Sounddesign für Radio und TV bei Audionplus – Avid S6 Pult für besseren Workflow

Von in Musik, Pro Mixing

Sounddesign für Radio und TV bei Audionplus

aufgezeichnet von Alex Schmidt

Seit über zwanzig Jahren gilt AUDIONPLUS als eine erste Adresse in der Entwicklung, Komposition und Produktion von anspruchsvollem Sounddesign für private und öffentlich-rechtliche TV- und Radiostationen. Der Bayerische Rundfunk und ProSieben, BRmedia und die Bundeswehr, Deutschlandradio Kultur und Bayern 2, MDR und WDR Fernsehen, NDR Kultur, das ARD-Design, Radio Tirol und viele weitere Sender zählen zu ihrem Kundenstamm. Auch Titelmusiken für Das Erste kamen dazu, so zum Beispiel für „W wie Wissen“ oder „ttt – titel, thesen, temperamente„.

Kürzlich wurde die altgediente D-Control durch ein modernes Pro Tools | S6 System ersetzt. Wir haben Michael Braunschmid gebeten, über seine Produktionen, die ersten Erfahrungen mit der S6 und seine Philosophie beim Mixen zu berichten.

Michael Braunschmid, Audionplus

Highlights der letzten Jahre

„Ein richtiges Highlight war eine Produktion für NDR Kultur vor etwa zwei Jahren, die den Wunsch geäußert haben, dass mit der NDR Radiophilharmonie ein klassisches Orchester spielen soll. Da sind zwei Welten zusammenkommen. Wir haben zunächst die Kompositionen digital in Pro Tools erstellt – das klang schon richtig nach Filmmusik. Dann haben wir synchron das echte Orchester aufgenommen.“

„Die große Herausforderung für uns war, die Partituren für das Orchester zu erstellen. Das hat jemand für uns gemacht, der sich mit solchen Dingen auskennt (lacht). Wir auf der einen Seite mit der digitalen Welt und unser Arrangeur auf der anderen Seite mit der Orchesterwelt. Es ging sogar soweit, dass wir dem Pro Tools das Timing des Orchesters aufgezwungen haben. Der Kunde wollte nicht, dass wir nach Klick spielen, sondern dass das Orchester frei atmen kann. Toll, dass Pro Tools das kann! Es ist zwar ein bisschen mühsam, die ganzen Takte und Schläge zu definieren, aber es funktioniert, eine akustische Aufnahme reinzunehmen: dank Elastic Audio – eine geniale Funktion, die wir auch bei vielen anderen Produktionen verwenden.“

„Zum Schluss hatten wir auf einem Fader das reale Orchester und auf dem anderen Fader das digitale Orchester. Das macht man ja in der Filmmusik schon lange: Es wird das große Orchester aufgenommen, durchaus in einer Besetzung mit 80 einzeln geführten Stimmen. Dann wird durch Zumischen des digitalen Orchesters der Sound angefettet, um es ein bisschen moderner klingen zu lassen und vielleicht auch bewusst ein paar digitale Gimmicks einzubauen. Wenn man das auf den Fadern hat und einen A/B-Vergleich macht, dann wird der Unterschied deutlich. Es ist erstaunlich, wie man mit den Instrumenten-Plugins in Pro Tools den Sound verändern kann. Und plötzlich klingt die Nummer nach Star Wars!“

„Das war eines der spannendsten und auch aufwendigsten Projekte. Wir mussten noch mal eine DSP-Karte reinstecken, weil wir zum Schluss ungelogen 300 Spuren in Pro Tools hatten. Oben war das Orchester mit 80 Spuren und unten verschiedene digitale Themen mit etwa 30 Spuren pro Stück. Bei sieben verschiedenen Themes kommt man also auf etwa 200 Spuren. Mit dem Orchester wird dann dieser 300-Spuren-Wahnsinn daraus (lacht).“

Das neue S6 Pult bei Audionplus

Das neue Pult

„Wir sind im April dieses Jahres auf die S6 umgestiegen. Unsere D-Control wäre im September zehn Jahre alt geworden und da hatten wir den Wechsel ohnehin geplant. Wir haben ihn nur ein bisschen vorgezogen. Die Umstellung hat super geklappt. Die Jungs von SMM waren sehr gut vorbereitet und haben das rekordverdächtig schnell gemacht: Der Ausbau der D-Control, dann Einbau der S6 und Inbetriebnahme in deutlich weniger als zwei Stunden! Bei den aktuellen Konsolen braucht man ja nur noch ein Ethernetkabel und hat nicht mehr die aufwendige Analogverkabelung. Nach etwa eineinhalb Stunden war die Umstellung durch und wir hätten sofort loslegen können.“

