Technicolor Toronto: Die Welt von Emmy-Gewinner und Re-Recording-Mixer Frank Morrone

Von in Filmproduktion, Pro Mixing, Topics DE

Vor einiger Zeit, an einem sonnigen Sommermorgen, traf ich  Frank Morrone von Technicolor Toronto (Canada), um mit ihm über seine Erfahrungen bei der Arbeit am neuen TV-Hit show The Strain zu reden. Die Serie erzielte bereits in den ersten Wochen beachtliche Einschaltquoten, während Frank parallel zu der Ausstrahlung in den letzten Monaten non-stop die nächsten Folgen mischte – auf einer S6-Konsole mit Pro Tools HDX und Pro Tools HD 11-Software.Dieser Artikel ist der erste Teil eines zweiteiligen Specials über die Technicolor Studios und ihre topaktuellen Avid Pro Mixing-Systeme.

Technicolor Toronto

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Mit Frank hat man immer etwas zu lachen…

Ich kenne Frank seit zehn Jahren ziemlich gut – seit der Zeit, als ich ihm als Produktspezialist zur Seite stand, um ihn bei der Konzeption, Installation und Einrichtung seines ICON-Systems und der Pro Tools HD-Rigs für die sehr erfolgreiche Fernsehserie LOST zu unterstützen. Und Frank ist nicht einfach nur ein Toningenieur, er ist auch ein leidenschaftlicher Vordenker und Impulsgeber der Branche. Er war als ‚Governor‘ für die Academy of Television Arts & Sciences tätig und ist derzeit Präsident der Motion Picture Sound Editors.Außerdem sitzt er im Board of Directors der Motion Picture Editors Guild, ist Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und der Recording Academy und zählte zum Board of Directors der Cinema Audio Society.

“Heutige Konsumenten erwarten und fordern ein Fernseherlebnis, wie sie es auch aus dem Kino kennen …”

TG: Können Sie beschreiben, was die Zuschauer von modernen Soundtracks erwarten? Fordern Konsumenten heute ein besseres, höherwertiges Erlebnis von allen Medien?

FM: Heutige Konsumenten erwarten und fordern ein Fernseherlebnis, wie sie es auch aus dem Kino kennen. Fernsehen wird heute in HD (Bild) und 5.1 (Ton) ausgestrahlt, und wir wissen genau, dass wir den Konsumenten und unseren Auftraggebern sehr hochwertige Produktionen bieten müssen. Darüber hinaus werden die Sendungen als 5.1 Blu-Ray, DVD oder Streaming-Versionen vermarktet, und auch da haben die Menschen hohe Ansprüche.

TG: Was sind vor diesem Hintergrund die größten Herausforderungen, mit denen Sie sich als professioneller Toningenieur heute konfrontiert sehen?

FM: Die Herausforderungen beim Mischen moderner TV-Formate sind, dass wir mit immer mehr Spuren arbeiten, die Budgets aber kleiner und die Produktionszeiten kürzer werden… Im Grunde müssen wir (anspruchsvolle, kinotaugliche) 5.1-Mischungen in einem Bruchteil der Zeit fertig stellen, die sonst für ganze Spielfilme zur Verfügung steht. Hier geht es um Tage, nicht mehr um Wochen. Perfekt ineinandergreifende Workflows sind essenziell, um so einen Mix entsprechend effizient umzusetzen.

Ich habe mich wirklich gefreut, in das weltweit operierende Technicolor-Team einzusteigen, denn meiner Ansicht nach ist Technicolor ein modernes, innovatives Unternehmen, das gezielt in Technik und Studios investiert, um topaktuelle, effiziente Workflows und hochwertige Resultate zu ermöglichen – und die Zuschauer zu begeistern.

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“Jedes Mal, wenn Avid ein Produkt herausgebracht hat, haben sie uns genau zugehört […] und darauf reagiert.”

TG: Können Sie etwas zur Entwicklung des Mischens von Film- und Fernsehton im Laufe der letzten 15 Jahre sagen und beschreiben, wie Avid dazu beigetragen hat, diese Entwicklung zu formen?

