l.) und Recording Engineer Peter Brandt (r.) von Remote Recording Network

Wir haben uns mit Mixing Engineer Ronald Prent und Recording Engineer Peter Brandt von Remote Recording Network (remoterecording.net) über die technische Seite der Aufnahmen unterhalten …

Welche Besetzung galt es aufzunehmen?

Ronald: Nun, „Unplugged“ bedeutet ja, dass keine elektrischen Instrumente erlaubt sind – mit ein paar Ausnahmen: In unserem Fall waren das zum Beispiel eine Hammondorgel und eine Pedal-Steel-Gitarre. Aber sonst war alles analog, also akustische Gitarren, ein Flügel, Percussion, Schlagzeug und natürlich Vocals. Zusätzlich waren noch drei Bläser und drei Streicher am Start: Saxofon, Posaune und Flügelhorn sowie eine Violine und zwei Cellos.

Peter: Das Interessante ist, dass bei „Unplugged“ völlig anders gespielt wird. Statt Sticks werden zum Beispiel oft Hot Rods oder Besen verwendet, weil das Schlagzeug sonst zu laut werden könnte. Bekannte Instrumente werden anders bedient.

Was waren eure Aufgaben bei dieser Produktion?

Peter: Ich habe die technische Infrastruktur für die Aufzeichnungen geliefert, vom Splitter, über Mic-Preamps, A/D-Wandler bis hin zum Übertragungswagen. Das ist unser Flexi-Trailer, ein großer Auflieger, den wir von der Zugmaschine abgekoppelt und in dem wir drei Wochen lang aufgenommen haben. Wir haben quasi das Tonstudio vor den Saal gestellt und hatten ab dem ersten Tag jede Note auf der Festplatte. Es ist sehr luxuriös, das über drei Wochen machen zu können.

Peter Maffay ist sehr qualitätsbewusst und hat daher von Anfang an jede Probe aufzeichnen lassen. So konnte die Band sich auch anhand der Aufnahmen musikalisch weiterentwickeln und wir hatten alle Zeit der Welt, um am Sound zu feilen. Sonst ist es üblich, dass man erst ein, zwei Tage vorher mit dem Recording beginnt und sich mit den Gegebenheiten abfinden muss. Wir hingegen konnten unter anderem viele verschiedene Mikrofone ausprobieren und Mikrofonpositionen verändern. Absolut luxuriös, das muss man ihm sehr hoch anrechnen: Alle Gewerke, also auch das Licht, die Beschallung und eben auch wir, waren drei Wochen vorher vor Ort. Dass ein Künstler solche Möglichkeiten schafft und auch das Geld dafür in die Hand nimmt, ist wirklich außergewöhnlich.

Welches Equipment habt ihr verwendet?

Peter: Der Tonwagen ist so gebaut, dass wir Mischpulte wechseln können. Wir hatten uns im Vorfeld für ein VENUE | S6L entschieden. Drei Wochen vorher hatte ich North Sea Jazz gemacht und dafür ein S6L geliehen und wir haben es dann einfach im Truck gelassen und zu Peter Maffay mitgenommen, weil es außergewöhnlich gut klingt. Aus meiner Sicht ist es momentan das am besten klingende Digitalpult, außerdem sehr intuitiv. Innerhalb von einer Stunde hat man das drauf, wenn man sich ein bisschen mit Mischpulten auskennt. Als Hauptaufnahmesystem kam Pro Tools mit 128 Kanälen in 96 kHz zum Einsatz, wobei wir aber nur 96 Kanäle für die Band und etwa zwanzig Ambience-Mikros benötigt haben.

Die Mikrofone wurden über Splitter verteilt: ein Mal an den FOH, ein Mal an den Monitormischer, der nur für die Musiker In-Ear-Mixes gemacht hat und ein Mal zu uns. Der Fokus lag dabei auf der Aufzeichnung von Bild und Ton, so hat sich zum Beispiel die Beschallung in Sachen Lautstärke zurückgehalten.

Wir haben von der Bühne drei MADI-Ströme à 32 Kanäle bekommen, die wir zunächst ins Pro Tools geschickt haben. Die Ausgänge von Pro Tools gingen dann ins S6L. Wir hatten also zu jeder Sekunde die volle Kontrolle über die aufgenommenen Signale und konnten jederzeit zurückspulen und abspielen, ohne die Settings zu ändern. Ein vierter MADI-Strom wurde über Euphonix-Wandler für Inserts benutzt. Das war hochwertiges analoges Outboard, zum Beispiel API-Kompressoren, Massenburg-EQs und Distressors von Empirical Labs. Die Stereosumme aus dem Pult ging in ein UAD Satellite, dort wurde eine Masteringkette gebaut. Dieser Mix wurde auch aufgezeichnet, zum Beispiel für die Musiker während der Probezeit sowie für Fernsehen und Radio.

