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Blick unter die Haube – Der Ethernet AVB-Netzwerk-Backbone der VENUE | S6L

VENUE | S6L ist ein modulares, skalierbares Live-Sound-System, das den jeweiligen Anforderungen entsprechend frei konfiguriert werden kann. Die zentrale Technologie, die diese Modularität ermöglicht, ist Ethernet AVB (bekannt auch unter der Bezeichnung AVB/TSN) – die Netzwerkarchitektur, über die die diversen Systemkomponenten miteinander verbunden sind. In diesem Blogpost werden wir uns Ethernet AVB näher ansehen, und Sie werden erfahren, warum Avid genau diese Technologie für den Netzwerk-Backbone des S6L-Systems ausgewählt hat. Außerdem wird es um einige einzigartige Innovationen gehen, die entscheidend zur hervorragenden System-Performance beitragen.

Was ist Ethernet AVB? Audio Video Bridging (AVB) ist die Bezeichnung für eine Reihe technischer Standards, herausgegeben vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), des weltweit größten Verbandes professioneller Elektrotechnik- und Elektronik-Ingenieure, der zugleich eine der führenden normengebenden Organisationen ist. Zu den bekanntesten Netzwerknormen des Instituts zählen der Ethernet-Standard IEEE 802.3 und der Drahtlos-Netzwerk-Standard IEEE 802.11.

Die Arbeitsgruppe „Audio Video Bridging“ des IEEE 802.1-Normenausschusses ist für die Spezifikationen verantwortlich, die zeitsynchronisierte Streaming-Dienste mit geringer Latenz über IEEE 802-Netzwerke ermöglichen. Darüber hinaus hat die Gruppe diverse Erweiterungen für eine zuverlässige, synchronisierte Audio/Video-Übertragung mit geringer Latenz und ohne komplexe Netzwerkanforderungen herausgegeben.

Natürlich ist die Entwicklung von Ethernet AVB noch lange nicht abgeschlossen. So verabschiedete das IEEE unter der Bezeichnung „Time Sensitive Networking (TSN)“ erst kürzlich einige auf den AVB-Spezifikationen aufbauende Erweiterungen für zusätzliche Einsatzbereiche, Funktionen und Anwendungen des AVB-Standards. Hierzu zählen unter anderem nahtlose Redundanz und Priorisierung von Datenströmen mit besonders geringer Latenz für systemkritische Funktionen.

Dies alles begleitet die AVnu Alliance, deren Mitglied auch Avid ist, indem sie spezifiziert, was von den AVB/TSN-Standards für neue, marktübergreifende Anwendungen benötigt wird, damit sich die Entwicklung von Ethernet AVB-Produkten für Ingenieure und Hersteller möglichst unkompliziert gestaltet. Um Interoperabilität zwischen den verschiedenen AVB-Geräten zu gewährleisten, formuliert die AVnu Alliance Gerätezertifizierungen für die Automobilbranche sowie für Audio- und Videoprodukte für den Consumer- und den professionellen Markt und ist aktiv an der Förderung und Verbreitung von Ethernet AVB in den verschiedenen Märkten beteiligt.

Das Stage 64 I/O-Rack bietet sowohl etherCON- (Kupfer) als auch SFP- (Glasfaser)-Anschlüsse, mit Unterstützung für Multimode- und Singlemode-SFP-Transceiver

Vorteile von Ethernet AVB für Audio- und Videoprodukte:

  • Präzises Timing zur Unterstützung von Media-Clocks mit geringem Jitter und die akkurate Synchronisation multipler A/V-Streams
  • Zuverlässige Übertragung zeitkritischer Datenpakete durch Latenzbegrenzung
  • Maximale Zuverlässigkeit – einschließlich redundanter Master-Clock und redundanter Datenströme
  • Branchenweit bewährte Praktiken für sicheren Zugang und sichere Transaktionen
  • Keine oder geringe Anforderungen an die Netzwerkkonfiguration – hoch zuverlässige A/V-Netzwerke für alle nur denkbaren Einsatzbereiche
  • Hohe Marktattraktivität und Akzeptanz durch führende Unternehmen der Branche

 Im Folgenden sollen einige Vorteile näher betrachtet werden …

Rückseite der S6L-24D-Konsole – Ethernet-AVB-Schnittstellen im mittleren Bereich

Latenzbegrenzung und Bandbreitenreservierung für zuverlässige Verbindungen

Beim bisherigen Ethernet lässt sich der Datenverkehrsfluss nicht genau bestimmen, und die Übertragung anderer Daten kann das Streaming verzögern. Aufgrund dieser Unwägbarkeiten werden die Puffer-Zeiten von Empfängern in älteren Systemen in der Regel sehr hoch eingestellt, um einen Puffer-Unterlauf zu verhindern. Eines der wichtigsten Features eines Ethernet-AVB-Netzwerks ist, dass reservierte Datenströme mit geringer, begrenzter Latenz durchgeleitet werden, so dass nicht allein das Eintreffen zeitkritischer Streams gewährleistet ist, sondern auch das rechtzeitige Eintreffen.

Aus diesem Grund formulierte das IEEE das sogenannte Stream Reservation Protocol (SRP) als Teil der AVB-Spezifikation, da die einfachen Übertragungsverfahren bestehender Reservierungsprotokolle nicht für die Anforderungen anspruchsvoller Anwendungen, wie professioneller A/V-Anwendungen, ausreichten. Um eine Überlastung des Netzwerks und daraus resultierende Paketverluste und Verzögerungen zu verhindern, wird via SRP ein Netzwerkpfad mit der benötigten Bandbreite konfiguriert, mit automatischer Einrichtung der zugehörigen Hardware-Queues (Warteschlangen), Paketweiterleitung und VLAN-Konfiguration.

Durch Steuerung der Queues und des Datenflusses – im Prinzip nichts anderes als die Abstimmung der Übertragungszeiten zur Verhinderung eines „Frame-Staus“ – kann ein Ethernet-AVB-System Daten mit geringstmöglichen Latenzen auch bei hohem Datendurchsatz verlustlos übertragen. Deshalb erfordern AVB-Endstations (z.B. Live-Mischkonsolen) keine großen Puffer, um Überlastungsproblemen und damit einhergehenden Paketverlusten und Übertragungsverzögerungen zu begegnen.

Die Netzwerkarchitektur erlaubt die Einbindung mehrerer Stage 64 I/O-Racks – für eine größere Flexibilität dank verschiedener, optionaler Input- und Output-Karten

Absolutes Timing gewährleistet Synchronisation aller angeschlossenen Geräte

Ein großer Vorteil von Ethernet AVB ist die Synchronisation vernetzter Geräte, realisiert über gPTP („generalized Precision Time Protocol“). Der gPTP-Standard (IEEE 802.1AS) wurde von der AVB-Arbeitsgruppe entwickelt und zeichnet sich durch eine gemeinsame Zeitreferenz aus, wie sie für professionelle Audio- und Video-Taktung und zeitkritische Streams wie industrielle Roboter-Steuerungen erforderlich ist (+/- 500 ns bei allen gPTP-Knoten).

Eine derartige Synchronisierung ist die Grundlage für gPTP-basierte Protokolle (wie AVTP), über die letztlich die Media-Clocks der „Talker“ (Sender) und „Listener“ (Empfänger) synchronisiert werden – in kompromisslos professioneller Qualität. Und weil die Timing-Informationen an alle Knoten (Endpoints und Switches) verteilt werden, ist das Clocking in Ethernet-AVB-Systemen sehr belastbar, inklusive Funktionen für den automatischen Wechsel auf eine zweite Master-Clock, falls der erste Taktgeber einmal ausfällt.

VENUE | S3L: Avids erstes Live-System mit Ethernet-AVB-Architektur

Ethernet-AVB für VENUE | S6L

In der ersten Entwicklungsphase betrachtete unsere S6L-Produktgruppe alle verfügbaren – offenen und proprietären – Verbindungsprotokolle, um zu ermitteln, welche am besten zu den Ansprüchen des Unternehmens an einen umfassenden, übergeordneten Netzwerk-Backbone für alle Avid-Produkte, auch zukünftige, passen würde. Nach Bewertung der Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte entschied sich das Team für Ethernet AVB. Dies war aus folgenden Gründen die ideale Lösung:

  • Ausreichend Kapazitäten selbst für die anspruchsvollsten Audio- und Videolösungen
  • Geringe Latenz – entscheidend für professionelle A/V-Einsätze
  • Playout vollständig deterministisch
  • Basiert auf offenen (nicht-proprietären) Industrienormen
  • Frei implementierbar, für jedes Produkt geeignet

Darüber hinaus ermöglicht es Ethernet AVB, Produkte rund um ein einziges, unternehmensweites Netzwerk-Ökosystem zu entwickeln – von Highend-Lösungen für den professionellen Einsatz, wie S6L, über die unterschiedlichsten Audio- und Video-Produktlinien bis hin zu unseren Einsteigerprodukten. Außerdem wird Ethernet AVB von jedem aktuellen Mac nativ unterstützt, so dass unsere Kunden über eine kostenlose Recording-Lösung verfügen, die keiner zusätzlichen Hardware oder Lizenzen bedarf.

VENUE | S6L bietet 64 Pro Tools-Tracks (Aufzeichnung und Wiedergabe) via Ethernet AVB

Die Tatsache, dass Ethernet AVB auf nicht-proprietären Industrienormen basiert, bietet zudem eine hohe Zukunftssicherheit, unabhängig von der finanziellen Situation eines Unternehmens oder Fertigungs- und anderen Problemen. Bei Betrachtung all der unterschiedlichen Protokolle, die wir in der Audiobranche bereits kommen und gehen sehen haben, wird klar, dass langfristig nur offene Standards wie MIDI, MADI und AES/EBU Bestand hatten.

Das soll nicht heißen, dass alle proprietären Protokolle zum Scheitern verurteilt sind, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass schon viele Protokolle auf der Strecke geblieben sind. Betrachtet man vor diesem Hintergrund nun Ethernet AVB, das auch in Branchen außerhalb der Pro-Audio-Welt – einschließlich der Automobilindustrie und anderer industrieller Einsatzbereiche – eine hohe Akzeptanz findet. Dies beweist auch der Zuspruch seitens großer Unternehmen wie Cisco, Intel, BMW, GE, General Motors und anderer, die zahlreiche Produkte rund um den AVB-Standard entwickeln, und es zeigt, wie viel Impulskraft dieses außerordentlich zukunftsfähige Protokoll besitzt.

Rückseite der VENUE | E6L-Engine – erweiterbar durch zusätzliche AVB-192 Ethernet-AVB-Netzwerkkarten

Unsere Geheimwaffe: Die AVB-192 Ethernet-AVB-Netzwerkkarte

Über die offensichtlichen Vorteile von Ethernet AVB hinaus haben unsere Ingenieure die Performance des VENUE | S6L-Systems weiter optimiert, indem sie die AVB-192 Ethernet AVB Card entwickelt haben, die Bestandteil aller drei Systemkomponenten – der S6L-Konsole, der E6L-Engine und des Stage 64 I/O-Racks – ist. In der Konsole und im Stage 64-Rack ist intern eine einzelne AVB-192-Karte verbaut, die zwei unabhängige Gigabit Ethernet-Ports bereitstellt: Kupfer und Glasfaser (via SFP).

Die E6L-Engine wird standardmäßig zwar auch mit einer AVB-192-Karte ausgeliefert. Demnächst wird es jedoch möglich sein, bis zu drei AVB-192-Karten zu integrieren, so dass eine höhere Anzahl an Ein- und Ausgängen genutzt werden kann. Jede AVB-192-Karte ermöglicht den Betrieb hunderter Kanäle, derzeit mit 96 kHz, und wird in Zukunft auch Abtastraten von 192 kHz unterstützen.

Diese AVB-192-Karten dienen dem System einerseits als Ethernet-AVB-Schnittstellen für die verschiedenen Systemkomponenten und stellen zusätzlich je einen integrierten 7-Port-Switch bereit. Dies vereinfacht nicht nur das Verkoppeln verschiedener Module, sondern ermöglicht auch redundante Loops zwischen den Systemkomponenten – für eine noch höhere Zuverlässigkeit mit nahtlosem, sample-genauem Switching ohne Ausfälle (beispielsweise bei Kabeldefekten).

Weitere Anschlussoptionen des S6L-Systems neben Ethernet AVB

Die in die AVB-192-Karten integrierten Switches erlauben zudem das Bridging mehrerer AVB-Domänen in der E6L-Engine. So lassen sich Features realisieren wie die hohe Anzahl von Kanälen, die das System zur Verfügung stellt, oder die Integration mehrerer Stage 64 I/O-Racks, eines lokalen I/O-Bereichs für die Konsole und externer Pro Tools-Workstations für Aufnahme und Wiedergabe (mit Unterstützung für Kabellängen bis zu 100 m über Cat5e-Kabel und bis zu 500 m oder mehr via Glasfaser).

Last but not least konnte das S6L-Entwicklungsteam ungeachtet der empfohlenen AVB-Latenz von ungefähr 2 ms Netzwerk-Latenzwerte von unter 1 ms (in beide Richtungen) herausholen. Schickt man ein Signal einmal durch das komplette Setup, einschließlich Wandlern, beträgt die Latenz nicht einmal 3 ms.

Und obwohl Ethernet AVB als Backbone für das VENUE | S6L-System dient, legt es die Anschlussoptionen zur Anbindung an „den Rest der Welt“ in keiner Weise fest. Daher wird Avid für S6L über Ethernet AVB hinaus ein umfassendes Angebot anderer Anschluss-Optionen bereitstellen, so dass das System in jede bestehende Umgebung eingebunden werden kann. Ein Beispiel ist die bereits angekündigte Dante-Karte für S6L, die gerade von Audinate entwickelt wird. Andere Karten sind in Planung, darunter auch Erweiterungsoptionen für MADI und Thunderbolt.

Wir hoffen, dass Ihnen dieser Artikel ein etwas besseres Verständnis für das Konzept Ethernet AVB vermittelt hat – und für die Gründe, warum sich Avid für diesen leistungsfähigen, offenen Standard als Netzwerk-Backbone der neuen S6L-Konsole entschieden hat. Wie Sie sehen, bieten die Möglichkeiten der AVB-192 Ethernet AVB-Karte für dieses bahnbrechende Live-System große Vorteile für die unterschiedlichsten Veranstaltungen – insbesondere dann, wenn es um wirklich anspruchsvolle Produktionen geht.

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So baut man einen erstklassigen Live-Preamp – Blick unter die Haube der VENUE | S6L

VENUE | S6L ist viel mehr als einfach nur Avids neuestes Live-Mischpult. Es ist eine ganz neue Plattform für Live-Produktionen – und zugleich Avids bislang größtes Live-Sound-Projekt. Das S6L-System basiert zwar ebenfalls auf der erfolgreichen VENUE-Software und den entsprechenden Workflows, die Hardware wurde jedoch von Grund auf neu entwickelt.

Im Fokus der Avid-Ingenieure standen dabei insbesondere zwei Aspekte: Zum einen sollte das System sowohl beim Mischen als auch bei der Aufnahme die höchstmöglichen Sampleraten unterstützen, zum anderen galt es, die Signalkette – von den Eingängen bis zu den Ausgängen – weiter zu verbessern, um eine optimale Klangqualität zu gewährleisten.

VENUE-Systeme werden in der Veranstaltungsbranche dank ihres exzellenten Klangs seit mehr als 10 Jahren hoch geschätzt. Ihr verfärbungsfreies Wiedergabeverhalten ist auch die ideale Grundlage für die zahlreich angebotenen Onboard-Plug-Ins, mit denen Tonleute ihre Mischungen heute bearbeiten und bereichern können. So stellte das S6L-Projekt unsere Ingenieure vor die Herausforderung, die Audioqualität der VENUE-Umgebung durch Einsatz neuester Technologien und Komponenten noch einmal zu optimieren und zugleich die bekannt hohe klangliche Flexibilität zu erhalten.

