Widmer-Sound CH ergänzen ihr Sortiment durch ein weiteres S6L-Pult

Von in Live Sound

aufgezeichnet von Alex Schmidt

Bereits seit elf Jahren bietet Widmer-Sound Tour-Support und Verleih von Equipment für Bands an. Dabei stellen Andy Widmer und Alex Bolis schon bei der Auswahl der Werkzeuge höchste Qualitätsansprüche und scheuen keinen Aufwand – sei dies bei dem eigenen Pulten, bei der Beschaffung von Mietmaterial, bei Installationen oder bei der Planung und Beratung der Aufträge. Ständig in Kontakt mit Herstellern und Experten aus dem Audiobereich, entwickeln sie sich mit den Ansprüchen der Auftraggeber weiter und gehen aus Leidenschaft über die gestellten Anforderungen hinaus. Durch Fachwissen und Erfahrung können sie so dem Kunden die bestmögliche Qualität bei der Beschallung zugänglich machen.

Zu ihren Kunden gehörten unter anderem Ed Sheeran, Sido, Helene Fischer, Delinquent Habits, Pegasus, Lucenzo, Alexandra Stan, Jürgen Drews, Costa Cordalis, Dendemann und das Zürcher Kammer Orchester. Seit Dezember 2015 ist eine VENUE | S6L im Sortiment und die vielen Tourproduktionen haben 2016 dazu geführt, dass eine zweite, größere S6L angeschafft wurde. Wir haben Andy Widmer gebeten, seine Firma vorzustellen, die Gründe für den Kauf einer weiteren S6L zu nennen und seine Philosophie beim Live-Mix zu umreißen.

Andy Widmer

Die Company

„Meine Firma gibt es seit gut elf Jahren, ich habe aber schon mit 16 Jahren angefangen zu mischen – in einem Jugendtreff und alles war damals noch analog. Es begann mit kleinen Bands, viel Punk, und ging dann nach und nach eine Stufe weiter und wurde immer professioneller, weil es sich einfach rumgesprochen hat. Ich bin eigentlich alleine in der Firma, sie gehört mir selber. Mein Kollege, der Alex Bolis, macht viele Freelance-Jobs für mich und ist bei den Touren dabei.“

„Wir sind zwar noch im Verleihgeschäft tätig, aber unser Kerngeschäft heute ist definitiv das Touring-Business. Da bieten wir den kompletten Tour-Support für Bands hier in der Schweiz an – vor allem Festivals und Clubtourneen. Wir können auch eine PA mitbringen, aber das ist nicht mehr unser Kerngeschäft. Da bräuchten wir mehr Mitarbeiter und das wollen wir nicht. Wir wollen alleine bleiben, die Fäden am Pult noch selber ziehen und uns nicht mit anderem Kram belasten.“

„Wir haben in der Schweiz zum Beispiel die Touren von Phenomden, Tinkabelle und Dabu Fantastic begleitet, sind aktuell gerade noch mit Yokko unterwegs und bestreiten einen Teil der Tour von Seven. Da bin ich nur als Mischer tätig und habe nicht die gesamte Tourproduktion unter mir. Als reiner Mischer habe ich in der Vergangenheit unter anderem Einzelshows von Ed Sheeran, Sido und Dendemann gemacht.“

„Unsere Tourproduktion sieht meist so aus, das wir alles anbieten, außer der PA und den Monitoren, wenn es noch Wedges sind. In-Ear-Monitoring, was eigentlich mittlerweile fast alle Bands benutzen, bringen wir selber mit. Mit diesem Equipment reisen wir dann auf der gesamten Tour mit, schließen uns einfach noch an die PA an und machen den Mix.“

Digitaler Workflow

„Ein großer Startpunkt war für mich eine Serie von Konzerten, bei denen jeweils fünf Rockbands an einem Abend zusammen mit einem Kinderchor gespielt haben. Da wurde ich auf digitale Mischpulte aufmerksam, weil ich das Ganze speichern und wieder abrufen musste. Es handelte sich um ein Avid-Pult und diese Konsole war dann fünf Jahre lang im Einsatz. Das war der ausschlaggebende Punkt, warum ich bei Avid geblieben bin und schließlich eine S6L-24D gekauft habe – im Dezember 2015.“

„Als damals die ersten Mischpulte in der Schweiz angekommen sind, habe ich mit dem Vertrieb ausgemacht, dass ich keine Schulung möchte, sondern mich einfach hinsetzen und selber reinfuchsen will. Ich hatte ein Show-File von der Profile-Konsole und eine Mehrspuraufnahme, die ich gleich reingespielt habe. Das hat auf Anhieb funktioniert. Ich habe noch die Session auf 96 kHz gewandelt und dann einfach nur GO gedrückt. Ich wollte sehen, was passiert. Ob es läuft, ob es nicht läuft, wie das alles reagiert. Das hat ausnahmslos funktioniert und ich war baff, weil ich mit allerlei Komplikationen gerechnet hatte. Nur die Effekte, die Plugins, musste ich natürlich neu patchen. Ich war drei Stunden da, habe Routings gemacht, alles Wilde durchprobiert und die Konsole lief immer stabil. Ich habe nichts gefunden, was noch nicht geht und ich dringend bräuchte. So war es nach drei Stunden klar, dass ich die Konsole gleich bestelle.“