Peter Brandt mit der S6L im Remote Recording Network Trailer

„Aus meiner Sicht ist es momentan das am besten klingende Digitalpult, außerdem sehr intuitiv. Innerhalb von einer Stunde hat man das drauf, wenn man sich ein bisschen mit Mischpulten auskennt.“

-Peter Brandt

Wie war das Setup des Mischpults?

Ronald: Ich hatte verschiedene Layer gebaut, zum Beispiel waren auf den letzten acht Kanälen die Vocals drauf: Lead, Backing und Guests – gefreezt, damit die nicht mitswitchen. 16 Kanäle waren Schlagzeug und Bass, im nächsten Layer dann die Gitarren, Keyboards und so weiter. Und auch ein Layer mit den Ambience-Mikrofonen. Die Layer konnte ich ganz einfach über die Touchscreens und die Touchbuttons der Fader erstellen. Entscheidet man sich während der Arbeit anders, was gerne vorkommt, kann man die Layer auch schnell wieder wechseln.

Sehr gut ist, dass man sich im Screen die Inputs mit kleinen Level Indicators anzeigen lassen kann. Wenn man irgendwann mal was verpasst, weil jemand etwas umgesteckt hat, dann sieht man es sofort. Das sorgt gerade live für eine viel entspanntere Arbeit.

Peter: Es gibt Pulte, da muss man sich ewig hinsetzen, teilweise auch das Handbuch herauskramen, um zu verstehen, was man wie verschaltet. Das S6L hatte ich mir extra eine Woche vor North Sea Jazz gemietet, um mich vor Ort nicht zu blamieren, aber nach einer Stunde hatte ich die Bedienung drauf. Die ganze Denke dahinter ist analog und es ist sehr leicht zu programmieren. Das unterscheidet dieses Pult deutlich von allen anderen, die ich kenne. Normalerweise hat man immer jemanden dabei, der Feuerwehr spielt, sollte etwas im Routing nicht passen, aber bei diesem Pult war uns sofort klar, dass wir das alleine hinbekommen. Sogar so alte Säcke wie Ronald und ich (lacht)!

Und der Klang?

Ronald: Die EQs klingen wirklich hervorragend und sind über die Tasten einfach zu bedienen. Wie Peter schon gesagt hat, setzt man sich für ein paar Stunden hin und am nächsten Tag mixt man darauf, als ob man das Pult schon Jahre lang kennen würde. Man dreht am EQ oder an anderen Parametern und fühlt sich sofort zuhause. Komplexes wird einfach gemacht und man bekommt gute Resultate, ohne sich den Kopf zerbrechen zu müssen. Im Live- oder Broadcastbereich ist das S6L das beste Pult, das ich kenne.

Toll ist auch, dass man Avid-Plugins der 500er-Serie benutzen kann. Ich verwende gerne EQs, das Lo-Fi-Plugin und den Joemeek-Kompressor, zum Beispiel, um die Gruppen zu komprimieren. Das ist ein Luxus, den man auf anderen Pulten nicht hat. Es funktioniert hervorragend und geht ganz einfach.

Peter: Wir hatten für Peter Maffay ursprünglich ein anderes Pult geplant, aber nach North Sea Jazz beschlossen, auf das S6L zu wechseln, weil es besser, wärmer, einfach analoger klang. Wir kommen beide noch aus der 2-Zoll-mit-Rasierklinge-schneiden-Zeit und sind auch in Sachen Sound dahingehend vorgeprägt (lacht).

Ronald: Die Vorgaben bei dieser Produktion waren: Klarheit, aber trotzdem druckvoll. Laut, aber trotzdem leise – also mit viel Dynamik. Und wichtig war das Publikum. Deswegen hatten wir zwanzig Ambience-Mikrofone, um jeden Atmer einfangen zu können.

Peter: Wir haben die Audience in zwei Ebenen für 3D Immersive Audio gebaut, damit Ronald einen 9.1-Mix machen konnte. Also nicht nur die normalen fünf Kanäle Surround plus eins, das ist der Subwoofer, sondern noch mal vier Lautsprecher in der zweiten, oberen Ebene. Ich war eben erst bei Sennheiser auf einem Seminar in Wien und das wird ein Riesenthema in der Zukunft. 9.1 soll jetzt auch für den Endkonsumenten kommen – eine sehr spannende Entwicklung.

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Thomas Wendt is a producer and engineer turned journalist and marketing expert. Since 1998 his company Integrative Concepts serves A-List clients from the MI and Pro Audio industries with communcations and marketing services.