“Bei der Entwicklung der VENUE-Konsolen ist das erklärte Ziel ‚Transparenz‘. Vor VENUE bewegte ich mich 25 Jahre lang ausschließlich in der analogen Welt, in der die einzelnen Komponenten die Strukturen für meine Arbeit vorgaben. Als ich auf VENUE umstieg, konnte ich endlich das umsetzen, wovon ich immer geträumt hatte, neue Wege ausloten, um ganz bestimmte Sounds zu schaffen – und nie stand mir die Konsole dabei im Weg … Ich war so frei, das war einfach unglaublich!

– Greg Price, FOH Engineer bei Ozzy Osbourne, Black Sabbath, Van Halen

Ein zentrales Element war die Entwicklung eines neuen Preamp-Typs für das S6L-System. Mit einer kompromisslosen Performance, höchster Klangtreue und Unterstützung für Abtastraten bis 192 kHz. Avids Philosophie ist es, bei der Audiowiedergabe maximale Präzision zu gewährleisten, damit Toningenieure so flexibel wie möglich arbeiten können – mit größtmöglicher klanglicher Vielfalt.

Wenn nun ein Preamp den Ton stark prägt, lässt sich diese klangliche Färbung nicht wieder aus dem Signal entfernen. Man muss mit dem charakteristischen Sound des Preamps leben, ungeachtet dessen, was man noch vorhat. Bei manchen Produktionen mag der typische Preamp-Klang durchaus passen, doch immer wird er nicht ideal sein. Und da Live-Tonleute in der Regel mit verschiedenen Künstlern und musikalischen Stilrichtungen arbeiten, sollten sie ihren Mix ganz flexibel gestalten können und nicht durch die Technik festgelegt sein.

“Stil und Konzeption moderner Preamps für digitale Mischkonsolen erfordern von uns Toningenieuren und Technikern ein gewisses Umdenken“

— Robert Scovill

Robert Scovill, preisgekrönter Live-Tonmann und erfahrener Spezialist für Live-Sound-Produkte bei Avid, erklärt: „Stil und Konzeption moderner Preamps für digitale Mischkonsolen erfordern von uns Toningenieuren und Technikern ein gewisses Umdenken. Dies wiederum führt zu veränderten Erwartungen, was wir an diesem Punkt der Signalkette erreichen möchten. Bei ‚One-Trick Pony‘-Preamp-Konzepten, die ihren ganz typischen Klang mitbringen, muss man sehr auf die akustischen Eigenschaften achten, wenn man den Sounds der unterschiedlichen Signalquellen wirklich gerecht werden will. Für die Studioarbeit ist das kein Problem, denn dort hat man meist genug Zeit, die Auswahl der Preamps optimal auf die einzelnen Klangquellen und Songs abzustimmen. Bei Live-Veranstaltungen allerdings ist das praktisch nicht realisierbar. Genau deshalb bin ich von unserem Ansatz so überzeugt, extrem hochwertige, akkurate Preamps zu verwenden, die einen sehr transparenten Sound ermöglichen – noch vor der digitalen Wandlerstufe. Ist das Signal dann in die digitale Ebene überführt, lassen sich Charakter und Klangfarbe nach Belieben verändern, auf Wunsch sogar für jeden Song oder Sound separat. Das ist für die kreative Arbeit einfach unschlagbar.“

Robert am FOH bei Tom Petty & the Heartbreakers

Wenn ich das passende Mikro auswähle und es korrekt positioniere, entspricht der VENUE-Klang sehr genau dem, was auf der Bühne zu hören ist, und darauf kommt es an. Anschließend kann ich mein Signal nach Belieben bearbeiten, zum Beispiel mehr Wärme oder Grunge hinzufügen, ohne dass mich die Klangfarbe des Preamps einschränkt

– Chris Madden, FOH Engineer bei Pink, Sade, Jessie J.

Chris als FOH Engineer bei Sade

Bei der Entwicklung eines neuen Vorverstärker-Schaltkreises kommen künstlerische und wissenschaftliche Aspekte zusammen. Am Anfang stand vor allem das Ziel, dass der Klang so sauber wie möglich sein sollte, mit einem hohen Dynamikumfang, geringen Verzerrungen, einem hervorragenden Rauschabstand und Unterstützung für Sampleraten bis 192 kHz – und das bei kürzestmöglicher Signallaufzeit. Um dies zu erreichen, beschloss das Entwicklungsteam bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt, für die Gain-Steuerung der Mic-Preamps einen Mikrocontroller einzusetzen, der eine herausragende Performance gewährleistet. Nach umfangreichen Recherchen entschied sich das Team für den digitalen Gain-Controller 5173 aus dem Hause THAT Corporation. THAT Corporation ist eine Audiotechnik-Firma, die sich auf die Herstellung hochwertiger analoger Komponenten für professionelle Audioanwendungen spezialisiert hat. Zu den Kunden der THAT Corporation zählen unter anderem so bekannte Namen wie Apogee, Benchmark und Great River.

Der 5173 ist ein sehr robuster digitaler Gain-Controller (IC), der mit relativ hohen Spannungen arbeitet, so dass er eher Fehler verzeiht und weniger aufwendige Schaltungen erfordert, die wiederum die Audio-Performance beeinträchtigen können. Einer der Vorteile des 5173 in Kombination mit der speziellen Avid-Hardware ist der, dass der 5173 auf Gain-Änderungen angenehm planbar reagiert und auf diese Weise geringstmögliche Schaltgeräusche verursacht und zugleich eine gleichmäßige Gain-Anpassung in 1-dB-Schritten ermöglicht. Ungeachtet dieser überzeugenden technischen Performance arbeitet der 5173 im Vergleich zu vielen anderen IC-Lösungen sehr stromsparend – ein großer Vorteil angesichts der bis zu 64 Eingänge eines S6L Stage 64 I/O-Racks, das das Vorgänger-Modell mit maximal 48 Eingängen pro Stagerack noch einmal übertrifft.

Darüber hinaus passt der digitale Gain-Controller 5173 optimal zu THATs rauscharmem, differentiell arbeitendem Audio-Preamp-IC 1580. Im Vergleich zu anderen Lösungen, die alles in einem IC unterbringen, sind die Controller- und Preamp-Komponenten der THAT Corporation als separate ICs ausgeführt. Dies bietet Unternehmen wie Avid zum einen eine größere Flexibilität, die einzelnen Bauteile auf technische Konzepte abzustimmen. Vor allem aber ermöglicht es optimale Bedingungen bei der IC-Produktion, da der digitale Gain-Controller in einem Hochvolt-CMOS-Prozess gefertigt wird. Zusammen mit dem analogen Preamp 1580, der von Anfang an in BiCMOS-Technik konzipiert wurde, ergibt sich nicht nur ein besseres Rauschverhalten, sondern auch eine höhere Leistung. So wird das Beste aus beiden Welten genutzt – ein einzigartiger Ansatz im anspruchsvollen Pro-Audio-Segment. Während Produkte anderer Anbieter mit einer begrenzten Eingangsspannung arbeiten, bieten die Preamps des S6L-Systems einen Gain-Bereich von 10 – 60 dB und sind für eine Eingangsimpedanz von 4 kOhm optimiert, ob die Pad-Schaltung (Eingangs-Vordämpfung) nun aktiviert ist oder nicht. So kann ein eingehendes Mikrofonsignal ohne Beeinträchtigung der Qualität passiv gesplittet und auf mehrere Konsolen geroutet werden.

THAT 1580 low-noise differential preamplifier IC

Doch das Entwicklungsteam ging noch weiter und ließ in die Optimierung des S6L-Preamp-Konzepts seine gesamte Erfahrung einfließen. Das Resultat ist ein ausgesprochen durchdachtes Design mit Dünnschichtwiderständen zur Verringerung des sogenannten Johnson-Rauschens (thermisches Widerstandsrauschen, letztlich auch Ursache für höhere Verzerrungen) sowie erstklassigen Netzteilen, die die analogen Schaltungen mit Strom versorgen und sich durch eine außerordentlich gute Performance auszeichnen.

Und was bedeutet das nun für die Praxis? Die technischen Ziele, die sich das Entwicklungsteam gesetzt hatte, wurden deutlich übertroffen, selbst bei 192 kHz. Am besten aber brachte es wohl FOH Engineer Greg Price auf den Punkt, als das Team das S6L-System kürzlich zum Soundcheck für ein Van Halen-Konzert mitbrachte und Price die Preamps zum ersten Mal hörte:

“Diese Eingangskanäle klingen so, wie ich es mir immer gewünscht habe!”

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Behind the Scenes: Anastacia

Direkt zu Beginn ihres Gigs stellt Anastacia klar: Bei ihrer Ressurection Tour 2015 dreht sich alles „nur um die Musik“. Begleitet von einer perfekt abgestimmten Band bringt sie ihren mitreißenden Mix aus Soul, Pop und Rock mit allen alten und neuen Hits auf die Bühne. Gekonnt bewegt sie sich dabei in ihrer Performance zwischen schnellen, elektronischen Songs, Rock und intimen Balladen.

Verantwortlich für das Sounderlebnis der Fans zeichnet FOH-Mann und VENUE-Veteran Gerard Albo, der schon mit Künstlern wie Amy Winehouse, Patty Smith, Morten Harket (a-ha), Corinne Bailey-Rae und vielen anderen zusammengearbeitet hat. „Die größte Herausforderung bei Anastacias Sound ist es, gleichzeitig die Energie der Band zu bewahren und die Kraft ihrer Stimme im Mix zu zähmen“, erklärt Albo. „Mit der S3L-X ist das kein Problem – die dynamische Range und der Sound sind fantastisch.“

In diesem „Behind the Scenes“-Video gibt Gerard Albo Einblicke in die Produktion der aktuellen Resurrection Tour und erklärt seine Techniken rund um das Mixing so dynamischer Künstler wie Anastacia mit der VENUE | S3L-X.

Die Technik und der Mix von Anastacia

Melden Sie sich für Teil 2 an und begleiten Sie Gerard Albo, wenn er die einzelnen Signale und Bühnenmikrofone durchgeht und einen von Anastacias größten Hits, Sick and Tired, mischt. Zu Teil 2




Avid auf der Prolight + Sound 2015

Die Prolight + Sound 2015 in Frankfurt (15. bis 18. April) wirft ihre Schatten voraus: Prominente Gäste und spannende Produktinnovationen machen die Messe für Avid dieses Jahr zu einem ganz besonderen Event. Wie schon in den letzten Jahren werden wir beim S.E.A.-Stand in Halle 8, Stand G40A zu finden sein.

Zum Testen und Ausprobieren haben wir dabei während der gesamten Messe unsere Livesysteme VENUE | S3L-X und VENUE | Profile vor Ort. Beide Systeme sind mit Pro Tools verbunden sein, um so die hochintegrierten Aufnahme- und Wiedergabefunktionen von VENUE  zeigen zu können. Dazu gehört nicht nur der Virtual Soundcheck, mit dem man Liveaufnahmen dazu verwenden kann, Mixe zu verfeinern, sondern auch die Programmierung von Snapshots, das Experimentieren mit Plug-ins und vieles mehr.

Außerdem freuen wir uns sehr auf zwei außergewöhnliche Gäste, die ihre besten Tipps zum Mischen mit Avid-Systemen verraten. Merken Sie sich die Termine mit Stefan Holtz und Jasen Hattams auf jeden Fall vor!

Und auch wenn wir jetzt noch keine Details verraten können: Es wird ein spannendes neues Produkt geben, das wir im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen werden – vorbeischauen lohnt sich also auf jeden Fall!

Neben dem Stand auf der Prolight + Sound ist Avid natürlich auch wieder mit einem Stand auf der Musikmesse vertreten. In Halle 5.1, Stand C76, stellen wir unsere Audio-Innovationen vor, darunter Pro Tools 12, Pro Tools | First, Sibelius 8, S§ und vieles mehr.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Stefan Holtz

Jasen Hattems

Stefan Holtz

FOH: Die Toten Hosen, Marius Müller Westernhagen

Stefan ist einer der renommiertesten deutschen Livesound-Techniker, der mit einigen der größten deutschen Künstler zusammenarbeitet – zum Beispiel den Toten Hosen und Marius Müller Westernhagen. Außerdem ist Stefan Systemtechniker für die Fantastischen Vier und  seit 2002 Systemdesigner und verantwortet die A/V-Technik des Ruhrtriennale Theater Festivals.

Jasen Hattams

Monitortechniker: Madness, Happy Mondays, Mark Ronson and Spandau Ballet, Example

Jasen hat in seiner Karriere schon mit einigen britischen Musikgrößen zusammengearbeitet und nutzt die VENUE | S3L-X seit dem Release. Er war außerdem schon System- und Livetechniker und hat zum Beispiel an bekannten Veröffentlichungen wie Under Blackpool Lights von den White Stripes mitgewirkt. Eine Story samt Video über seine letzte Tour mit dem britischstämmigen Rapper Example ist hier zu finden.

Wir haben einige tolle Demos und Gäste auf der Prolight + Sound 2015 – ein Besuch in Halle 8, Stand G40A lohnt sich also auf jeden Fall.  Auch auf der Musikmesse sind wir natürlich zu finden, und zwar in Halle 5.1, Stand C76. Hier präsentieren wir unsere Audio-Produkte Pro Tools 12, Pro Tools | First, Sibelius, S3 und viele weitere. Bis dann!

Meet the Avid S3L Live Sound System

Lernen Sie das Avid S3L Livesound-System kennen

Seien Sie dabei, wenn Livesound-Legende Robert Scovill (Tom Petty, Rush, Prince, Def Leppard) die Vorteile der innovativen S3L live vor Ort demonstriert. REGISTER NOW




Auf Tour mit Massive Attack: Richtig gut eingeschlagen

Das war es also. Ein unglaublicher Sommer, in dem ich quer durch Europa gereist bin und Massive Attack-Konzerte auf meiner S3L gemischt habe. (Zu diesem Thema gibt es bestimmt 50 weitere Blogposts, falls Sie sie noch nicht entdeckt haben …)

Ich weiß nicht, wann ich am Mischpult jemals so viel Spaß gehabt habe. Unsere letzte Show fand in Blackheath, London, statt. Britannia Row, mit denen ich bereits seit 25 Jahren zusammenarbeite, hatten eine sehr gute K2-PA bereitgestellt, die von Anfang an einfach großartig klang – wie erwartet. Aber das Beste an diesem Abend war, dass Grace Jones als Opener auftrat! Sie war unglaublich, ließ den ganzen Glamour der Achtziger aufleben, mit diversen Kostümwechseln und dem typisch surrealen Geplauder zwischen den Songs. Und ihre abgefahrene jamaikanische Band, die ebenfalls ganz großartig war. Gemischt auf einer Profile. Seitdem bekomme ich „Slave to the Rhythm“ nicht mehr aus meinem Kopf. „Heeeeeres Grace!“

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

“Richtig gut eingeschlagen”

Wie immer nach Beendigung einer Tour sind die Emotionen gemischt. Einerseits ist man traurig, dass es vorbei ist, andererseits freut man sich aber auch, nach Hause zu kommen und bei der Familie zu sein. Keine Back-Lounge-Rider mehr, keine Schlafkojen im Tourbus. Dinge, die man hätte besser machen können, und natürlich alles, was gut gelaufen ist. Bei dieser Tour überwog auf jeden Fall die positive Seite. Von einem französischen Ton-Kollegen bekam ich eine Mail, in der er über den Sound sagte:

“MASSIVE ATTACK met une bonne claque partout où il passe”

…was wörtlich übersetzt wohl bedeutet, dass MA überall richtig gut eingeschlagen haben. Wenn das heißen soll, dass wir das Publikum überrascht, herausgefordert und zu einer Neubewertung audiophiler Wahrnehmung geführt haben, dann haben wir unseren Job gut gemacht. Und wenn die Show als Ganzes gemeint war, dürften 3D, Daddy G und die Band ebenfalls sehr zufrieden sein. Fest steht, dass sowohl meine Kollegen als auch das Publikum immer wieder erstaunt waren, wie klein die S3L ist – und wie voll und dynamisch der Ton, den man mit diesem System produzieren kann. Bei einem Auftritt hörte ich jemanden in der Menge fragen: „Kommt all dieser Sound wirklich aus dem kleinen Pult?“

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

Das Konzert vor Blackheath fand in Paris statt, bei der ‚Fete de L’Huma‘, einem großen Fest des Lebens und der Menschlichkeit, organisiert von den bunten, lebendigen französischen Arbeiterparteien und Gewerkschaften. 80.000 tanzende, feiernde und Flaggen schwenkende Leute (für uns die größte Veranstaltung dieses Sommers), fantastisches regionales Essen und Wein zum Selbstkostenpreis, und alle hatten richtig viel Spaß. Der Eintritt für das gesamte Wochenende betrug 20 Euro! Daran sieht man mal wieder, was für Festivals man auf die Beine stellen kann, wenn man Hand in Hand arbeitet. Wir hatten eine riesige K1-Anlage, die von Potar Hulant, einem großen französischen Verleiher, mit viel Liebe zusammengestellt worden war. Außerdem war es schön, Madje mal wieder zu sehen, der nicht nur Potar Hulants Technischer Leiter, sondern auch ein leidenschaftlicher Tonmann ist, der schon unzählige coole französische Acts wie Air oder Yael Naim gemischt hat. Er wollte die S3L unbedingt in Aktion erleben – und wird sie auf seine nächste Tour mitnehmen.