„Die S6 ist wesentlich intelligenter als die D-Control, insbesondere in Sachen Fadergruppen. Wir hatten neulich eine relativ aufwendige Gesangsaufnahme mit zwei Sängern und insgesamt 32 Vocalspuren. Es ist wirklich genial, wie man sich in der S6 vorher Pultgruppen bauen und dann per Recall durchschalten kann. Unsere S6 hat 16 Fader, ich kann mir also zum Beispiel auf die linken acht Fader die Sängerin und ihre erste Stimmen legen. Wenn ich jetzt die die zweiten oder dritten Stimmen bearbeiten will, dann switche ich einfach. Rechts liegen bei mir immer die Gruppen. So habe ich alles sehr kompakt unter Kontrolle.“

„Früher habe ich mir immer den Luxus gegönnt, dass ich bei 32 Gesangsspuren für jede einen Fader der D-Control hatte. Das hat aber den Nachteil, dass es doch recht unübersichtlich ist und man mit seinem Sessel immer hin- und herfahren muss. Dann sitzt man nicht immer in der Sweet Zone und deshalb haben wir uns bewusst für eine kleinere Ausführung entschieden. Die 16 Fader sind nicht breit und ich sitze immer genau im Sweet Spot, habe alles im Griff und nur das auf dem Pult, was ich gerade benötige. Diese Kompaktheit war am Anfang etwas ungewohnt. Mittlerweile bin ich aber gerade dadurch deutlich schneller.“

Alles direkt im Blick

„Die Grafikdisplays der S6 sehen nicht nur hübsch aus, sondern sie sind sehr sinnvoll in der Produktion. Zum einen hat man die Wellenformzuordnung direkt über dem Fader. Bei der D-Control hatte man den Fader in der Hand, hat aber immer woanders hingeschaut, nämlich auf den Bildschirm. Funktioniert auch, aber wenn man auf das Display gucken kann, das direkt über den Fadern platziert ist, dann sieht man die ankommenden Audiofiles und kann sich besser darauf vorbereiten. Zum Beispiel bei Sprachaufnahmen: Man sieht, wann welcher Take kommt und kann viel besser darauf reagieren. Die Displays zeigen natürlich noch viel mehr. Wo liegt ein Plugin drin? Welche Sends sind belegt? Das ist schon cool!“

„Auch alleine durch die Farbgebung kann man sich jetzt viel besser orientieren. Und mit dem Touchdisplay hat man schon sehr viel unter Kontrolle, ohne links und rechts gleich wieder in die Konsole greifen zu müssen. Auch die Editierung der Plugins finde ich sehr gelungen. Wenn man sich da ein bisschen reinfuchst, dann ist es tatsächlich viel praktischer als immer alles mit der Maus am Bildschirm machen zu müssen. Man kann an der S6 jeden Knopf anders belegen. Das hat wirklich großes Potenzial für einen schnelleren Workflow. Ich habe zum Beispiel teilweise aus der Rückspultaste eine Zoomtaste gemacht.“

„Wir produzieren für das Wertheim Village etwa 100 Spots pro Jahr. Anspruchsvoll ist da, wie Sprache und Musik ausgesteuert werden und hier lohnt sich wirklich ein Hardware-Controller. Es ist doch etwas anderes, wenn man mit dem Fader minutiös mitfahren und sich am Gehör orientieren kann. Ohne eine Faderlösung wäre das gar nicht möglich. Man müsste die Lautstärke am Bildschirm einzeichnen. Diese Gummibänder, wie ich sie immer nenne, sind viel umständlicher.“

Taktiles Mischen, den Sound in den Fingerspitzen

Philosophie beim Mixen

„Wir versuchen, bereits in der Komposition und im Arrangement die passenden Sounds zu finden und eigentlich mische ich schon während der Komposition. Da soll schon alles richtig gut klingen. Früher hat man immer mal einen Rough Mix gemacht, das mache ich heute gar nicht mehr. Während der Komposition schiebe ich alles schon richtig hin und fahre es auch zum Teil schon in das Mastering rein, denn ich möchte es so hören, wie es zum Schluss klingen könnte.“

„Kunden sagen oft, dass es zu Demozwecken ja reicht, den Sound anzudeuten, aber das funktioniert bei moderner Musik nicht mehr. Denn hier hat man nicht nur ein bisschen Klavier, ein paar Streicher und Schlagzeug, sondern da sind ja richtig abgefahrene Sounds drin. Wenn ein Kunde von uns etwas bekommt, dann soll es wirklich schon so klingen, wie es später auf dem Sender zu hören sein wird.“

„Im Endeffekt wollen wir, dass der Kunde von dem begeistert ist, was schließlich auf den Sender geht. Genau da muss es funktionieren und es muss genau das bringen, was er sich vorgestellt hat. So bekommt man auch eine gewisse Langlebigkeit und der Sender kann unsere Sound-Designs mal ganz locker drei Jahre laufen lassen, ohne dass sie sich abnutzen.”

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KONTAKT
Thomas Wendt ist Kommunikationsexperte mit einer Geschichte als Gitarrist, Produzent und Toningenieur. Seit 1998 hilft seine Agentur Integrative Concepts Unternehmen aus der Tech, MI und Pro Audio Branche ihre Services und Produkte bekannt zu machen.