FM: Mit dem Mischen von Filmen und Fernsehsendungen habe ich bereits begonnen, als noch mit Magnetband und analogen Pulten gearbeitet wurde. Was Avid und Pro Tools leisten und zur Entwicklung unserer Branche beigetragen haben, ist für mich also nicht selbstverständlich. Ich habe traditionelle (analoge und digitale) Mischpulte eingesetzt, und normalerweise war es so, dass ich die Automation zweimal schreiben musste – einmal für die Konsole selbst, und dann nutze ich gerne viele Pro Tools-Plug-Ins (zum Beispiel Reverb und Rauschunterdrückung), so dass ich für jede Session immer zwei Automations-Sets hatte. Wenn ich aber ausschließlich mit der S6 und Pro Tools arbeite, bleibt die Automation immer intakt, egal wo ich gerade bin, und ich kann problemlos von einem in das andere Studio wechseln.

Früher waren die Anforderungen nicht so hoch wie heute, aber Avid bietet uns alle Möglichkeiten, eine Produktion schnell über die Bühne zu bringen und dabei erstklassige Resultate zu liefern.Es ist eine Entwicklung, die immer weitergeht. Jedes Mal, wenn Avid ein Produkt herausgebracht hat, haben sie uns genau zugehört, was wir für die Mischung, Nachvertonung, Komposition und Bearbeitung unserer Projekte benötigen, und darauf reagiert. Jeder neue Release hat uns sehr geholfen, denn Avid will wirklich wissen, was wir brauchen – und das bekommen wir dann auch.

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“[Die S6] ist eine wirklich durchdachte Konsole und sehr ergonomisch, denn wir haben alles direkt vor uns, so dass die Arbeit viel schneller von der Hand geht, wie ich finde.Es ist eine Freude, mit diesem System zu arbeiten.”

TG:  Können Sie etwas darüber erzählen, wie Sie auf das Pro Tools | S6 System kamen und inwiefern die S6 Ihre Art zu mischen beeinflusst hat – im Vergleich zum Vorgänger?

FM: Als wir vor vielen Jahren mit der Arbeit an LOST begannen, wussten wir sofort, dass ICON plus Pro Tools HD genau die richtige Lösung war, um mit so vielen Tracks klarzukommen und unsere Workflows zu beschleunigen. Das System war für diese Produktion unglaublich wertvoll, und ich mochte es sehr.

Bei LOST hatten wir sieben Computer-Monitore (für die sieben HD-Systeme), um alles im Blick zu haben, was erforderlich war. Jetzt, mit der S6, habe ich die TFT-Anzeigen (für die Aussteuerung) und alle Informationen direkt vor mir. Es ist viel übersichtlicher. Und ich liebe das Scrollen der Wellenformen, denn bei den Vormischungen für meine Dialoge kann ich sofort sehen, wenn auf einer Spur gesprochen wird, und ob ich meinen Fader aufgrund der (relativen) Größe der zugehörigen Wellenform ein bisschen hochziehen muss. Außerdem habe ich nicht nur die Wellenform mitsamt Aussteuerung vor Augen, sondern auch Kompression und EQ-Kurven. Das ist sehr hilfreich, und man kommt schnell in einen guten Arbeitsrhythmus. So intuitiv und effizient war das Mischen noch nie.

Ein weiterer großer Unterschied zwischen ICON- und S6-Systemen ist der Platzbedarf. Avid hat da wirklich alles herausgeholt, so dass für sehr viel mehr Funktionen sehr viel weniger Raum erforderlich ist. Die S6 stellt eine enorme Verbesserung dar, sie ist eine ausgesprochen durchdachte Konsole und sehr ergonomisch, denn man hat alles direkt vor sich, so dass die Arbeit viel schneller von der Hand geht, wie ich finde. Es ist eine Freude, mit diesem System zu arbeiten.

TG: Wie haben Sie den Wechsel vom ICON- auf das S6-System empfunden?