Das Video

Bei all dem – den Reisen, den Materialbewegungen, den Auftritten von Island im hohen Norden bis in den Libanon im Süden und den ganzen Zwischenstationen – schafften wir es sogar noch, ein Video zu drehen, einen Blick hinter die Kulissen dieser Tour. Es geht in erster Linie um Bühne und Technik, um Plug-Ins, Timecode und so weiter, und darum, wie ich insgesamt an den Mix einer Band wie Massive Attack herangehe. Dieser alte, grauhaarige Roadie in dem Video ist übrigens mein Dad. Ich selbst bin viel, viel jünger und schlanker und habe dunkleres Haar.

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

Was habe ich auf dieser Tour gelernt?

  1. Größe ist nicht alles!
  2. Ich arbeite in einer Branche mit lauter liebenswürdigen und exzentrischen Menschen.
  3. Im Libanon gibt es das beste Tabouleh und das beste Hummus der Welt!
  4. Meeresfrüchte und dunkler Rum sind keine gute Kombination.
  5. Island ist einfach einzigartig.
  6. PA-Systeme von d&b und L’Acoustics (und den meisten anderen Herstellern) sind mittlerweile wirklich großartig.
  7. Fußballspieler werden statistisch häufiger von einem Suarez als von einem Hai gebissen.

Und was den S3L-Testlauf betrifft:

Wie machte sich das System, das Objekt meiner Begierde der letzten vier Jahre, im echten Road-Einsatz? Mann, das hat selbst mich überrascht, und alle anderen, die es live erlebt haben – diese radikale Abkehr von dem, was ein Mischpult sein sollte, wie es aussieht, wie viel es wiegt, wie es sich bedienen lässt und wie es klingt. Von verregneten Schlammschlachten bis hin zu unglaublich hohen Temperaturen hat diese Konsole einfach alles mitgemacht.

Ich sah, wie die Crews sie herumwarfen, fallen ließen oder hunderte von Metern über Kopfsteinpflaster holperten, obwohl ich extra um Vorsicht gebeten hatte. Sie wurde mit einem Kran über 30 m hohe mittelalterliche Festungsmauern (Carcassonne!) gehoben, in Linien- und Charter-Flugzeugen herumgeflogen, mit Tiefladern auf Berge gekarrt und auf Schiffen, mit der Bahn und diversen anderen Transportmitteln befördert (außer Kamelen, das kommt dann beim nächsten Mal)! Gegen Ende der Tour sahen die Flightcases aus, als hätten sie gerade einen Krieg hinter sich, aber mein Pult tat klaglos weiter seinen Dienst und lieferte Tag für Tag seinen Highend-Studiosound, sorgte für die Aufzeichnung in Pro Tools und folgte dem Timecode.

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

Eine neue Version des Betriebssystems, VENUE 4.5, ist vor kurzem herausgekommen, und sie bietet einen Haufen hochinteressanter neuer Features und ein absolut unglaubliches Preamp-Sharing- und Gain-Tracking-Konzept. Ich freue mich schon auf Oktober, wenn es in Mexiko und den USA in die nächste Runde geht.Kommen Sie doch mal zu einem der Konzerte und sagen ‚Hallo‘, oder hinterlassen Sie hier auf Avid Blogs einen Kommentar oder besuchen mich auf LinkedIn.

DANKE (mit einer Träne im Knopfloch)

Außerdem möchte ich meinen Tontechnik-Kollegen dieser Tour danken,Paul (‚have you seen my‘) Hatt und Oliver (Gizmo) Twiby.Ich habe noch nie in einem so harmonischen Team gearbeitet.Hier noch ein hübsches Foto der Crew.

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

Oft pflege ich zu sagen „In der Audiowelt ist die Quelle das Entscheidende“, und bei Massive ist das Ausgangsmaterial immer top, nicht zuletzt dank unserer drei Backline-Stars: Nick Sizer, Drums, der – gäbe es einen Ritterschlag für Roadies – definitiv Sir Nick genannt werden müsste, ein echter Gentleman und Meister des Wortspiels; Jez, begnadeter Gitarrenspezialist der Stars und der charmanteste Mann des Rockbusiness; und MIDI-Maestro Henry, dessen scharfe Saucen meine Geschmacksnerven in diesem Sommer in ständiger Alarmbereitschaft hielten. Probieren Sie mal Henrys FOH-Sauce (und diesmal meine ich nicht Front of House)!

Außerdem geht mein Dank an Icarus, den Videodesigner, der so klug ist, dass wir alle ihn bald täglich als ‚Icapedia‘ konsultierten, sowie Lichtdesigner Tim, der immer ein Zigarettchen für die ‚nicht rauchende‘ Audio-Crew in Reserve hatte, und Euan, unser stets freundlich lächelndes Pro Tools-Genie.

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

Paul Hatt und Gizmo

On Tour with Massive Attack: Giving a Good Slap

Ebenfalls danken möchte ich Benny und David, die die Tour ganz hervorragend managten, eine Mischung aus Seniorenurlaub und Militärcamp. Und natürlich Massive Attack selbst, die nach wie vor die faszinierendsten, talentiertesten, herausforderndsten und zugleich freundlichsten Musiker sind, für die ich jemals gearbeitet habe.

Last but not least geht mein Dank an Sie alle, die meine Abenteuer mit Massive Attack im Rahmen dieser Blog-Serie in den letzten Monaten verfolgt haben – ich hoffe sehr, dass Sie Spaß daran hatten, und ich freue mich, von Ihnen zu hören!




Auf Tour mit Massive Attack: Der beste aller Gigs – und der verrückteste

Der folgende Beitrag ist der vierte aus der Serie Auf Tour mit Massive Attack von Robb Allan. Robb berichtet aus seiner Perspektive als FOH-Toningenieur und Mitglied des Avid Live-Sound-Teams. Übersetzung: Anke Cherrak

Glastonbury

Glastonbury – das beste Festival der Welt: Menschen, Lineup, Vibes, die absolut unglaublichen Dimensionen und all die unterschiedlichen Besucher! Die Atmosphäre, Genie und Wahnsinn.

Aber auch der stinkende Schlamm, der überall an Schuhen und Kleidung klebt, als wolle er einen nie wieder loslassen, und seinen Weg in seiner perversen Obsession sogar in die hintersten Ecken des Equipments und überall hin findet, so dass man ihn erst Tage später entdeckt. Dann ruft sein widerlicher, hartnäckiger Geruch sofort die Highlights und Abgründe des Sommers ins Gedächtnis.

On Tour with Massive Attack: It Was the Best of Gigs, It Was the Maddest of Gigs

Photo by twak / CC BY 2.0

Mann, ich liebe Glastonbury! Außer in den beiden Momenten, in denen ich die relative Zivilisation der Bühne und ihrer Nebenräume verlasse und mich durch die weltkriegsähnliche Apokalypse – die das Publikum irgendwie überleben muss – bis zum FOH-Platz durcharbeite. Sie denken jetzt vielleicht, ich trage ein bisschen dick auf (und, ja, ich bin bekannt dafür, dass ich Geschichten gerne ausschmücke), aber die beiden Wege zum Linecheck und zum Auftritt selbst sind einfach nicht anders zu beschreiben. Wie können es die Menschen dort tagelang in Zelten und all so etwas aushalten?! Unfassbar.

Irgendjemand gab mir ein paar Stiefel, allerdings in verschiedenen Größen – einer passte perfekt, der andere war zu groß. Ich schätze, ein anderes Crew-Mitglied hatte die ebensowenig zueinander passenden Gegenstücke erhalten. Ich fragte herum, konnte das zweite Opfer aber nicht ausmachen. Also lief ich ständig mit dem Gefühl durch die Gegend, den rechten Stiefel gleich in dem klebrig-gierigen Schlamm zu verlieren, und bewegte mich, als folgte ich Schlamm-Kornkreisen.

Das beste Pult für schlammige Festivals

Es dauerte eine Weile, bis ich am FOH-Platz ankam. Bei früheren Auftritten hatte ich einen Gabelstapler oder so etwas gebraucht, um mein Pult dorthin zu befördern, und musste schon zu Unzeiten auf dem Gelände sein, noch vor den Zuschauern, mit einem durch nichts zu erschreckenden Fahrer und diversen verschlafenen Helfern, um meine Anlage in Position zu bringen. Nach dem Auftritt durfte ich stundenlang warten, während der Rest der Crew duschen und es sich gutgehen lassen konnte – bis irgendwann die meisten Zuschauer den Platz verlassen hatten und mein Gabelstaplermann alles zurück zur Laderampe karrte. Aber nicht dieses Mal – ha! Diesmal war es eine einzige Freude! Wir tauchten auf, und ich kreiste in zufälligen Ellipsen (aufgrund des erwähnten, instabilen Schuhwerks) auf meinen FOH-Platz zu, während vier Leute mein komplettes Equipment in einem Rutsch dorthin schafften! Die S3L ist das perfekte Pult für solche Schlammschlachten. Damit ist es amtlich.

On Tour with Massive Attack: It Was the Best of Gigs, It Was the Maddest of Gigs

Die netten Burschen von Skan PA hatten mir vorne am FOH-Podest einen Platz reserviert, der recht großzügig bemessen war. Und mein Pult war so klein, dass problemlos noch ein Sofa mit Fernseher, ein Kaffetisch und Stühle hingepasst hätten. Beim nächsten Mal. Als ich meinen Keyboard-Ständer für die S3-Konsole aufbaute, hörte ich wieder die typischen Roady-Witze, die sich meist um zwei Themen drehten: War ich vielleicht der Lounge-Pianist? Kannst Du auch ‚Summertime‘? Spielst Du auf Hochzeiten? Und all so etwas. Die andere, noch beliebtere Schiene waren Witzeleien, die Parallelen zwischen Größe und Leistung zogen. Ich tat dann einfach so, als verstünde ich nicht, was sie meinten, oder gab meine übliche Antwort und erklärte ihnen das Gesetz der umgekehrten Proportionalität der Dinge. Aber es gab auch sehr viel echtes Interesse an der Konsole, und der Strom meiner Tontechnikerfreunde und -kollegen aller Altersgruppen, die sich einfanden, um sich das gute Stück anzuschauen und ein bisschen damit herumzuspielen, riss nie ab. Als das Gelächter verklungen und den Witzbolden die Einfälle ausgegangen waren, machte ich mich ans Verkabeln und unterhielt mich nebenbei mit Matt Vickers und Tom Tunney, dem System-Designer bzw. FOH-Chef von Skan. Sie waren superfreundlich, sehr nette Menschen. Ich erinnere mich noch, dass ich mich als junger Mann vor meinen ersten Gigs auf großen Festivals fast ein bisschen gefürchtet hatte. Damals waren die Leute deutlich unentspannter, unfreundlicher, härter und oft zynisch. Es wurde immer wieder in Frage gestellt, ob man überhaupt das Recht hatte, dort zu sein. Und sie kritzelten einem eine Note für den Mix neben die Liste der Bands, die aufgetreten waren. Bevor man weg war! Ich habe Leute mit Tränen in den Augen den FOH-Tower verlassen sehen, so empört und gedemütigt waren sie.

Ich weiß nicht, ob es an meinem Alter liegt (wenn heutzutage über mich geschrieben wird, lese ich immer wieder Veteran vor meinem Namen …) oder daran, dass die jüngeren Leute ein glücklicheres und saubereres Leben führen, aber die Atmosphäre ist heute einfach freundlicher. Die Skan-Leute zum Beispiel haben ein hübsches Chesterfield-Sofa, boten mir etwas zu Trinken an und behandelten mich immer wie einen willkommenen Gast. Vielen Dank dafür.

Wir reisten über Nacht aus Luxemburg an, so dass ich keine Zeit für meinen gewohnten Virtuellen Soundcheck hatte – oha. Das kommt mir mittlerweile so unverzichtbar vor, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann, wie ich ohne auskam. Das Festival lief schon, als wir ankamen, wir hatten also keine Chance. Doch als ich die mächtige Beschallungsanlage aus der D&B J-Series hörte, während die ersten Bands spielten, war ich sicher, dass die Show gut würde. Es ist unglaublich, dass Avid die Sache mit den Virtuellen Soundchecks erst vor nicht einmal zehn Jahren entwickelt hat! So eine kurze Zeit, und doch hat dieses Konzept die Welt des Live-Sounds so grundlegend verändert, dass ich mich ohne beinahe ein wenig unvorbereitet fühle.

Apropos Luxemburg: Das Festival, auf dem wir gerade gespielt hatten, fand auf dem Gelände einer kürzlich umgebauten Abtei statt, die nun ein Kunst- und Kulturzentrum ist. Die Bühne bot einen schönen Blick auf die auf einem Felsvorsprung oberhalb gelegene Festung. Später erzählten uns die Luxemburger noch etwas ziemlich Gruseliges aus der Geschichte der Abtei. Während der Restauration wurden einige Wände eingerissen und zum Vorschein kamen Baby-Skelette aus diversen Epochen. Ist das nicht schaurig??

On Tour with Massive Attack: It Was the Best of Gigs, It Was the Maddest of Gigs

Photo by Eduardo / CC BY-SA 2.0

Die Show

Zurück nach Glastonbury: Vor der Other Stage warteten bereits 40.000 oder 50.000 Zuschauer auf unsere Show, es war gerammelt voll. Die PA aus der d&b J-Series deckte den Zuschauerbereich sehr gut ab: zwanzig Lautsprecher pro Seite als Haupt-Arrays, vierzehn für die geflogenen Sidefills und ein Mix aus J-SUB und J-INFRA im Bühnengraben, so dass wir ein cardioides Subwoofer-Konzept hatten. Die wenigen Augenblicke, die ich mich im Zuschauerbereich herumtrieb, genügten, um einen positiven Eindruck zu bekommen. Der Platz war beschallungstechnisch wirklich gut und gleichmäßig abgedeckt. Auf anderen Festivals in diesem Sommer hatten die Subwoofer zuweilen etwas zu wünschen übrig gelassen. Dieses Problem hatten wir hier nicht.

Das System war so konzipiert, dass eine sehr gezielte Schallabstrahlung in Richtung Zuschauerraum sichergestellt war, da es für die Bereiche außerhalb ziemlich strikte Lautstärkebegrenzungen gab. Ich habe so etwas bisher nur sehr, sehr selten getan, aber nach der Show habe ich dem Veranstalter eine E-Mail geschickt und zu diesem System gratuliert. Die Antwort war sehr schmeichelhaft, doch meine Bescheidenheit verbietet es, sie hier zu zitieren (so etwas muss direkt richtig gemacht werden). Alles in allem waren wir sehr zufrieden mit der Kombination aus S3L und J-Series. In diesem Sommer habe ich mit K1-, J- und Adamson-PAs gearbeitet und mit allen großartige Ergebnisse erzielt. Wenn ich mich aber unbedingt entscheiden müsste, wäre die J mein Favorit. Die Lautsprecher werden immer besser. Und es macht so viel Spaß, beim Virtuellen Soundcheck einen Song aufzurufen (ich nehme meist ‚Paradise Circus‘), die Kanäle zu aktivieren und sofort fast genau den Sound zu hören, den man haben will. In Glastonbury hatte ich diese Chance allerdings nicht. Mir blieb gerade noch die Zeit, die Kanäle zu aktivieren, und dann konnte ich nur noch hoffen, dass die Vorbereitungen ausreichend waren und ich mich nicht vor all meinen Kollegen und den 50.000 überzeugten Massive Attack-Anhängern zum Narren machte.

