Großes Kino mit Videoclip-Ästethik: Die Arbeit an „Stereo“

Von in Filmproduktion, Musik
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In einer Kleinstadt eröffnet Erik eine Motorrad-Werkstatt. Nachdem anfangs alles super läuft, bringt der geheimnisvolle Henry die Idylle aus dem Gleichgewicht, und Erik sieht sich von zwielichtigen Gestalten umgeben. Film Editor Sven Budelmann (u.a. „Der Medicus“), für seine Arbeit an dem Psycho-Thriller mit Jürgen Vogel in der Kategorie „Bester Schnitt für den Deutschen Filmpreis nominiert, gibt Einblicke in seinen Workflow mit dem Media Composer.

D-Control und Pro Tools im Einsatz in der Filmmischung bei BASISberlin.

Max Erlenwein, den Regisseur des Films, hab ich durch Zufall während meines vorherigen Kinoprojekts „Der Medicus“ kennengelernt. Er führte zu dieser Zeit gerade die Regie der 2nd Unit in Marokko und schrieb nebenbei am Drehbuch von „Stereo“. Durch unsere gemeinsame Leidenschaft für Film und Musik und einen ähnlichen Geschmack und Humor entwickelte sich daraus schnell eine produktive Freundschaft. Ein knappes Jahr später kam dann die Nachricht, dass die Finanzierung von „Stereo“ steht, und dafür hat mich Max mit ins Boot geholt.

Keine Alternative zu Avid

Bereits seit 1994 schneide ich am Avid Media Composer. Mit meiner Berliner Suite habe ich mir einen Arbeitsraum geschaffen, den ich ganz nach meinen Vorstellungen ausgestattet und gestaltet habe. Seit einigen Jahren arbeite ich vor allem dort.

Es ist für mich aber auch wichtig, während der Dreharbeiten vor Ort dabei zu sein und in der Nähe des Sets schneiden zu können. Das Editieren direkt am Geschehen gibt mir ein zusätzliches Gefühl für Atmosphäre und Stil des Films, und auch der Austausch mit allen Beteiligten ist ein ganz anderer. Bei den Dreharbeiten zu „Der Medicus“ habe ich mich mit meiner mobilen Media Composer-Workstation im Hotelzimmer in Marokko einquartiert. Die mobilen Avid-Lösungen sind beim Offroad-Editing mein ständiger Begleiter geworden.

Mobiler Schnitt in Marokko

Vorbereitung ist alles

Ein besonderes Augenmerk lege ich bei der Vorbereitung zu einem Kinofilm in die Recherche für mögliche Soundtracks. Haben die Dreharbeiten einmal begonnen, bleibt dafür keine Zeit mehr. Wie ein Film aussieht und klingt, gehört für mich zur elementaren Grundlage im Entstehungsprozess.

Meine Arbeit beginnt nach dem Drehtag, wenn ich das abgedrehte Bildmaterial mit angelegtem O-Ton bekomme, das meine Assistentin bereits an einem weiteren mobilen Media Composer vorbereitet hat. Auch Musiken habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits vorselektiert. Wenn mir alles zur Verfügung steht und ich ein sicheres Gefühl habe, dann kann es losgehen.

Der einzige Ort, an dem man Bild, Ton und Musik gleichzeitig bearbeiten kann, ist allerdings der Schneideraum. Meine Arbeit bedeutet dabei im Einzelnen, dass ich alle Visual Effects layoute, das Colorgrading vornehme, ein erstes Sounddesign und Musiklayout gestalte und anlege, sowie den O-Tonschnitt vorbereite. Um den perfekten Offline-Schnitt präsentieren zu können, lege ich allergrößten Wert darauf, all diese Möglichkeiten voll zu nutzen.

Stereo – eine Spielwiese für Erwachsene

So wie eine Spielwiese fühlte sich dieses Filmprojekt auf jeden Fall schon zu Beginn an. Da dieser Film großes Kino, Werbefilm und Musikvideoästhetik in sich vereint, hatte ich die Chance, endlich auch einmal alle drei Welten in einem Film zu verbinden. Der Media Composer hat es mir dabei ermöglicht, auf diverse Techniken und Vorgehensweisen bei der Entwicklung des Musikvideoschnitts und der Werbung zurückzugreifen, die normalerweise nur selten bei einem Spielfilm zum Einsatz kommen.

Die Abläufe am Media Composer sind mittlerweile ein Teil von mir geworden. Ein Gefühl der Freiheit in der eigenen Kreativität kann nur dann entstehen, wenn der technische Aspekt in den Hintergrund rückt. Am meisten schätze ich die kreativen Phasen, bei denen der Schneideprozess bereits wie von selbst abläuft. Über die Prozesse am Media Composer muss ich dabei kaum noch nachdenken. Ich kann mich darum ganz darauf konzentrieren, wie ich meine Ideen zu einem bestimmten Gefühl, einer Spannung oder Atmosphäre umsetzen kann.

Entscheidend: Die Reaktion des Publikums

Ob die Wirkung dann tatsächlich so eintritt, wie ich sie mir am Schnittplatz gedacht habe, zeigt sich erst beim Publikum. Diesen wichtigen Moment – wie das Publikum dann letztendlich auf den Film reagiert – zeigt die oft seltsame Stimmung bei den Testscreenings. Der Gedanke, dass alle etwas „Unfertiges“ zu sehen bekommen, ist dabei zu sehr in den Köpfen verankert. Daher ist es für den Regisseur und mich besonders wichtig, eine möglichst „natürliche“ Zuschauerreaktion für ein unverfälschtes Feedback zu erreichen.

Unverzichtbar ist für mich dabei, eine möglichst perfekte Screening-Fassung aus dem Media Composer zu exportieren. Bei den Testscreenings zu „Der Medicus“ kamen 6 von 7 Exporten – bei „Stereo“ alle – direkt aus dem Media Composer. Ziel ist es dabei, mit Bild und Sound so nahe an der fertigen Kinofassung zu sein wie möglich. Ist das geschafft, ist meine Arbeit am Film getan … und ich kann mich auf die Premiere freuen.

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Sven Budelmann, Jahrgang 1973, schnitt 1997 mit KISS MY BLOOD seinen ersten Spielfilm. Er hat bereits an über 350 Werbespots und mehr als 150 Musikvideos mitgewirkt und wurde dafür unter anderem mit einem Cannes Silver Lion ausgezeichnet. Für “Stereo” wurde er für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie “Bester Schnitt” nominiert.