FM: Der Umstieg von ICON auf S6 war überhaupt kein Problem, es dauerte nur ein paar Stunden. Wenn man einmal mit Pro Tools HD und der Automation vertraut ist, sind ICON-Konsolen und die S6 nur andere ‚Front-Ends‘. Das ging ganz einfach.

TG:  Und wie war es beim Umstieg von Pro Tools HD auf Pro Tools | HDX?

FM: Der Release der (Pro Tools) HDX-Karten war ein großer Fortschritt, denn sie bieten viel mehr Leistung. Wir können mit sehr viel mehr Tracks arbeiten, haben mehr DSP-Power, und es klingt auch noch besser – der Unterschied ist wirklich hörbar, und wir sind mit der Entscheidung sehr zufrieden. Bei LOST brauchte ich sieben HD-Systeme, jetzt genügen dafür drei HDX-Rigs:eins für Dialoge, Musik und Gruppen, eins für Effekte, Atmos und Geräusche und eins, um all die Stems aufzuzeichnen. Das war wirklich ein großer Fortschritt, der uns half, deutlich effizienter und schneller zu arbeiten.

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Frank am Master-Touchscreen

TG: Was sind für Sie die wichtigsten Features der S6?

FM: Mit den HDX-Karten und der S6-Konsole haben wir eine sehr leistungsfähige Kombination. Einige Features, die die S6 bietet (insbesondere jetzt mit der neuesten Software-Version 1.2). Ich kann den Touchscreen nutzen oder die VCAs und VCA-Spill und die Layouts und komme immer schnell an die Tracks, die ich brauche. Das sind sehr mächtige Werkzeuge. Wenn ich aber ein Feature herausgreifen müsste, dann wäre es der Touchscreen – einfach großartig! Ich habe festgestellt, dass ich ihn wirklich ständig nutze. Ich kann durch die Tracks scrollen, meine EQ-Einstellungen verändern oder auf den Surround-Panner zugreifen, und das alles sehr schnell und effizient. Und es macht Spaß! Ja, das kann man wirklich sagen: Mit der S6 macht die Arbeit richtig viel Spaß.

“Pro Tools ist das A und O unserer Branche. Je kompetenter man damit umgehen kann – desto gefragter ist man auch …“

TG:  Können Sie Ihre Erfahrungen mit dem Avid-Team in Bezug auf die Unterstützung beim Kauf und der Installation beschreiben?

FM: Die Unterstützung durch Avid war phänomenal. Als wir (von Technicolor) die S6 bestellten – und es war das erste S6-System für zwei Operator in ganz Nordamerika –, mussten wir einfach wissen, dass wir vollen Support bekamen, um unsere Show (The Strain auf FX Network) unter diesen strikten Zeitvorgaben fertig zu stellen. Die Avid-Leute waren einfach fantastisch, sorgten dafür, dass das System schnell einsatzbereit war, und standen uns zur Verfügung, wenn wir sie brauchten. Das ist bei allem sehr wichtig – ein Produkt ist immer nur so gut wie die Menschen, die dahinter stehen, und das Avid-Team machte einen ganz hervorragenden Job.

TG: Haben Sie noch einen Rat, den Sie Studenten oder jungen Toningenieuren geben können, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?

FM: Mein bester Rat an alle, die in der Film- und TV-Branche als Tonleute durchstarten wollen: Pro Tools ist das A und O unserer Branche.Je kompetenter man damit umgeht – desto gefragter ist man auch … Wer Pro Tools und Bedienoberflächen wie die S6 im Griff hat, hat Studios, die nach guten Tonleuten suchen, wirklich etwas zu bieten.

In Teil 2 dieses Blogposts werde ich den leitenden (technischen) Ingenieur und den Manager of Sound Services interviewen und mir ihre Erfahrungen bei der Konzeption und Integration des S6-Systems schildern lassen – und noch einiges mehr … Bis dahin!

Marketing manager for Avid Post Audio and Pro Mixing, I am also a veteran engineer/recordist/editor. I've worked on music scores for dozens of feature films, including Ice Age, Collateral, and The Spirit.