Oft fragen mich die Leute, ob ich vor einer Show nicht nervös bin. Natürlich bin ich das. Aber wenn man nicht wenigstens ein bisschen Lampenfieber hat, ist man auch nicht aufmerksam genug – und sollte sich vielleicht nach einem neuen Beruf umsehen. Der erste Song begann, und von da ab war alles ok. Ich konnte mich entspannen und das Konzert genießen. Tom kam zu mir und meinte, ich hätte noch Headroom. Ich bedankte mich und sagte: „Da kommt noch was.“ Wir hatten eine Pegelbegrenzung von 100-dbA (Leq) über 60 Minuten. Beim ersten Song waren wir bei ungefähr 95 db. Ich sparte mir noch etwas für später auf. „Angel“ lag in der Spitze bei 106, doch insgesamt gelang es mir, fast immer knapp unter dem Limit für meine Show zu bleiben.

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Das Set baute sich immer weiter auf, und die Zuschauer bewegten sich im Takt der Musik und tanzten, kletterten einander auf die Schultern, sangen mit und schwenkten ihre Fahnen und Banner. Als das Konzert begann, ging hinter mir in grandiosen Farben die Sonne unter und trug noch zur Magie des Abends bei. Und das Pult funktionierte einfach großartig. Die Snapshots wurden per Code getriggert, so dass ich mich ganz auf den Mix konzentrieren konnte. Hier und da gab ich ein wenig Delay hinzu, oder Dub-Reverb auf die Snare, und konnte die Songs formen, während sie sich entwickelten. Massive Attack hat diese wunderbar musikalischen Wechsel in der Instrumentalisierung. In einem Moment sind die Stücke voluminös und komplex, um im nächsten Teil wieder auf ein sparsames Synth-Thema oder weiche Glocken-Sounds zurückzufallen. Ich versuche, die Höhepunkte herauszustellen, indem ich zum Beispiel einige der aggressiveren Gitarrenfrequenzen betone, und den ruhigeren Passagen zuweilen durch winzige Details, wie das Wandernlassen der Glocken durch das Stereobild und Stummschalten aller anderen Raummikrofone, etwas Besonderes zu verleihen. All das geschieht live, und die Band spielt so auf den Punkt, dass jeder einzelne dieser dramatischen Momente perfekt ist. Ich habe schon oft in Glastonbury gemischt, aber dieser Auftritt zählt in puncto PA und Mix zu meinen Favoriten.

On Tour with Massive Attack: It Was the Best of Gigs, It Was the Maddest of Gigs

Im Anschluss an das Festival fuhren wir an Stonehenge vorbei, als gerade die Sonne aufging, was das beinahe mystische Feeling, das wir aus Glastonbury mitgenommen hatten, noch einmal verstärkte. Sogar dieser zynische alte Roadie musste zugeben, dass das Ganze etwas Magisches hatte. Ich ließ meine bislang besten Erlebnisse als Tonmann Revue passieren – und meine verrücktesten.

Die besten 4 Gigs aller Zeiten

Platz 4: Auftaktkonzert zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika

Wir hatten 12 Avid-Konsolen für die FOH-, Monitor- und Broadcast-Mischungen und ein großartiges Lineup, unter anderem Shakira und die Black Eyed Peas. Eine ganz spezielle Atmosphäre, sehr kurze Umbauzeiten zwischen den Auftritten und 2 Milliarden Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt. Viele jubelnde Menschen und eine brillante Britannia Row-Crew. Mein ‚Mittäter‘ Chris Lambrechts und ich an den Pulten. Wir mischten die Bands, rannten herum und halfen anderen bei der Programmierung der Shows, luden Plug-Ins. Wir schliefen eine ganze Woche nicht. So müde war ich noch nie.

Platz 3: Manic Street Preachers – Headliner der Pyramid Stage, Glastonbury 1999

250.000 Menschen waren in dem Jahr in Glastonbury, und ich schwöre, dass sie alle die Manics erlebt haben. Es war ein Meer aus Flaggen und Menschen, das sich über den ganzen Hügel erstreckte. Viele Glastonbury-Fans meinten, es sei die größte Menschenmenge gewesen, die sie jemals vor der Pyramid Stage gesehen hatten. Sogar die Sonne schien an dem Wochenende, wirklich! Bryan Leitch, unser Lichtdesigner, hatte ein riesiges, wassergekühltes Laser-System mitgebracht, mit dem er ein grünes Laser-Dach über den gesamten Zuschauerbereich projizierte. Gänsehaut. Und bei „Design for Life“ und „If You Tolerate This“ sangen alle Zuschauer mit, als hinge ihr Leben davon ab.

Platz 2: Coldplay – Live 8, Hyde Park 2005

200.000 Zuschauer dichtgedrängt im Hyde Park, mit The Who, Pink Floyd, Madonna und U2. Ganz ohne Zeitdruck. Ein Zusammentreffen der ‚ganz Großen‘. Ich mischte auf einer Konsole, mit der ich noch nie gearbeitet hatte, und U2 brauchte die gesamte Zeit, die wir für den Soundcheck hatten, aber alles lief gut. Richard Ashcroft hatte einen Gastauftritt mit der Band, und sie spielten „Bitter Sweet Symphony“, einfach grandios. Dann sang Chris eine wunderschöne Version von „Fix You“, und schon waren wir wieder weg. Es waren nur vier Songs, aber eine beeindruckende Veranstaltung, die Geschichte schrieb.

Platz 1: Manic Street Preachers – Millennium Stadium, Cardiff 1999/2000

Die Millennium-Nacht 1999/2000 im neuen Stadion in Cardiff, der Heimatstadt der Manics. 80.000 verrückte walisische Manics-Fans. Als die Band zum ersten Mal auf die Bühne kam, schrieen die Leute so laut, dass ein warmer Wind mit leichter Bierfahne aus den Kehlen der Menschen über den sehr kalten FOH-Platz hinwegzog. Mir stellten sich die Nackenhaare auf, ich war fast vollkommen überwältigt. Hier waren die drei Jungs, mit denen ich mich beim Fahren abgewechselt hatte, während es in unserem Van zum nächsten Pub-Gig ging. Wir hatten so viel zusammen erlebt, auch einen schrecklichen Verlust. Ich liebte sie wie Brüder, und jetzt wurden sie von einer Welle aus Begeisterung, Energie und Stolz getragen, als sie in ihre Heimat zurückkehrten, um in dieser ganz besonderen Nacht für die Menschen dort zu spielen. Das werde ich niemals vergessen, so lange ich lebe.

On Tour with Massive Attack: It Was the Best of Gigs, It Was the Maddest of Gigs

Die 2 verrücktesten Gigs aller Zeiten

Platz 2: Manic Street Preachers, Bangkok 1994

Wir waren für zwei Abende gebucht, in einer großen, leeren Halle eines Konferenzzentrums, fünf Stockwerke über einer Shopping-Mall in Bangkok. Es war die erste Rockband, die jemals dort gespielt hatte. Nur Elton John war dort wohl einmal in einem bestuhlten Saal aufgetreten. Unser Setup war ziemlich verrückt, da wir aus logistischen und Kostengründen kaum etwas von unserem Equipment einfliegen lassen hatten. So kam es, dass als Bassanlage letztlich eine 4 x12er Marshall-Box plus PA-Subwoofer diente. Die JBL-PA, die aus Japan stammte, war einigermaßen brauchbar, und irgendwie bekamen wir es hin. Das einzige, was fehlte, war ein Akai-Sampler, den wir für einige Streicher-Parts brauchten. Der Production-Manager sagte immer wieder: „Gleich kommt, eine Stunde.“ Am zweiten Tag, als nur noch eine Stunde blieb, bis sich die Türen für das Publikum öffneten, wurde ich ein bisschen ungeduldig und wollte genau wissen, was eigentlich das Problem war. Da brach der Typ in Tränen aus und sagte: „Sorry, so etwas gibt es in ganz Thailand nicht.“

Ich fragte ihn: „Aber warum haben Sie mir das nicht gesagt?“

Seine Antwort war: „Weil ich wusste, dass ich Sie unglücklich machen würde.“

Ich dachte nur noch, dass das irgendwie fast schon wieder nett war, und beließ es dabei. Er hatte die Angelegenheit lieber immer wieder hinausgezögert und mich im Ungewissen gelassen, um mir die unvermeidliche, traurige Wahrheit zu ersparen.

Auch Absperrgitter gab es keine vor der Bühne, und man sagte uns, für Elton habe man auch keine gebraucht und wir sollten uns keine Sorgen machen. „Ihnen ist schon klar, dass Sie es hier mit einer Punkband zu tun haben, oder?“ Die Show begann, und 10.000 Thai-Kids drehten völlig durch, als ob sie zum ersten Mal ihre Rock ‘n’ Roll-Dämonen losließen. Innerhalb der ersten acht Takte war die Bühne voller Thai-Punks, mit Pogo und was sonst noch dazu gehört – Crowd-Diving, Surfen auf der moshenden, schreienden Menge und all so etwas. Ein einziges Chaos. Aber ich liebte es, und die Band rockte, was das Zeug hielt, sprang auf der Bühne herum, ging völlig ab und spielte sich die Seele aus dem Leib. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

Später erfuhren wir, dass all die Kids, die da gleichzeitig auf und ab sprangen, die Decke des Gastronomiebereichs zum Einsturz gebracht hatten – die sich direkt unter uns befand. Das Gebäude musste evakuiert werden. Dann gab es ein Meeting mit der Polizei, dem Bürgermeister, dem Promoter und ein paar anderen Verantwortlichen. Zum Schluss erlaubte man uns, auch die zweite Show zu spielen. Sie mussten den Boden mit Baustützen sichern und holten die Armee als Security, mit Kalaschnikows und elektrischen Viehtreibern. Ich wurde angewiesen, den Ton herunterzuziehen, wenn das Ganze außer Kontrolle geraten sollte. Deptford John meinte: „Was wirst Du machen, Button, wenn sie Dir sagen, Du sollst den Ton abdrehen?“ Ich meinte nur: „John, die haben Maschinengewehre und Folterwerkzeuge. Ich mache genau das, was sie mir sagen!“

Das Konzert fing an, und sofort begannen ein paar ganz Mutige mit dem Crowd-Surfen – mit dem Unterschied, dass wir dieses Mal eine Reihe kleiner, aber sehr entschlossener Thai-Marines vor der Bühne stehen hatten. Jedes Mal, wenn es jemand bis nach vorne schaffte, wurde er mit dem Viehtreiber außer Gefecht gesetzt und zuckend an den Bühnenrand getragen, vollkommen ohne Kontrolle über den Körper. Chaos. Am Ende des Abends lagen bestimmt hundert Thai-Punks in unterschiedlich desolaten Zuständen am Bühnenrand. Dauerhaft Schaden genommen werden sie wohl nicht haben, glaube ich, aber ein paar neue Jeans brauchten sie wohl schon. Ungefähr nach der Hälfte des Konzerts gab es einen ziemlich denkwürdigen Moment als Nicky Wire in seiner typischen Art eine alles andere als nette Bemerkung über den König losließ. Die Zuschauermasse schien auf einen Schlag die Luft anzuhalten – und dann folgte Stille! Eine unheimliche Stille. Später erfuhren wir, dass der König in Thailand als eine Art Halbgott gilt, sogar für Punks, und dass Wire sie wirklich schockiert hatte. Mehr als die Elektroschocker, die Verletzungen, die sie sich selbst während der Veranstaltung zuzogen, und alles andere.

 

1. Manic Street Preachers – Teatro Karl Marx, Havana, Kuba 1994

Von diesem Konzert werden Sie vielleicht schon mal gehört haben. Gott weiß, dass ich die Story schon unzählige Male erzählt habe. Die Manics hatten in ihrem unnachahmlichen Stil beschlossen, dass sie auf Kuba spielen wollten, aus Solidarität und weil sie wissen wollten, was dort so los ist. Die Plattenfirma wollte damit nichts zu tun haben, also bezahlten sie die ganze Chose aus eigener Tasche. Es war eine wirklich große Sache, denn noch nie war eine westliche Rockband dort aufgetreten, und es wurde sogar in den CNN-Nachrichten darüber berichtet.

Wir hatten die Geschichte natürlich etwas anders erlebt, denn wir betrachteten das Ganze aus der Perspektive eines Roadies. Zuerst einmal mussten wir alles selbst mitbringen, wirklich alles. Es gab nichts, was man für einen Gig gebrauchen konnte. Also charterten wir einen Jet, um alles einfliegen zu lassen, was klein genug war, doch die PA-Stacks und -Racks, Traversen, Lichttechnik etc. kamen mit dem Schiff. Die Sachen aus dem Flieger trafen rechtzeitig ein, doch das Container-Schiff mit dem übrigen Equipment konnte aufgrund des schlechten Wetters nicht durch die Riffs und den Hafen anlaufen. Aber einen Teil hatten wir immerhin und fingen schon mal mit dem Aufbau an. Alles, worum wir noch baten, war eine 100-Ampère-Drehstromleitung und ein paar lokale Helfer, die beim Aufbau tatkräftig mit anpackten.

Die Stromleitung sah dann so aus: Jede Phase bestand aus zwanzig 5-A-Kabeln, die mit den blanken Enden zusammengedreht waren. Als wir erklärten, dass das nicht wirklich das war, was uns vorschwebte, gab es noch eine Überraschung. Für so viel Strombedarf mussten sie die Elektrizität eines ganzen Bezirks in Havana abschalten, und das ginge nur für die Show selbst, teilte man uns mit. Aber selbst das war eigentlich ein hypothetisches Problem, als wir sahen, dass unser ganzes Zeug irgendwo vor dem Hafen in schwerer See festhing. Wir entschieden, für diesen Abend Schluss zu machen und am nächsten Tag wiederzukommen und weiterzuschauen. Aber auch am nächsten Tag war kein Schiff in Sicht. Und am folgenden ebenfalls nicht.

Am Morgen des Tages, an dem das Konzert stattfinden sollte, gab es endlich gute Nachrichten: Das Schiff war in den Hafen eingelaufen und die PA war auf dem Weg zum Veranstaltungsort. Super! Schnell ging es zum Theater – nur um schon wieder stundenlang zu warten. Schließlich tauchte die Anlage doch noch auf, auf uralten Tiefladern. Die lokale Crew, deren Äußeres ein bisschen zu zackig und zugleich martialisch wirkte, um wirklich eine Veranstaltungs-Crew zu sein (Geheimpolizei?), zeigte keinerlei Bereitschaft, die LKW abzuladen. Ich sprach ein wenig Spanisch und versuchte zu erklären, dass die Unterstützung beim Transport des Equipments normalerweise Teil ihres Jobs sei. Sie meinten, dass sie einfach nur hier im Schatten sitzen und Zigarren rauchen würden und so, claro? Ja, klar, ohne Zweifel. Wir mussten also jedes einzelne Flightcase selbst ausladen. Bei 40 Grad im Schatten und extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Natürlich ohne Klimaanlage. Und das war noch vor meiner ‚digitalen Wandlung’, die für mich eine echte Offenbarung war, so dass wir mein riesiges, altes Analogpult mitsamt Effekt-Racks bis zum FOH-Platz tragen mussten – über eine Million Stufen, oder so ähnlich. Mann, wir sahen aus wie ein paar durchgeschwitzte Roadies. Egal – zum Schluss hatten wir irgendwie doch alles an Ort und Stelle geschleppt und auf dem Boden aufgestapelt, sogar das Licht. Immerhin gab es genug Strom, um alles Stück für Stück einzuschalten, ein Gerät nach dem anderen.