„Ein Jahr war ich jetzt mit dieser Konsole auf Tour und habe gut 70 Live-Shows gefahren und zusätzlich bei uns im Lager viele virtuelle Soundchecks gemacht, um den Mix zu optimieren und den Workflow zu verbessern. Und ich bin so zufrieden, dass wir jetzt noch eine zweite S6L angeschafft haben, weil wir so viele Tourproduktionen dieses Jahr haben und es da sicher zu Engpässen kommt. Wir haben die große Konsole, die 32D, genommen, damit wir auch für drei große Hallen hier in der Schweiz gut gewappnet sind. Außerdem wusste ich nicht, ob für Kollegen aus den USA bei großen Touren die 24D ausreichend ist. Die 32D haben wir ja schon als Supplement angeschafft und daher muss sie auch gut zu vermieten sein.“

Die Vorteile der S6L

„Ich habe lange eine Konsole gesucht, die zwischen der Avid Profile und der DiGiCo SD7 angesiedelt ist und habe eigentlich alles ausprobiert. Ich wollte viele Encoder und zwei Workflows haben, also alles über die Tasten erledigen, aber auch mit Touchscreens arbeiten können. Dann kam die S6 raus und die hat viele Encoder auf engem Raum und schöne Screens, sehr viele Informationen immer im Blick und ein gutes Design. Dann war klar, dass ich mir die Konsole näher anschauen wollte. Toll sind die verschiedenen Oberflächen, die man sich designen kann: mit den Inputs und Outputs, den VCAs oder den User-Layouts, die man pro Snapshot abspeichern kann. Das ist absolut cool! Alles ist frei konfigurierbar, aber mit einem Tastendruck hat ein anderer Mischer wieder seinen normalen Workflow wie an einem Analogpult.“

„Für Leute, die schlecht sehen, sind die superscharfen und gut designten Grafiken richtig gut lesbar. Für mich ist es ein Segen, dass man keine billigen Bildschirme verbaut hat, sondern High-Class-Screens genommen hat. Ein weiterer Vorteil ist, dass man wirklich 24 Fader zur Verfügung hat und oben im Screen die Kanäle umschalten kann. Man muss also unten nicht die Outputs drauflegen.“

„Klasse ist auch, dass man den Channel Layer für die 32 Encoder separat belegen kann. Da lege ich mir jeweils wirklich nur das hin, was ich für meine Tour brauche. Und für Festivals ist der Standard-Patch von Avid sensationell gut. Da kann man für den ganzen Soundcheck alles drauflegen, was man braucht. Das geht sehr schnell und die anderen Mischer kapieren es gleich. So bin ich gewappnet für Leute, die nicht jeden Tag an so einer High-Class-Konsole sind und kann in wenigen Schritten zwischen mir und einem Gastmischer switchen – zum Beispiel, wenn ich das Pult für die Vorband zur Verfügung gestellt habe. Das ist für mich viel stressfreier, als mit einer weiteren Konsole zu arbeiten. Schlussendlich wollen wir doch alle einen easy Job und einen guten Tag haben und ich denke, das ist das richtige und zukunftssichere Werkzeug dafür.“

 

Solides Fundament im Mix

„Ich nutze den Transient Designer und den De-Esser von SPL sehr oft. Die Avid Pro Multiband Dynamics lege ich gerne auf die Vocals. Mit den eingebauten Reverbs im S6L komme ich sehr gut klar. Um gewisse Low-Frequency-Effekte einzubauen, ist der Avid Pro Subharmonic ein cooles Tool, das ich sehr oft im Einsatz und auch in den Snapshots gespeichert habe. Ich benutze nicht viele verschiedene Kompressoren, sondern favorisiere einige wenige, soundformende Tools.“

„Ich lege besonderen Wert auf den Bass- und den Schlagzeugsound als solides Fundament. Mir ist es extrem wichtig, dass hier der Klang gut ineinander greift und daher benutze ich für den Bass hin und wieder auch Ducking. In der Schweiz gibt es oft Beschränkungen für die Lautstärke und daher muss man den Druck eben anders erzeugen und wenn das Fundament sitzt, kann man gewisse Sachen eben besser transportieren. Bei Gitarre und Keys finde ich, dass man im Mix nicht jedes Detail zu jeder Zeit hören muss, sondern man darf da ruhig dynamisch fahren und zum Beispiel die Solos schieben. So bringt man die Emotionen besser rüber, wenn es die Band nicht schon selber so arrangiert hat. Der Mix darf ruhig emotional und bewegend sein!“

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Thomas Wendt ist Kommunikationsexperte mit einer Geschichte als Gitarrist, Produzent und Toningenieur. Seit 1998 hilft seine Agentur Integrative Concepts Unternehmen aus der Tech, MI und Pro Audio Branche ihre Services und Produkte bekannt zu machen.