Am Nachmittag tauchte dann ein Jugendlicher im Teatro auf und fragte, ob er mal Gitarre spielen dürfe. Er erklärte, dass er Rockmusik liebe, sich aber keine elektrische Gitarre leisten könne, sondern nur eine akustische habe. Und er wollte so gerne eine E-Gitarre ausprobieren, nur dieses eine Mal. Deptford wollte ihn schon rausschmeißen, aber James sagte: „Nein, lass es ihn doch versuchen.“ Der Junge hatte all diese faszinierenden Amps und Effekte noch nie gesehen, und es ging ein Leuchten durch sein Gesicht. Dann legte James ihm den Gurt seiner Les Paul um den Nacken, und der Junge grinste und war offensichtlich bereit loszulegen. Strahlend weiße Zähne, offenbar eine gute Gesundheitsversorgung in Kuba – aber E-Gitarren gab es nicht. Der erste Akkord ließ den Jungen rückwärts stolpern, so bliesen ihn die Verstärker weg. Diese Gitarrenanlage ist immer noch die lauteste, die ich jemals gehört habe. Aber dann spielte er sich die Seele aus dem Leib, und wir alle liebten, was da passierte. Wir fühlten, dass wir einen Draht zueinander hatten. Natürlich ließen wir ihn nicht mit leeren Händen nach Hause gehen, und was soll ich Euch sagen: Jetzt gibt es auf Kuba zumindest eine elektrische Gitarre.

Wir machten mit unserem Soundcheck weiter – oder wie man das nennen soll –, und dann saßen wir herum und sahen zu, wie die Zuschauer in den Saal strömten. Das Karl-Marx-Theater ist das größte Theater in Kuba und fasst 5000 Leute. Die jungen Menschen hatten Banner und Flaggen dabei und waren so aufgeregt. Das erste Rockkonzert, das sie oder irgendjemand anderes in diesem Land jemals erlebt hatte. Und die Tickets kosteten 25 Cent! Dann verbreitete sich plötzlich ein unglaubliches Gerücht: Fidel Castro wollte angeblich auch kommen und der Band „Hallo“ sagen. Nein, das würde sicher nicht passieren. Und dann war er da. Groß und aufrecht, in voller Dschungelkämpfer-Uniform, mit Kappe und allem. Ich erinnere mich noch an die sehr scharfe Bügelfalte in seiner Kampfhose, makellos. Er plauderte mit der Band und nannte ein paar ihrer Songs, die er mochte. Unglaublich, dieser Mann hatte mir Che Guevara gekämpft – und kannte Songs von den Manics. Vor allem, so meinte er, mochte er einen Song über Baby Eli, das im Mittelpunkt einer traurigen Familiengeschichte stand und damals in den Nachrichten war. Er fragte, ob die Jungs dieses Stück am Anfang des Sets spielen könnten, da er an dem Abend noch einen anderen Termin wahrnehmen müsste. „Sie werden sich also einen Teil unserer Show ansehen? Echt? Unfassbar!“Nicky warf noch ein, dass wir eine Rockband seien und eine riesige Turbosound-Flashlight-PA aus Großbritannien eingeflogen hätten, und dass er Mr. Castro warnen müsse, weil es wirklich laut werden würde.

Castro musterte ihn, von oben, in seiner ganzen Größe und mit dem dichten Bart, und sagte mit seiner donnernden Stimme: „Mein Sohn, lauter als der Krieg kann das auch nicht werden.“

Ich war also in Havana, das mittlerweile ganz im Dunkeln lag, da wir den gesamten Strom der Stadt für unseren Gig brauchten. Fidel Castro saß hinter mir, wortwörtlich hinter mir, es war niemand dazwischen. Weltweit war der Auftritt in den Nachrichten, und 5.000 jubelnde Kids erlebten das erste Rockkonzert ihres Lebens. Das war nicht nur ein weiterer Tag im Büro … Ich stellte fest, dass all die jungen Leute im Publikum lächelten und ‚El Presidente‘ zuwinkten, als sei er ihr Lieblingsonkel, kein Militärdiktator. „Eh, Jefe, eh, Fidel – Buenos noches!“

Das Konzert war einfach großartig. Die Kids liebten das alles und hatten viel Spaß dabei, mitzusingen und ihre Flaggen zu schwenken. Ein bisschen war es wie eine sehr feuchte, aber sauberere Ausgabe von Glastonbury, wenn ich jetzt so darüber nachdenke. Und ihr Staatsoberhaupt blieb die ganze Zeit dabei, bis zum Schluss. Ich sah wieder über die Schulter und überlegte, was nur in seinem Kopf vorgehen würde? Er hatte ein gütiges Lächeln im Gesicht, saß da und wippte im Takt mit dem Fuß – und hatte offenbar sehr viel Spaß. Das hoffe ich zumindest.

Später am Abend feierten alle noch eine richtig gute Party. Wer würde diese Geschichte glauben, wenn wir wieder nach Hause kämen? Wir schüttelten die Köpfe und fragten uns immer wieder: „Ist das alles hier wirklich passiert?“ Am nächsten Tag stand die Rückreise an, aber beim Frühstück erhielten wir noch eine Nachricht: Bevor wir abreisten, sollten wir noch zum Lunch mit El Presidente erscheinen!!

„Aber was ist mit unserem Flug?“

„Keine Sorge, das Flugzeug wird warten.“

„Äh, … ok.“

Vor dem Essen stand El Presidente Fidel Castro auf, klopfte an sein Glas und bat um Ruhe. Und dann sprach er mit seiner gewaltigen, vollen Bassstimme: „Gestern sagte ich, Ihr könntet nicht lauter sein als der Krieg. Das war ein Irrtum. Ihr wart lauter als der Krieg, und Du, Du …“, er zeigte auf Sean, den Drummer, „Du bist die Artillerie.“




Auf Tour mit Massive Attack: The Show Must Go On

Der folgende Beitrag ist der dritte aus der Serie Auf Tour mit Massive Attack von Robb Allan. Robb berichtet aus seiner Perspektive als FOH-Toningenieur und Mitglied des Avid Live-Sound-Teams. Übersetzung: Anke Cherrak

Sofia

Wenn Sie schon mal ein bisschen in meine anderen Berichte über diese Tour geschaut haben, kennen Sie die Story bis dahin. Für alle, die noch nicht wissen, worum es geht: Ich bin auf Tour mit meiner Lieblingsband, Massive Attack, und mische die Konzerte auf meiner Lieblingskonsole, der Avid S3L. Es macht richtig Spaß. Die Proben für diese Produktion fanden zu allen möglichen Zeiten statt, aber nun waren wir bereit für die ersten Shows. Den ersten Auftritt hatten wir in Sofia, Bulgarien.

Music: On Tour with Massive Attack—The Show Must Go On

Stellen Sie sich eine riesige Keksdose aus Blech vor, drehen sie um, das Ganze eingebettet in reichlich Beton – und schon haben Sie eine ungefähre Vorstellung von der Akustik in der Eishockey-Arena, in der wir auftraten. Doch wie immer im Rock ‘n’ Roll interessierte das niemanden wirklich. Das Wichtigste ist die Performance und die Energie, die rüberkommt. Die besten Konzerte sind die, bei denen Band, Crew und Publikum zu einer Einheit zusammenfinden und für die Dauer des Auftritts eine Gemeinschaft bilden, die nur ein Ziel hat: sich in der Musik zu verlieren.

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Es ist meine erste Massive-Show in den letzten acht Jahren. Ich bin ein bisschen nervös, und als das Konzert mit „Battlebox” startet, habe ich eine Gänsehaut, und die 20.000 Zuschauer jubeln vor Begeisterung. Am Anfang kann ich nicht einmal die Band hören, so laut ist das Publikum in dem komplett ausverkauften Blechschuppen aus der Stalin-Ära. Die Versuchung, einfach alle Fader hochzuziehen, ist enorm, aber ich schaffe es, ihr zu widerstehen. Wenn ich jetzt schon alle Möglichkeiten ausspiele, habe ich später keine Luft mehr, wenn es das Set erfordert. Mein Plan ist, dass ich zum ersten Mal bei „Angel“ richtig aufdrehe, dann noch mal bei „Unfinished Symphony“ und das Level anschließend bis zum Ende der Zugabe halte. „Angel“ ist immer mein Highlight, ich darf also nicht schon vorher mein ganzes Tontechniker-Pulver verschießen. Außerdem bin ich sicher, dass die Zuschauer diesen Lärmpegel nicht lange durchhalten werden. Im Laufe des Abends werde ich aber eines Besseren belehrt, und ich staune über den Enthusiasmus der Leute.

Music: On Tour with Massive Attack—The Show Must Go On

Während der ersten Takte checke ich alles noch mal: Der Timecode läuft und triggert die Snapshots, die 64 Kanäle der Pro Tools-Session werden über das Cat5e-Kabel problemlos übertragen und aufgenommen, und parallel lasse ich zu Referenzzwecken noch eine 2-Spur-Aufzeichnung mit 48k/24 Bit direkt auf einen USB-Stick laufen, bei der die Snapshots das Editing übernehmen und die Songtitel automatisch den einzelnen WAV-Files zugeordnet werden. Alles funktioniert bestens, ohne Katastrophen. Mein Freund Radu ist zusammen mit dem Sänger von Sensor aus Rumänien hergeflogen, und beide hängen bei mir am FOH-Platz rum. Unsere Blicke treffen sich, und er lächelt: Daumen hoch!

Als Martina mit ihrem ersten Gesangspart einsetzt, schaue ich zum EQ auf dem L/R-Bus. Die S3L besitzt in jedem Ausgang sowohl einen grafischen als auch einen parametrischen Equalizer. Einige Frequenzen hatte ich mit dem GEQ mehr als sonst abgesenkt, um die renitente Akustik der Halle während des Soundchecks in den Griff zu bekommen. Nun hebe ich manche nach und nach wieder an, während ich herauszubekommen versuche, welchen akustischen Unterschied 20.000 schreiende Bulgaren in dieser Umgebung ausmachen. Natürlich dämpfen sie den Sound, einfach durch ihre Anwesenheit, und auch Temperatur und Feuchtigkeit steigen durch die tanzende, jubelnde und singende Menschenmenge massiv an. Ich verändere einige der – wie ich sie nenne – „Telefonfrequenzen“ (600 bis 3.000 Hz), die für Gesang und Sprachverständlichkeit ausschlaggebend sind. Außerdem verleihe ich dem Bass wieder ein wenig Nachdruck im Bereich zwischen 100 und 200 Hz. In der leeren Halle hatte der Bass einen heftig wummernden Sound, nun aber kann ich wieder ein bisschen draufgeben. Der GEQ ist fast linear eingestellt, und das ist eigentlich immer mein Ziel. Ich erinnere mich, dass ich am Laufe des Tages zu Benny (unserem Production Manager) gesagt hatte, dass fast alle Kanäle linear eingestellt seien und der System-EQ idealerweise ebenfalls einen linearen Verlauf aufweisen solle. Daraufhin schlug er vor, dass wir ja mein Honorar kürzen könnten, da ich augenscheinlich nicht viel zu tun hätte!!! Ja, genau. Ich erklärte ihm, dass die Sounds an sich schon großartig seien, die Mikros auch und optimal angeordnet, und die S3L-Preamps einfach fantastisch – und dass es manchmal die klügste Entscheidung sei, schlicht nichts zu tun, sofern man Vertrauen in das eigene Gehör und das Equipment hat.

Roadie-Regel Nr.3: Halte dich aus der Signalkette raus, außer Du hast wirklich gute Gründe, einzugreifen. Oder: Wenn Du es lauter willst, zieh einfach die Fader nicht runter!

Die Veranstaltung lief gut, und ich genoss einfach die Musik und die Begeisterung der Zuschauer. Im weiteren Verlauf nahm ich die eine oder andere kleinere Änderung an den Snapshots der einzelnen Songs vor und speicherte alles, so dass ich während der ersten paar Konzerte und Soundchecks den Ton noch ein bisschen verfeinern und unsere Arbeit, die wir bereits bei den letzten Proben geleistet hatten, perfektionieren konnte. Bei „Angel“ hatte Mr. Horace Andy, der letzte aus der großen Zeit der Studio One-Reggae-Sänger, seinen unnachahmlichen Auftritt. Der Mann ist einfach zeitlos und strahlt eine solche Freude aus, dass man es in jeder Silbe, die er singt, spüren kann. „Love ya, love ya, love ya“ lasse ich die Phrase weiterlaufen, mit einem Delay, das sich von links nach rechts durch den Mix bewegt. Dann setzen die Drums und Gitarren ein. Die PA ist auf Anschlag, und die Zuschauer toben. In solchen Augenblicken weiß ich, dass ich den besten Job der Welt habe.

Licht und Video

Bei jedem Konzert arbeitet die Band mit einem lokalen Journalisten und Übersetzer, der für die Agit-Prop-Messages auf den Videoleinwänden mit ihren ausgefeilten Szenerien sorgt. Ich weiß zwar nicht, welche Texte bei „Future Proof“ eingeblendet wurden (mein Bulgarisch ist ein bisschen eingerostet), doch die Zuschauer gingen so ab, dass das Blechdach über der Arena beinahe abhob. Diese Messages sind nie gleich und ändern sich mit jedem Veranstaltungsort und Land, speziell auf die jeweilige Kultur, die politische Lage und die Umgebung abgestimmt. Faszinierend an Massive Attack-Auftritten ist auch, dass das Licht immer von hinten kommt, die Musiker fast im Dunkeln bleiben. Im Mittelpunkt stehen Sound und visuelle Konzepte. Wie eine riesige Kunst-Installation, begleitet von einer Band, die richtig abrockt. Selbstdarstellung ist für diese Leute überhaupt kein Thema. Erst ganz am Schluss, nach der allerletzten Zugabe, werden sie von vorne angestrahlt, und dann können wir alle neun Musiker sehen, wie sie uns zum Abschied winken und einander umarmen.

Music: On Tour with Massive Attack—The Show Must Go On

Istanbul

Als nächstes stand Istanbul auf dem Plan. Wir waren in einem Park mitten in der Stadt. Die PA bestand aus einigen geflogenen K1-Arrays, die optimal positioniert und aufeinander abgestimmt waren. Am Veranstaltungstag war ich ganz früh da, um mein Pult und das Pro Tools-Rig einzurichten und am Virtuellen Soundcheck zu arbeiten. Ich setzte alle Ausgangsprozessoren zurück, drückte auf Play, und rief dann einen Snapshot auf. Pro Tools sprang an den richtigen Punkt der Show-Datei vom Sofia-Konzert, und schon war alles wieder da – und klang ziemlich genau so, wie ich es haben wollte. Wir zogen den Pegel der Subs im Prozessor ein wenig hoch, und nach nur wenigen Songs war ich so gut wie fertig. Es fehlte nur noch ein bisschen Hall, da es diesmal Open-Air war und wir nur wenige Reflexionen hatten. Das war meine Chance, mein Lieblings-Reverb von Sonnox ins Spiel zu bringen. Vor allem die Möglichkeit, zwischen Early Reflections und Hall zu überblenden, mag ich sehr, denn das eröffnet einige interessante Optionen. Vor ein paar Jahren hatte ich eine ziemlich traditionelle Rock ‘n’ Roll-Platte von den „Black Bombers“ gemischt und für alle Retro-Effekte auf den Instrumenten ausschließlich dieses Plug-In eingesetzt. Außerdem nutzte ich Sonnox Transmod, um den Wellenformen der Drum-Gruppe bei einigen Parts den letzten Schliff zu verleihen, und Sonnox Dynamic als parallelen Kompressor auf beiden Drum-Kits.

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Und dann passierte etwas Cooles: Ishmael Akkaya von den berühmten Akkaya-Brüdern, die für den Mix des türkischen Rappers Ceza verantwortlich zeichnen, tauchte mit seiner S3L am FOH-Platz auf, und sie hatten sogar noch eine weitere S3L für den Monitormix der Band dabei. Das war eine richtig gute ‚Session‘, obwohl keiner die Sprache des anderen verstand. Wir verglichen unsere Plug-Ins, die Daumen gingen immer wieder hoch, und wir strahlten uns an. Seine Show klang fantastisch, und ich freute mich sehr für ihn. Der Sound war crisp und offen und bot reichlich fette Bässe, und die Stimme des Rappers kam unglaublich klar rüber. Er feuerte wahre Maschinengewehrsalven auf Türkisch ab, und obwohl ich nichts davon verstand, hat mir der Auftritt sehr gut gefallen.

Retter in der Not: Show-File-Kompatibilität

Ich habe niemals irgendjemandem Tonprobleme gewünscht, und ich bin alles andere als ein schadenfroher Mensch. Ein Erlebnis allerdings, beim Auftritt einer der anderen Bands, die ein Pult eines anderen Herstellers einsetzten, zeigte mir, wie wichtig Show-File-Portabilität ist. Bei Avid-Konsolen ist es so, dass jede auf einem USB-Stick gespeicherte Show-Datei – ungeachtet des Konsolentyps oder der Software-Version, mit der sie erstellt wurde – sofort mit jeder anderen Avid-Konsole genutzt werden kann. Ohne Wenn und Aber. An diesem Abend war ich dabei, als ein armer FOH-Kollege seine Show einfach nicht laden konnte. Nichts ging mehr. Und es war dieselbe Marke, dasselbe Konsolenmodell, nur eine andere Nummer. Er versuchte stundenlang, das Pult in Gang zu bringen, bis kurz vor dem Auftritt, und dann gab er auf. Der Band-Sound wurde letztlich auf dem Monitorpult gemischt und als Stereosumme an das FOH-PA-System ausgegeben. Autsch, autsch, autsch! Ich litt mit ihm, als er fluchend und Kette rauchend alles versuchte.

Als wir dran waren, war ich mit der PA sehr zufrieden. Ich schaffte es zwar nicht, den Bässen den gleichen Punch zu verleihen, wie es beim früheren L-Acoustics V-DOSC-System möglich war, aber das K1 ist wirklich gut. Der Massive Attack-Sound ist extrem basslastig, aber so ein ‚Pfund‘ muss auch sehr präzise kommen. Die K1-PA half mir auf jeden Fall, mich dem Sound anzunähern, den ich mir vorstellte. Als „Future Proof“ anfing und die Phrasen und Slogans in türkischer Sprache auf den Leinwänden aufblitzten, begannen die Zuschauer enthusiastisch zu singen und reckten ihre Fäuste in die Luft. Später erfuhr ich, dass es um den bedrohten Park in der Istanbuler Innenstadt ging (als bräuchte die Welt noch ein Einkaufszentrum!). Die Leute sangen noch, als der Song schon längst zu Ende war. Die Atmosphäre war so energiegeladen – als müsse jeden Augenblick eine Revolution ausbrechen.

Barcelona

Die nächste Station war meine Heimatstadt Barcelona mit dem unglaublichen Sonar-Festival. Die Veranstaltung erstreckt sich über mehrere Locations in der ganzen Stadt, Tag und Nacht, und ist eins der größten Dance- und Electronic-Festivals der Welt. Auch hier gab es wieder ein K1-System, diesmal allerdings ein richtig großes. Die Leute von Twin Cam Audio hatten unglaublich gute Arbeit geleistet, und der PA-Sound war wirklich mächtig. Auch meine beiden Söhne kamen zur Show, und es gefiel ihnen sehr gut. Mein Jüngster, Ajani, war noch nie dabei, wenn ich ein Konzert mischte, denn schon seit seinem vierten Lebensjahr war ich nicht mehr Vollzeit auf Tour. Es war so schön, ihn die ganze Zeit neben mir am Pult sitzen zu sehen. Meine Frau Lourdes befand sich mitten in der Menschenmenge und tanzte mit ihren Freunden, bis sie nicht mehr konnte. Massive Attack ist auch ihre Lieblingsband (wir sind einfach füreinander geschaffen), und sie sagt immer, diese Musik gehe direkt in ihre Seele und es sei unmöglich, etwas anderes zu tun als zu tanzen. Mein ältester Sohn, Ibai, war ebenfalls da, zusammen mit seinen Hipster-Kumpels. Sie blieben die ganze Nacht. Erst am Morgen des nächsten Tages war das Festival zu Ende. Seine ‚Gang‘ war begeistert, als sie Backstage-Pässe bekamen – nicht, weil sie unbedingt die Stars sehen wollten, sondern um sich an der kostenlosen Bar bedienen zu können! Einer von ihnen musste später mit dem Krankenwagen nach Hause gebracht werden, weil er sich eine Schulter ausgerenkt hatte. Er schwor, dass sich der Unfall beim Tanzen ereignet und nichts mit den kostenlosen Getränken zu tun hatte!

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Das Konzert war unglaublich – 30.000 Massive Attack-Fans hatten sich eingefunden, um zu tanzen und das Leben zu genießen. Spanier sind bei solchen Dingen immer superenthusiastisch. Sie versuchen nicht, besonders ‚cool‘ zu sein, sie wollen einfach eine PARTY feiern. Wir übernahmen die Bühne unmittelbar nach einem bekannten DJ, der das System ohrenbetäubend laut eingestellt hatte. Es war so laut, dass ich beim Linecheck kaum etwas hörte, sogar mit meinen komplett geschlossenen Kopfhörern, die ich auf ’11‘ hochgedreht hatte. Und uns blieben kaum drei Minuten, unsere Ohren wieder frei zu kriegen, bevor die Band auf die Bühne kam. Wir fuhren ‚A‘-Visuals, Laser und all so etwas auf. Die Show lief genau so, wir wir es alle erhofft hatten. Der Band-Manager meinte, so gut sei der Sound seit Jahren nicht gewesen. Ich nahm das als Kompliment für die geniale S3L-Konsole und die Monster-K1-Anlage, die die Noise Boys zusammengestellt hatten.

Ich hätte nicht glücklicher sein können – meine Familie war hier, und ich mischte die (meiner Ansicht nach) beste Band der Welt auf einer S3L über ein System, das wirklich jedes Detail und die feinsten klanglichen Eingriffe übertrug. Der Abbau nach der Show war zwar eine kleine Herausforderung, da wieder irgendein irrsinnig lauter DJ auflegte, der es darauf abgesehen zu haben schien, uns das Gehirn durch die Ohren aus dem Schädel zu blasen – dieser Sound war waffenscheinpflichtig! Rudimental luden gerade ihr Equipment aus, als wir abbauten. Unsere Ausrüstung mussten wir auch noch auf einen anderen LKW umladen, da ein Teil bereits mit einer 737-Chartermaschine nach Reykjavik geflogen werden sollte. All dies erledigten wir in Zeichensprache, mitten in der lautesten Disco der Welt. Unfassbar, aber wir haben es geschafft und alles auf den Weg in dieses eigenartige, magische Island im hohen Norden gebracht.

Island

Alles, was ich dazu sagen kann: Wenn sich Ihnen jemals die Gelegenheit bietet, Island zu besuchen – ergreifen Sie die Chance! Es ist wunderschön. Die Landschaft ist faszinierend, wild und fast surreal und bietet unzählige dramatische Ausblicke. Wir spielten auf einem kleineren Festival in der Hauptstadt Reykjavik, über eine Meyer Milo-Anlage. Mit diesen Systemen hatte ich schon länger nicht mehr gearbeitet. Der Klang war sehr gut für die Musik, aber natürlich hatte die PA nicht die Power und die brutale, animalische Präsenz wie die in Barcelona. Trotzdem hatte ich viel Spaß und die Show lief sehr gut. Die Tatsache allerdings, dass es zu der Zeit in Island niemals dunkel wurde, war eine ganz eigene Erfahrung. Es wurde wirklich nie dunkel, nicht einmal ein bisschen. Die Sonne senkt sich zwar ein wenig in Richtung Horizont, geht allerdings direkt wieder auf.

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Music: On Tour with Massive Attack—The Show Must Go On

Unser Set war um ein Uhr nachts zu Ende, aber es hätte genau so gut ein Uhr mittags sein können. Man sah keinen Unterschied! Die S3L erregte eine ganze Menge Aufmerksamkeit, und die Crew-Mitglieder vor Ort fragten mich aus und staunten, als sie hörten, wie viel Power in einem so kleinen und eleganten Ding steckte.

Ein Tag Pause

Am nächsten Tag zeigte uns unser Fahrer, der Love genannt wurde (ja, wirklich!), einige atemberaubende Orte auf seiner eindrucksvollen Heimatinsel. Ein riesiger Wasserfall, Geysiere, Gletscher, Wildpferde … und am Ende ging es zum Baden in eine natürliche Heißwasserquelle, die gurgelnd einfach irgendwo aus einem Hügel kam. Wundervoll. Ich habe ein paar Fotos von diesem Ausflug in den Artikel eingefügt, für alle, denen so etwas genau so gut gefällt wie mir. Ich muss gestehen, dass das einer der besten freien Tage war, die ich jemals erlebt habe – obwohl es auch schon früher ein paar schöne gab.

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Ich erinnerte mich an andere beeindruckende Erlebnisse auf Tour. Einmal waren wir beim Karneval in Brasilien, den wir von einer glamourösen Privatterrasse aus miterlebten, versorgt mit unfassbar exklusivem Essen und Getränken (wir hatten ein paar Popstars im Schlepptau). Wir blieben die ganze Nacht dort und sahen den Tänzern auf den riesigen Mottowagen zu, wie sie sich in ihren wunderschönen Kostümen zu den Samba-Beats bewegten. An einem anderen freien Tag konnten wir die Sonne beobachten, die ganz oben hinter der Sonnenpyramide im mexikanischen Teotihuacán aufging.

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Die Band, mit der ich damals unterwegs war, hatte einen Shamanen engagiert und eine Ausnahmegenehmigung für den Besuch erhalten, bevor die anderen Leute auf das Gelände gelassen wurden. Wir kamen um Mitternacht an und erkletterten diese enorme Pyramide, um eine spirituelle Erfahrung zu machen, die das Leben verändern sollte. Ich fühlte die ‚Vibes‘ oder was auch immer zwar nicht wirklich, und ich erinnere mich noch, dass sich die Crew zurückhalten musste, nicht zu kichern, als unser Führer, der Shamane, chantete und seine Shamanen-Sachen machte. Aber es war ein wunderschöner Ausblick von dort oben, während wir die Sonne aufgehen sahen.

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Ein paar Episoden mit den Manics fallen mir auch noch ein. Deptford Andy und ich auf einem Markt in Bangkok, nach dem verrücktesten Gig aller Zeiten (diese alte Roadie-Story werde ich in einem weiteren Blog-Beitrag erzählen): Ein kicherndes Mädchen, das an einem der Marktstände arbeitete, rief uns neckisch hinterher: „Falange, Falange, Strand dort“ und zeigte, immer noch kichernd, irgendwo hin.

An einem anderen schönen Tag, in Portugal, charterten wir eine Yacht, segelten an der Algarve entlang und tranken kühles Bier. Unser bunter Haufen bestand aus „JDB“, „Maddog“ Leitch, „Deptford“ Andy und „Moonboy“ Gritton. Eine Menge Spitznamen. Ich war bekannt als „Rubber Button“ – fragen Sie mich bitte nicht, warum!!

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Ende dieser Woche werden wir als Headliner auf der zweiten Bühne des Glastonbury-Festivals stehen und für 60.000 schlammverschmierte Party-People spielen. Ich kann es gar nicht mehr abwarten!




Auf Tour mit Massive Attack: Die Proben

Der folgende Beitrag ist der zweite aus der Serie Auf Tour mit Massive Attack von Robb Allan. Robb berichtet aus seiner Perspektive als FOH-Toningenieur und Mitglied des Avid Live-Sound-Teams. Übersetzung: Anke Cherrak

Ich war fast mein ganzes Leben lang als Tonmann auf Tour. In den vergangenen acht Jahren war ich dann im Avid Live-Sound-Team tätig. Avid entwickelt die unterschiedlichste Software und Hardware für die Produktion all der Musik, die wir täglich hören, und der Spielfilme und Fernsehsendungen, die wir uns anschauen. Zu den bekanntesten Avid-Produkten zählen Pro Tools und Media Composer. In den letzten vier Jahren arbeitete das Team unter Leitung meines Kumpels Al McKinna gemeinsam mit Audio-Jedi Robert Scovill an der Entwicklung einer neuen Live-Konsole mit dem poetischen Namen S3L. Seit ihrer Einführung reise ich herum, erzähle der Audio-Community von der S3L und halte zusammen mit meinem Kollegen Chris Lambrechts Praxis-Workshops ab. Und nun verbringe ich den Sommer auf Tour und mische auf der S3L den Front of House-Sound der wirklich außergewöhnlichen Band Massive Attack – auf der Konsole, an deren Entstehung ich von den ersten Zeichnungen auf Papier bis zur Präsentation des fertigen Produkts (der Arbeit eines Genies übrigens! Ja, es kann sein, dass ich ein bisschen parteiisch bin …) beteiligt war. Zur Vorbereitung der Tour verbringen wir zunächst drei Tage im Massive Attack-Studio, um an Arrangements und Ideen zu feilen, danach folgen fünf Tage in der Bristol O2 Academy, wo ich die Show programmiere. Anschließend schicken wir das gesamte Equipment ins bulgarische Sofia, wo wir vor Ort noch einen Tag für die letzten Feinheiten haben, bevor es dort mit dem ersten Konzert losgeht. Mit Massive war ich seit acht Jahren nicht mehr auf Tour, und ich freue mich sehr, die Bandmitglieder wiederzusehen und mit ihnen wieder unterwegs zu sein. Ein bisschen fühle ich mich wie ein Kind, das auf Weihnachten wartet.

Music: On Tour with Massive Attack—Production Rehearsals

Im Studio

Es geht also ins Massive-Studio, das sich (wie sie sagen) an einem geheimen Ort irgendwo in Bristol in einem Industriegebiet befindet. Es ist ein wirklich cooles Studio, mit Artwork von 3D und anderen Künstlern, von Original-Sex-Pistols-Postern über Kunstwerke, die sich als Massive Attack-Album-Cover wiederfinden, bis hin zu einem Original-Cyberman aus dem Film Doctor Who – den Sie übrigens auf einem der Fotos zu diesem Artikel bewundern können. An diesem Ort voller Inspirationen ist die Band drei Wochen lang in Klausur gegangen, um sich vorzubereiten. Die Schlagzeuge der beiden Drummer, Julian und Damon, und die Anlagen von Bassist Winston und Gitarrist Angelo sind im Live-Raum aufgebaut, in der Regie die Keyboards und alles, was für Gesang und Playback gebraucht wird. Monitor-Engineer Paul Hatt und die Backline-Crew befinden sich im Flur. Meine S3L steht oben zwischen dem Esstisch, an dem wir auch die Mahlzeiten einnehmen, und dem Kickertisch.

Music: On Tour with Massive Attack—Production Rehearsals

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Zum Glück ist die S3L kompakt genug – hätte ich noch mit meinem alten, analogen Pult gearbeitet, wären wir wohl alle hungrig nach Hause gegangen und hätten den Kampf um die Kicker-Studiomeisterschaft absagen müssen.

Die Mikrofonierung war eher sparsam, da der Fokus auf den Arrangements lag. Ich bereitete mein Show-File vor und nutzte Pauls Monitor-Mix, um mich mit den neuen Songs und Arrangements vertraut zu machen. Das machte Spaß, aber es kribbelte mir auch in den Fingern, endlich in die ‚Academy‘ zu gehen und mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen. Am Sonntagabend ganz spät packten wir alles ein und fuhren einmal quer durch die Stadt.

Bristol O2 Academy

Wir beschlossen, die komplette Backline auf dem Boden der Halle aufzubauen, da auf der Bühne nicht genug Platz war. Dann verteilten wir die Mikrofone, eine recht unkomplizierte Auswahl (für alle, die mehr wissen wollen, habe ich eine Kanal- und Mikrofonliste zusammengestellt).

Die Highlights waren für mich ein altes Altec 633A für Damons Snare-Top und das neue AKG D12VR für die Kickdrum.

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Im Rahmen der Tour würden wir im Sommer auf zahlreichen Open-Air-Festivals auftreten, von Island bis in den Libanon, daher wollte ich die Mikrofonierung des Kits in Zonen einteilen und mit Underheads statt der traditionellen Overheads abnehmen, um Windgeräusche nach Möglichkeit zu vermeiden und die einzelnen Drumbeats sauber und präzise ins Pult zu bekommen.

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Für die Toms setzten wir Sure Beta 98 AMPs ein, und für die Becken, Hi-Hats, Percussion usw. eine Kombination aus AKG C414B XLs und Sure SM81. Für einige esoterische Plug-Ins in bestimmten Becken- und Percussion-Kanälen bei manchen Songs (mehr dazu später) musste ich den Ton außerdem sehr nah abnehmen.

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Ganz verrückt war, dass die riesige Video- und Lichtanlage in einer anderen Stadt vorbereitet und programmiert wurde. Die Arbeiten konnten wir über einen Video-Link verfolgen, während wir mit unseren Sachen beschäftigt waren. Ton und visuelle Elemente würden sowieso erst in Sofia zusammenkommen! Für die Sommer-Konzerte in Europa waren zwei verschiedene Licht/Video-Setups geplant, zwischen denen wir wechseln wollten – mit ein paar Extra-Überraschungen für unsere Show als Headliner in Glastonbury.

Die FOH-Anlage

Am FOH-Platz habe ich also meine S3L in einem coolen AdLib-Audio-Flightcase, einen Keyboardständer, auf dem die Konsole steht (LOL, in grauer Vorzeit brauchten wir zehn Leute und viel Beten, um das Pult überhaupt an Ort und Stelle zu befördern), dann mein MacBook Pro für die Aufnahme und Wiedergabe mit Pro Tools, ein Rosendahl Mif4 für die Konvertierung des LTC in MTC, ein Roland UM ONE USB-MIDI-Interface und meine Focal CMS 50. Die Focals sind Top-Monitore und stammen aus meinen Studio. Auf Tour nutze ich sie für Virtuelle Soundchecks und andere Audioarbeiten. Damit kann ich den ganzen Tag abhören, ohne müde zu werden. Ich liebe die angenehme, detaillierte und feine Höhenwiedergabe und die linearen, ehrlichen Bässe. Mein absoluter Favorit im Bereich Nahfeldmonitore.

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Timecode

Die gesamte Show läuft mit Timecode, der in der Playback-Maschine generiert wird. Die Pro Tools-Stems, hauptsächlich Toneffekte und Keyboard-Tracks, werden mit Click in die entsprechenden Tracks importiert und auf den Code abgestimmt. Anschließend wird das Ganze an die Audio-, Video- und Lichttechnik verteilt.

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Das funktioniert so: Der LTC wird über mein AVB-Multi auf einen Eingangskanal geroutet, dann geht ein Direktsignal in mein Rosendahl, wo der Code in MTC konvertiert wird, und anschließend bekomme ich das MTC-Signal über MIDI aus dem Roland, um die Show-Snapshots zu triggern. Das Beste an dieser Konfiguration ist, dass ich den LTC beim Virtuellen Soundcheck in einem Pro Tools-Track aufzeichnen kann, wenn die Band auf der Bühne ist, und ihn bei der Wiedergabe genau da habe, wo ich ihn brauche – aus Pro Tools ins Rosendahl-Interface etc. So kann ich alles ganz präzise programmieren.

Manchmal sind es bei sehr komplizierten Einsätzen an ganz speziellen Stellen eines Songs einfach viel zu viele Wechsel, um den Ablauf manuell zu steuern. Also widme ich mich solchen Dingen bei der Vorbereitung meiner Virtuellen Soundcheck-Files, um den exakten Frame zu finden, bei dem mein Snapshot aufgerufen werden soll, speichere alles und kann immer sicher sein, dass das Timing perfekt ist – einfach sensationell, und fast schon ein bisschen Sci-fi! Früher habe ich dafür Karteikarten mit schriftlichen Hinweisen verwendet. Das Problem mit solchen Gedächtnisstützen besteht jedoch darin, überhaupt erst daran zu denken, sie mitzunehmen. Diverse Male habe ich sie im Bus oder beim Catering vergessen, oder im Hotelzimmer … Außerdem haben wir separate Playback-Tracks speziell für die Monitore, zum Beispiel Count-In-Cues (meist 1,2,1,2,3,4) für die In-Ears und manchmal, wenn der Sound eines Stücks dichter ist, auch einige Töne oder Akkorde, damit die Sänger direkt die richtige Tonhöhe finden.

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Virtual Soundcheck Rules!!!

Das war der beste Teil unserer vier Tage in der Academy. Wir verbrachten unglaublich lange damit, alles so vorzubereiten, dass die Show nur perfekt werden konnte, probten die Songs mit der Band und feilten an den In-Ear-Mischungen. Paul musste unendlich viele Cues schreiben, aber die Tatsache, dass wir den Timecode zum Triggern hatten, machte seinen Job ein bisschen weniger unmöglich, wenigstens ein bisschen … Auf der Bühne herrscht weitestgehend Ruhe, keine Lautsprecher, IEMs oder virtuelle Amps. Das einzige, was man hört, sind die akustischen Drums und das Klacken der Sticks auf den elektrischen Drum-Pads. Das ist beim Virtuellen Soundcheck sehr hilfreich, denn man muss sich um die Geräuschkulisse auf der Bühne keine Gedanken machen, vor allem in großen Stadien und bei Open-Air-Auftritten. Ich ließ Pro Tools den ganzen Tag laufen, und die längste Session dauerte zehn Stunden!! Es ist unglaublich, dass man mit einem MacBook Air und einer normalen USB3-Platte 64 Pro Tools-Spuren über ein einziges Ethernet-Kabel aufzeichnen und (buchstäblich) Tag und Nacht durchlaufen lassen kann. Fantastisch ist auch, dass man sofort die Option „Create session from VENUE“ angeboten bekommt, wenn man in Pro Tools eine neue Session aufruft. Pro Tools erkennt automatisch, dass ein VENUE-System angeschlossen ist, und erzeugt auf Basis der via AVB-Netzwerk übertragenen Metadaten eine Spur für jeden belegten Eingangskanal am Pult. Dabei werden passend zu den Mono- und Stereokanälen Mono- bzw. Stereo-Tracks erstellt. Aber das ist noch nicht alles: Es werden sogar VENUE-Showfile-Namen als PT-Session-Namen und die Bezeichnungen aller Eingangskanäle am Pult als Track-Namen in PT übernommen. Und all dies geschieht schneller als ich das Ganze hier beschreiben kann. Das ist wirklich Audio-Alchemie, und es spart unendlich viel Zeit und Mühe. Ich beginne einfach mit einem Snapshot pro Song und baue darauf auf.

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Snapshots und Plug-ins

Wie bereits erwähnt, gibt es in manchen Songs diverse Cues, die sehr präzise kommen müssen. Das manuell zu steuern, ist einfach nicht möglich. Also erzeuge ich für den jeweiligen Cue einen Snapshot und programmiere den Snapshot so, dass er auf den MTC reagiert, und zwar exakt beim gewünschten Frame. Sobald ich im Aufnahmemodus einen Snapshot aufrufe, wird ein Marker in der Pro Tools-Timeline gesetzt. Im Wiedergabemodus springt Pro Tools beim Recall des Snapshots genau an den gewünschten Punkt. So ist das Aufzeichnen und Bearbeiten einer Show ganz einfach.

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Selektiver Recall ist bei VENUE der Standard-Workflow für Snapshots. So konnte ich meine Mischungen peu à peu aufbauen und hatte immer die Sicherheit, dass sich später noch Elemente hinzufügen lassen. Ich begann mit Fadern und Mutes, dann kamen Plug-In-Einstellungen und Änderungen an den Playback-Track-Namen. Danach fügte ich (mit Snapshot Recall Safe) ein paar kreative Dynamikwechsel ein, wie einen Kompressor in einem Kanal, und zum Schluss folgten ein paar ganz spezielle Plug-In-Cues. Dem Rimshot bei ‚Tear drop‘ beispielsweise habe ich mit SansAmp das gewisse Etwas verliehen. Anschließend schickte ich das Signal durch ein kurzes Plate-Reverb mit 125 ms Pre-delay. An einigen Stellen nutze ich für die Ride-Becken auch den Moogerfooger-Phaser. Die allgemeineren Wechsel, wie EQ oder Plug-Ins, die eine gewisse Konstante aufweisen, speichere ich als Teil meines Show-Files. So kann ich bei meinen Snapshots sehr strategisch und fast schon chirurgisch präzise vorgehen.

Während der Band-Proben zeichnete ich alles in Pro Tools auf. Wir haben unzählige Male gestoppt und neu angefangen, bis alle mit ihren Bühnenmischungen zufrieden und die Arrangements wirklich gut waren. Irgendwann hatte ich dann den kompletten Song aufgezeichnet, und wenn die anderen eine Pause machten oder nach Hause gingen, konnte ich darauf meinen Mix aufbauen. Robert – alias ‚3D‘ – setzte sich gerne neben mich, wenn ich arbeitete, und er hat ein ganz fantastisches Gehör. Auch die anderen Band-Mitglieder saßen immer mal wieder drumherum und brachten ihre Ideen ein. Wir konnten sehr abstrakt und philosophisch werden, wenn es um den Sound ging, den wir im Kopf hatten. Bei einem der Songs sollten Hi-Hat und Snare unbedingt „wie eine Serge Gainsburg-Aufnahme‘ klingen (ich musste erst ein Album über iTunes kaufen, weil ich keine Vorstellung davon hatte!!). Ein anderes Mal sprachen 3D und ich über Dynamik. Massive-Songs können heftige Sound-Gebirge aufbauen, die wie ein Tsunami über einen hereinbrechen, und dann wieder glöckchenhaft klein werden (Hall mit Reverse-Delay, bei einem Song). Es war spät und ich schimpfte: „Mann, ohne Stille gibt es auch kein ‚laut‘ – die Wahrheit liegt im Kontrast. Ohne Stille ist ‚laut‘ nicht laut, sondern einfach nur Ambient.“ Mark, der Band-Manager, meinte, dass ich mich anhöre, wie einer der Typen von Spinal Tap. Zeit fürs Bett! Im Laufe der Zeit entstand auf diese Weise eine sehr detaillierte Audioproduktion, fast wie bei einem Studioalbum. Wir variierten die Drum-Sounds und Reverbs bei jedem Song. Wir brachten Dynamik in die Stücke und versuchten, das ganze Set wie ein Meer mit Ebbe und Flut zu gestalten, so dass die Musik zwischen Höhepunkten und fast komplett stillen Passagen variiert und die Show zu einem Gesamtkunstwerk wird. Die Songs müssen miteinander harmonieren, und zugleich muss jeder einzelne einen in sich schlüssigen musikalischen Stil und Inhalt haben – und Teil des großen Ganzen sein, der gesamten zweistündigen Performance. Die Möglichkeiten, die Avids Virtuelle Soundcheck-Option hier bietet, sind einfach unglaublich. Ich liebe es, mit den Künstlern zusammenzusitzen und die Kreativität und Verantwortung für die Präsentation des Tons zu teilen. Außerdem fühlen sich die Musiker so viel wohler, wenn sie wissen, dass der Sound, den das Publikum zu hören bekommt, von ihnen gemeinsam mit dem FOH-Toningenieur geschaffen wurde und sie ihr OK gegeben haben. Früher mussten sich Musiker in Sound-Fragen allein auf das Feedback ihrer Mütter oder Freundinnen verlassen (oder das des A&R-Manns, der gerade an der Bar stand).

Roadie-Regel Nr. 2: Hört der Band zu. Es ist ihre Musik. Euer Job ist es, dafür zu sorgen, dass jeder daran Freude hat.

Sofia – der Tag vor dem Konzert

Nun geht es also zum Auftrittsort, einer Eishockey-Arena, die noch aus Sowjet-Zeiten stammt, komplett aus Beton, mit Glas, glänzenden Sitzen und einem mächtigen Wellblechdach – im Grunde die größte Hallplatte der Welt. Das erste, was uns an der Eingangstür begrüßte, war ein Schild mit dem Hinweis, dass die Mitnahme von Waffen verboten ist. OK, gut zu hören. Den Hall für eine Kickdrum stellte ich später auf elf Sekunden ein. Eine Stunde nach Aufbaubeginn war erst mal die Hölle los, als eine Ratte mit der Größe einer ausgewachsenen Katze (wirklich unfassbar groß) aus dem offenen Kanal kam, unter der Bühnenrampe durch rannte, dem Multicore bis zum FOH-Platz folgte und dann wieder in einem anderen offenen Abwasserrohr verschwand.

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Die Haupt-PA-Arrays waren aus der d&b V-Series, mit V-SUBs – damit hatte ich zum ersten Mal zu tun. Es sind passive Boxen, aus denen man mit sehr wenigen Verstärkern sehr viel Sound herausholen kann. Effizente Technik ‚Made in Germany‘. Die PA klang selbst in dieser Halle großartig. Leider gab es in Bulgarien nicht genug von diesen Boxen, um die komplette Arena zu beschallen, die insgesamt 20.000 Zuschauer fasste oder so. Die Verleihfirma hatte allerdings noch einige alte, selbstgebaute Subs (hmm, mehr sage ich jetzt besser nicht dazu) und einige Nexo GEO S8, die wir als geflogene Outfills einsetzten. Außerdem standen einige Nexo-Infills und weitere Eigenbau-Boxen als äußere Infills zur Verfügung – eine bunte Mischung. Nach einer Weile hatten wir alles so hingebogen, dass der Ton gleichzeitig aus den Boxen kam! Es kam mir vor wie bei den Vereinten Nationen der Lautsprecher. Und ich gab die Audioversion von „Order, order!“, des Ordnungsrufs im britischen Parlament, wenn es richtig heiß hergeht. Leider musste ich mir die Feinheiten im Mix für eine gnädigere Halle aufheben. Hier ging es erst mal darum, einen guten Grundsound hinzubekommen. Irgendwann fragte mich Bassist Winston, ob er die Hallzeit für sein Bass-Effekt-Rack korrekt eingestellt habe oder ob er noch etwas draufgeben solle … Die druckfähige Version meiner Antwort lautete, dass es – danke für das Angebot – in der Arena bei den tieferen Frequenzen wahrscheinlich schon genug Hall gratis gäbe. Damit war die Sache erledigt, und wir schlossen die Vorbereitungen ab. Jetzt konnte es mit der Show losgehen!

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Auf Tour mit Massive Attack: Wie alles anfing – und andere interessante Dinge

Der folgende Beitrag ist der erste aus der Serie Auf Tour mit Massive Attack von Robb Allan. Robb berichtet aus seiner Perspektive als FOH-Toningenieur und Mitglied des Avid Live-Sound-Teams. Übersetzung: Anke Cherrak

Wenn ich unterwegs bin, werde ich oft gefragt, wie ich zu dem kam, was ich heute mache. Mit diesem Artikel, dem ersten einer Serie von Blog-Posts über meine Erlebnisse in der Audiowelt – und dem einen oder anderen Ausflug in die etwas abenteuerlicheren Bereiche des Showbiz – möchte ich versuchen, die Frage zu beantworten. Beruflich fahre ich zweigleisig: Ich bin Mitglied des Avid Live-Sound-Teams, und ich arbeite als Live-Tonmann für diverse Bands.

In den vergangenen vier Jahren habe ich mich stark auf die Entwicklung des neuen, revolutionären Avid S3L-Systems konzentriert. In diesem Sommer nahm ich es mit auf Tour – für den FOH-Mix meiner absoluten Lieblingsband, Massive Attack – und verband damit die beiden Welten, in denen ich mich bewege. In meinem Blog-Post berichte ich über das Equipment, die Proben, die Konfiguration der Show-Files für Massive Attack, Plug-Ins, Virtuelle Soundchecks, die Zusammenarbeit im Team und meine Sound-Philosophie im Allgemeinen. Und vielleicht erzähle ich auch noch die eine oder andere indiskrete Anekdote aus meiner nicht ganz unbewegten Vergangenheit.

Die ersten Jahre

1975 war ich zum ersten Mal auf Tour. Zu dieser Zeit war die Beschallungsanlage noch gasbetrieben, und wir reisten mit Pferd und Wagen durch die Lande. Aber schon damals wusste ich, dass genau das mein Leben war.

Ich war ein aufstrebender junger Musiker und Gitarrist der erfolglosesten Boyband der Welt. Ein Kritiker sagte mal, so wie wir aussähen, könnten uns nur unsere Mütter lieben. Gegen Ende meiner wilden Jugendzeit war ich Punk-Rocker, und Popmusik war für mich das Letzte. Wir wissen alle, dass Tonleute in der Regel Musiker sind, die nicht genug geübt haben – und, ja, ich bekenne mich schuldig.

Ich spielte in diversen Bands, doch als ich Mitte Zwanzig war, wurde mir klar, dass meine Zukunft als Gitarrist eher im Bereich Tontechnik lag. Als Musiker hatte ich hier und da schon ein bisschen technisches Fachwissen aufgeschnappt. Außerdem verbrachte ich ein paar Jahre an einer Kunsthochschule – in einer Ära, als Malerei, Zeichnen und all so etwas als ‚alte Hüte‘ galten. Jeder machte plötzlich Videos und Klanginstallationen, Happenings und Performance-Kunst. So erlernte ich das Schneiden von Audiomaterial mit Hilfe von Bandmaschinen und Rasierklingen. Wir besaßen ein brandneues Vierspur-Studio, VCS3-Synths und unglaublich viel Enthusiasmus. Den jüngeren Lesern sollte ich vielleicht erklären, dass wir vor meiner Zeit als Mitarbeiter der Firma, die das Harddisc-Recording und -Editing erfand, mit diesen langen, dünnen Kunststoffdingern mit Eisenoxid-Beschichtung arbeiteten, die auf Spulen aufgewickelt und über Magnetköpfe gezogen wurden. Ich erinnere mich noch ganz genau!! Ich pfiff auf meinen Hochschulabschluss und verbrachte mein letztes Uni-Jahr auf Tour mit einer experimentellen Electronica/New Romantic-Gruppe. Es war mir völlig unverständlich, als die Hochschule meinte, dies könne nicht als Abschlussprojekt anerkannt werden – nicht einmal, als ich ausdrücklich darauf hinwies, dass ich jeden Abend mein Gesicht anmalte.

On Tour with Massive Attack

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Jobs im ‘Fiddler’

Die Chance für meinen ersten Gig als Tonmann bescherte mir Vince Power. Ja, der legendäre Vince Power, der in den Neunzigern für sämtliche Veranstaltungen in London und alle Festivals in England verantwortlich zu zeichnen schien! Damals gehörte ihm nur ein Club in Harlesden, im Nordwesten von London, mit dem Namen The Mean Fiddler.

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Vince kam aus Waterford und liebte Country und traditionelle irische Musik. Der Mean Fiddler veränderte sich, als Vince Dave-id Phillips vom ‚Kellermeister‘ zum Band-Booker machte. Dave-id buchte unzählige großartige Indie- und Rock-Bands und machte den Fiddler zu einem angesagten Auftrittsort für die neuesten und coolsten Acts. Dave-id war ein guter Kumpel, und irgendwann erwähnte er, dass ich vielleicht an der Bar arbeiten könnte. Doch dann bekam ich von Vince einen Job als Tonmann, und noch in derselben Nacht stand ich zum ersten Mal hinter dem Pult. Danke, Vince! Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Mean Fiddler zu einer ‚Gruppe‘ mit unzähligen Locations und Gigs, die auch viele Festivals im Vereinigten Königreich veranstaltete. Vince und sein Team gaben allem einen modernen Touch und wussten, was ‚hip‘ war. Dies war der Anfang einer Zeit, als Festivals in Großbritannien zu einem unglaublich populären Teil der Jugendkultur avancierten.

Der Fiddler war eine eigenartige Location, die 365 Abende im Jahr geöffnet hatte und aufgemacht war wie eine texanische Spelunke. Sogar Texmex-Food gab es dort. Das Konzertprogramm war eine Mischung aus Country und ernstzunehmendem ‚Indie-Rock‘. An einem Abend trat Johnny Cash auf und am nächsten vielleicht die Pixies. Als ich dort arbeitete, spielten zum Beispiel Radiohead, Steve Earle, Van Morrison, Butthole Surfers, Paul McCartney, Swans, Sun Ra und Dwight Yoakum. Ich erlebte so einige außergewöhnliche Künstler und ging ihren Tonleuten so lange auf die Nerven, bis ich ihre Geheimnisse kannte, und saugte alles auf, was ich lernen konnte. Außerdem gab es im Fiddler ziemlich verwegene ‚Irische Nächte‘ und sonntagsmittags Sessions für die große irische Gemeinschaft von Nordwest-London.

On Tour with Massive Attack

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„Paddies Night“ oder das St. Patrick’s Festival waren die lautesten, verrücktesten Partys, die ich je erlebt habe. Der Fiddler fasste eigentlich 1.200 Zuschauer, aber bei den „Paddies Nights“ schafften sie es irgendwie, mehr als 2.000 Leute reinzuquetschen. Und ich steckte den ganzen Abend in meiner Regie fest und hatte keine Chance, mich zur Bühne durchzukämpfen – oder wo auch immer ich gerade gebraucht wurde. Die Menschen standen so dicht gedrängt, dass man auch ohne Füße am Boden den Halt nicht verloren hätte. Auch die Guinness-Mengen, die Abend für Abend in den durstigen Kehlen verschwanden, waren legendär, und die ganze Woche wurde Nachschub herangeschafft. Das Problem war nur, die Getränke von der Bar durch die Menge zu seinen Freunden zu befördern. Das meiste schwappte schon auf dem Weg über, so dass man buchstäblich knöcheltief in Bier stand. An manchen Abenden gaben sich so sensationelle irische Musiker und Bands wie The Dubliners, The Chieftains, Mary Coughlan, die Pogues und Planxty auf der Bühne die Ehre.

Außer den Auftritten international bekannter Acts gab es vier bis fünf Mal die Woche ‚Newcomer-Nights‘ mit sechs oder sieben neuen Bands. Für mich hätte es keinen besseren Ort zum Üben geben können. Stunde um Stunde stand ich am Pult und gab alles, dass die aufstrebenden jungen Rockstars aus den Londoner Vororten klangen wie U2 oder Nirvana – oder wer auch immer zu der Zeit gerade angesagt war. Hiermit möchte ich mich bei all diesen Bands offiziell für den fürchterlichen Ton entschuldigen, den ich ihnen vermutlich abgeliefert hatte, denn ich war gerade erst dabei, mein Handwerk zu erlernen. Das passierte während der laufenden Veranstaltungen, einfach indem ich alles Mögliche ausprobierte und auch Fehler machte. Damals gab es noch keine Schulen für Tonleute, nur die paar Ratschläge, die mir der geniale ‚Naff Dave‘ gab, der dort bereits seit dem Mittelalter für den Ton zuständig war. Er hatte einen starken Cockney-Akzent und war so zynisch, dass es fast schon wieder Spaß machte. Wenn Naff kam, ging nicht gerade die Sonne auf. Oft genug hörte man ihn schon zu Beginn eines Soundchecks über die Drums sagen: „Das nennt Ihr ein fu**** Drumkit?“ Und wenn er eine Band aufforderte, einen Song zu spielen, sagte er gerne: „Na, dann los, langweilt mich mal ein bisschen.“ Doch durch seine mürrische Unausstehlichkeit ließ sich niemand wirklich täuschen, und viele erfolgreiche Tonleute hatten ihre Karrieren in der harten Schule von ‚Naff Dave‘ begonnen und verdankten ihm viel. Die Anlage des Fiddlers bestand aus selbstgebauten, passiven 3-Wege-Lautsprechern ohne Horn, einem analogen 32-Kanal-Soundtraks-Pult (das mir zu der Zeit riesig vorkam), sechs Drawmer 901-Gate- und acht dbx 160x-Kompressor-Kanälen, einem Yamaha SPX90, einem Lexicon PCM 60 und einem Roland SDE 1000. Die gute alte Zeit!

Auf Tour mit den Manics

Ein paar Jahre später arbeitete ich im Underworld in Camden. Wie bereits der Name verrät, war das ein etwas heruntergekommener Keller-Rockclub. Dort spielten Rage Against The Machine und Pearl Jam ihre ersten Londoner Gigs – und all die anderen, bevor sie berühmt wurden.

Eines Abends gaben Heavenly Records eine Party mit zahlreichen ihrer Bands, St Etienne, Flowered Up und andere, und den Opener machte eine junge Band aus Wales. Sie hatten keinen Tontechniker, also übernahm ich den Mix. Die Musiker trugen knallenge weiße Jeans wie The Clash, T-Shirts mit situationistischen Slogans und hatten die Augen im Panda-Style geschminkt. Dann stöpselten sie ihre Instrumente ein und gaben Gas. Nach ein paar Sekunden stoppte ich sie und fragte: „Schaffen es Eure Amps nicht ein bisschen lauter?“

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Roadie Regel Nr. 1: Sei immer nett zur Vorband. Man weiß ja nie.

Sie schauten überrascht, drehten die Verstärker auf und fingen wieder an zu spielen. Und ich wurde von der ungezügelten Wildheit ihrer Musik und Texte förmlich weggeblasen. Nach dem Soundcheck unterhielten wir uns, und sie erzählten mir, dass ihnen noch niemand gesagt hatte, sie sollten ihre Amps lauter drehen. Normalerweise wollte jeder nur, dass sie sie leiser machten. Sie waren so glücklich, dass sie mich baten, mit ihnen auf Tour zu gehen – die am nächsten Tag startete. Dabei hatten sie noch nicht mal gehört, wie ich als Tonmann eigentlich war. Ich kündigte meinen Job und ging auf Tour … mit den Manic Street Preachers. Seitdem arbeite ich mit ihnen immer wieder zusammen, seit fast zwanzig Jahren. Am Anfang waren wir fünf Leute in einem Transit, mit nicht mehr als 50 Zuschauern – am Schluss Headliner in Glastonbury und füllten ganze Stadien.

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Einstieg in die digitale Welt

Bei einer der Proben für eine Manics-Produktion war es auch, als ich die VENUE D-Show-Konsole kennen lernte. Mike Case, ein guter Freund von mir, hatte gerade die Produkteinführung einer neuen Live-Konsole übernommen – für die Leute, die auch Pro Tools machten (damals noch Digidesign, heute Avid).

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Ich war ein großer Analog-Fan und besaß ein riesiges Pult eines englischen Herstellers, mit diversen Erweiterungsmodulen und Effekt-Racks. Mike bat mich, die neue Konsole zu testen. Damit konnte man Plug-Ins auch live einbinden, und sie bot diese brandneue Option mit der Bezeichnung ‚Virtueller Soundcheck‘. Ich war fasziniert und konnte die Leute davon überzeugen, diese Konsole neben meinem normalen Pult aufzubauen. Ich fuhr beide parallel, so dass ich von einem System zum anderen wechseln konnte. Wir hatten ein paar Tage zum Proben im SEC, dem Ausstellungs- und Konferenzzentrum in Glasgow, und ich testete diese Konfiguration jeden Tag im A/B-Vergleich – digital vs. analog.

Das erste, was meine Aufmerksamkeit fesselte, war der Virtuelle Soundcheck. Während des Konzerts griffen wir die Signale am A/D-Konverter ab und zeichneten sie direkt in Pro Tools auf. Wenn die Band die Bühne dann verlassen hatte, übertrug ich die Aufnahme wieder zurück in die Konsole, bearbeitete den Sound der einzelnen Songs und speicherte alles als Snapshots. Das heißt, ich konnte ein Live-Konzert genau so mischen und produzieren wie ein Studioalbum. Ich war begeistert. Dann die Plug-Ins: Die Tatsache, dass ich all diese tollen Effekte direkt im DSP-Bereich der Konsole nutzen konnte, war einfach unglaublich. Ich konnte gar nicht fassen, wie überzeugend diese digitalen Simulationen analoger Hardware klangen.

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Ich hatte einige wunderbare (und wahnsinnig teure) analoge Kompressoren in meinen Racks, außerdem Band-Delays und digitale Highend-Hallgeräte – das beste, was sie bei Britannia Row zu bieten hatten. Ich experimentierte und experimentierte.

Ich verglich die Plug-Ins mit meinen alten Rack-Geräten, probierte neue Sounds und all die neuen Möglichkeiten aus. Die ganze Nacht blieb ich allein in dieser riesigen Arena, so begeistert war ich. Bei der ersten Show der Tour fuhr ich noch beide Pulte parallel, falls ich während der Veranstaltung in Panik geraten sollte. Letztlich mischte ich aber den gesamten Auftritt auf der D-Show. Alles lief ausgesprochen gut, und ich war überrascht, wie vertraut sich die neue Umgebung anfühlte. Beim dritten Konzert der Tour blieb das analoge Pult schon auf dem LKW, und am Ende der ersten Woche schickte ich die ganze Hardware zurück ins Lager von Brit Row. Seitdem habe ich keine Veranstaltung mehr ohne eine Avid-Konsole gemischt. (Doch, eine Ausnahme gab es: beim Live8-Konzert, aber davon werde ich in einem anderen Blog-Beitrag berichten.)

Mitarbeit im VENUE Team

Ich war so ein großer VENUE-Fan, dass die Avid-Leute mich fragten, ob ich sie beim VENUE-Seminar unterstützen und Tontechnikern helfen konnte, ihre D-Show einzurichten, wenn sie zum ersten Mal damit arbeiteten. 2006 war ich Vollzeit für Avid tätig. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich einen ‚richtigen Job‘. Meine Aufgaben wechselten im Laufe der Jahre, und heute bin ich beim Avid-Product-Team. Die S3L ist die erste Avid-Konsole, bei deren Entwicklung ich von Anfang an dabei war. Das Team besteht aus brillanten Ingenieuren, die für Entwicklung und Fertigung der Hardware, das Programmieren des Codes und vieles mehr verantwortlich sind. Al McKinna managt das Team, und sein Job besteht in erster Linie darin, dafür zu sorgen, dass alle am selben Strang ziehen. Mein geschätzter Kollege Robert Scovill und ich waren für die Bedienoberfläche zuständig, den Workflow. Rob ist so ein erfolgreicher, fantastischer und vielfach ausgezeichneter Sound-Jedi, dass die Bands bei ihm Schlange stehen, um Musik für ihn zu spielen, die er mischen kann. Einmal klopfte ein junger kanadischer Sänger bei ihm an, der über Robs Ablehnung wohl so enttäuscht war, dass er anschließend komplett entgleist ist. Ich selbst bin mehr der Typ Roadie. Der offizielle Titel für unsere Tätigkeit (ich habe extra nachgeschaut) lautet: User Operation & Product Design Consulting. Unser erklärtes Ziel ist es, dass sich unsere Ton-Kollegen mit unseren Entwicklungen – so innovativ und radikal sie auch sein mögen – immer wohl fühlen und gut damit arbeiten können.

On Tour with Massive Attack

Darum freuete ich mich auch so, die S3L mit auf Tour zu nehmen. Wir haben Jahre an dem Konzept gearbeitet, unzählige Details diskutiert und versucht, alles zu berücksichtigen. Außerdem haben ich die letzten sechs Monate zusammen mit meinem Kollegen Chris Lambrechts wohl nahezu jeden Toningenieur in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika – so zumindest kam es uns vor – vor Ort mit dem System vertraut gemacht. Insgesamt haben mehr als 1.200 unserer Audio-Brüder und -Schwestern an unseren Trainings-Sessions teilgenommen.

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Im Verlauf dieser Sessions haben wir übrigens so viel Input erhalten, so viele großartige Vorschläge gehört, dass mit Sicherheit viele davon in zukünftige Updates einfließen werden. Danke dafür an alle Teilnehmer – ich habe Eure Ideen sofort geklaut und als meine ausgegeben! Als nächstes wird die S3L-Trainingstour in Dubai sein, dann in Frankreich, und im Herbst geht es weiter. Halten Sie also die Augen offen, wann wir in Ihrer Nähe sind. Jetzt höre ich aber auf, über die S3L zu reden, und es geht weiter mit, naja, dem Mischen von Live-Veranstaltungen eben … Außerdem schreibe ich noch etwas für diese Blog-Serie, was sich auch während der Massive Attack-Tour machen lässt. Die Band wird an ein paar hochinteressanten Orten spielen, in Glastonbury, auf Island, im Libanon und beim einzigartigen Montreux Jazz Festival. Ich werde versuchen, mir alles zu merken, was unterwegs so passiert, und etwas über die PA-Systeme, die Zuschauer und die Bands erzählen – und darüber, wie es so ist, mit der coolsten kleinen Konsole der Welt auf Tour zu sein.